Verbraucher bleiben mit Blick auf die private Altersvorsorge weiter zurückhaltend. Keine große Neuigkeit in der Leben-Sparte, die schon seit Jahren das Krisenkind der Versicherungsbranche ist. Aber glaubt man der am Montag veröffentlichten Sommerprognose des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gibt es Licht am Ende des Tunnels.

Noch ist ein echter Turnaround nicht geschafft:. „Im Einmalbeitragsgeschäft war der Rückgang weniger stark, als wir es im Frühjahr erwartet haben“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Am Beitragsminus in der Sparte ändere das allerdings nichts. Für 2023 rechnet der GDV mit einem Rückgang in der Lebensversicherung von 4,3 Prozent (Frühjahr: minus 5,5 Prozent). „Die anhaltende Inflation belastet nach wie vor die privaten Haushalte und nimmt vielen die Möglichkeit zum Sparen“, so Asmussen. Generell habe sich an der Einschätzung der makroökonomischen Rahmenbedingungen im Vergleich zum Frühjahr wenig geändert. Entsprechend prognostiziert der GDV für das Jahr 2023 weiterhin einen Rückgang der Einmalbeiträge um 10,0 Prozent in der Lebensversicherung ohne Pensionskassen und Pensionsfonds.

Geschäftsklimaindex sieht Leben-Sparte im Aufwind

Allerdings: Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage in der Sparte hat sich leicht verbessert und beendet somit den Abwärtstrend der Vorquartale. Das zeigen Daten des Ifo-Geschäftklimaindex. Vor allem die Erwartungen für die kommenden sechs Monate sind deutlich besser ausgefallen als im Vorquartal und liegen fast im langfristigen Mittel, so der Verband. Hier sank der Anteil der Unternehmen, die eine ungünstigere Geschäftslage erwarten, auf 9 Prozent (Vorquartal: 43 Prozent). Zeitgleich ist der Anteil der befragten Lebensversicherer, die eine bessere Geschäftslage erwarten, von 17 auf 28 Prozent angestiegen. Das Geschäftsklima in der Lebensversicherung wird mit einem Saldo von -14,4 Punkten günstiger beurteilt als im Vorquartal (-34,6 Punkte).

Ifo-Geschäftsklimaindex für die Lebensversicherung 2010 bis 6/2023.

2024 leichtes Positivwachstum möglich

Für das kommende Jahr 2024 schätzt der GDV die Entwicklung in der Lebensversicherung vorsichtig positiver ein. Es sei mit einem leichten Wirtschaftswachstum und rückläufiger Inflation zu rechnen, wodurch sich Einkommen und Konsum real werden verbessern könnten. Die Unsicherheit dürfte abnehmen und eine gewisse Gewöhnung an das neue Inflationsumfeld dazu beitragen, dass Menschen wieder vermehrt ihren präferierten Konsumneigungen nachgehen können. Das maximale Zinsniveau könnte bis Ende 2023 erreicht sein und die Lebensversicherer können diese Konditionen vermehrt an die Kunden weitergeben, so der GDV. Das schrittweise Auflösen der Zinszusatzreserve verschaffe den Lebensversicherern zusätzlichen Spielraum.

Dementsprechend könnte das Einmalbeitragsgeschäft wieder ein leichtes Wachstum im Bereich von 0 bis 5 Prozent verzeichnen. Der Neuzugang zum laufenden Beitrag könnte mit 1 bis 3 Prozent moderat wachsen. Allerdings übersteigt laut GDV der Abgang in absoluten Größen selbst bei einem leichten unterstellten Rückgang (Bandbreite in 2024: 1 bis -1 Prozent) den Neuzugang, sodass beim laufenden Beitrag mit einem Minus im Bereich von 0,3  bis 0,5 Prozent gerechnet werden müsse. Das Wachstum der Lebensversicherung, einschließlich Pensionskassen und Pensionsfonds, könnte im Jahr 2024 demnach in einem Bereich von -0,4  bis 1,1 Prozent liegen, prognostiziert der Verband.

 

 

Inflation treibt Prämien in der Sachversicherung

Die sich insgesamt verbessernde Lage spürt die Branch bereits jetzt. Über alle Versicherungssparten hinweg rechnet der GDV in seiner Sommerprognose mit einem Beitragsplus von 1,3 Prozent im laufenden Jahr. Das wären 0,9 Prozentpunkte mehr als noch bei der vorigen Prognose aus dem Frühjahr. Getragen wird das Wachstum vor allem von den Schaden- und Unfallversicherern. Dort treibt trotz intensiven Wettbewerbs die allgemeine Teuerung die Kosten für Schäden in die Höhe, was in der Regel steigende Beiträge nach sich zieht. Der GDV erwartet für 2023 einen Beitragszuwachs von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Frühjahr: 5,5 Prozent). In der Privaten Krankenversicherung erwarten die Lobbyisten eine Steigerung der Bruttobeitragseinnahmen von 3,9 Prozent für das Gesamtjahr, nach einer Schätzung von 3,5 Prozent im Frühjahr.                    

Dass höhere Beiträge allein noch kein Ausweis für einen gesunden Geschäftsverlauf sind, zeige die aktuelle Lage der Kfz-Versicherer. Sie steuern in diesem Jahr auf einen Verlust von mehr als 2,5 Milliarden Euro zu. Denn das erwartete Beitragsplus von rund 3,6 Prozent reicht laut Verband nicht aus, um die steigenden Entschädigungsleistungen aufzufangen. Diese klettern in diesem Jahr um voraussichtlich elf Prozent – insbesondere wegen höherer Werkstatt- und Ersatzteilpreise.