2023 war ein herausforderndes Geschäftsjahr für die Lebensversicherer. Diese sahen sich insbesondere bezüglich der Inflations- und Zinsentwicklungen mit Schwierigkeiten konfrontiert. Auf einem Niveau von 5,9 Prozent blieb die Inflationsrate im vergangenen Jahr weiterhin hoch. Für 2024 zeigt eine Studie der Kölner Rating-Agentur Assekurata, dass die Versicherer etwas optimistischer in das laufende Jahr blicken.
GDV erwartet stabile Beitragsentwicklung
Das Neugeschäft der Lebensversicherer sei 2023 unter hohem Wettbewerbsdruck und schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwach gewesen, schreibt Assekurata-Bereichsleiter Lars Heermann und stützt sich dabei auf Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dies habe zu einem Rückgang der Beitragseinnahmen um vier Prozent auf 89 Milliarden Euro geführt. Der Vertragsbestand sei zudem abermals um 1,3 Prozent gesunken. Dennoch blicke die Branche zuversichtlich in das laufende Jahr, wie der GDV zu Jahresbeginn berichtete, und erwarte eine stabile Beitragsentwicklung.
Marktstudie der Assekurata
Ende Februar veröffentlichten die Kölner eine sogenannte Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien, in der die 30 teilnehmenden Lebensversicherer auch ihre aktuelle und erwartete Geschäftslage für das Jahr 2024 bewerten sollten. Die Bewertung erfolgte auf einer Skala von sehr negativ (-2), negativ (-1), neutral (0), positiv (+1) bis sehr positiv (+2). Der im Ergebnis resultierende Indexwert von 0,13 im Mittel zeigt eine leichte Tendenz zum Positiven im Vergleich zum neutralen Wert von 0,00 im Vorjahr.
Heermann sagt: „Freilich sollte die leichte Verbesserung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gesellschaften weiterhin ein recht verhaltenes Gesamtbild zeichnen.“ Der intensive Wettbewerb, verstärkt durch attraktivere Zinssätze bei Bankprodukten, sowie gesunkene Reallöhne und Haushaltseinkommen seien weiterhin herausfordernd.
Große Unterschiede zwischen den Produktsegmenten
Während das Gesamtbild insgesamt verhalten ist, zeigen sich in der Detailanalyse der verschiedenen Produktsegmente signifikante Unterschiede. Besonders Fondspolicen ohne Garantie und biometrische Produkte wie Berufsunfähigkeits- und Grundfähigkeitsversicherungen verzeichnen eine positive Entwicklung. Risikolebensversicherungen, oft zur Hypothekenabsicherung genutzt, seien von den gestiegenen Kreditzinsen und den Einbrüchen im Immobilienmarkt negativ beeinflusst worden.
Keine Renaissance von Klassik-Tarifen
Die Einschätzungen zur betrieblichen Altersvorsorge sind trotz der schwierigen Konjunkturaussichten positiv, liegen aber hinter den Erwartungen für Fondspolicen und Berufsunfähigkeitsversicherungen zurück. Neu aufkommende Produktarten wie die Neue Klassik und Indexpolicen erleben Zuwachs, befinden sich jedoch insgesamt noch im negativen Bereich. „Eine regelrechte Renaissance der Klassik ist insoweit aus den Trenddaten nicht ersichtlich, hieran können auch die gestiegenen Deklarationen bis dato nichts ändern“, so Heermann.
Nichtsdestotrotz sendeten die verbesserten Überschussbeteiligungen und Finanzierungsbedingungen für Garantien positive Signale an Vertrieb und Kunden, speziell im Bereich der Einmalbeiträge. Zudem habe sich die Inflation in den letzten Monaten deutlich abgeschwächt, was zu einer leichten Stimmungsaufhellung in der Branche beitrage. „Die leichte Stimmungsaufhellung in der Branche kommt daher nicht von ungefähr.“


