Lebensversicherer in der Kritik Teure Kredite für Töchter = niedrige Überschüsse für Kunden?

BdV-Chef Axel Kleinlein:

BdV-Chef Axel Kleinlein: "Eine hohe Überschussbeteiligung ist bei Versicherern mit hohen Darlehen nicht zu erwarten"

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In Zeiten extrem niedriger Zinsen fürchten viele Versicherer, ihren Garantieverpflichtungen irgendwann nicht mehr nachkommen zu können. Um das zu vermeiden, erlaubt der Gesetzgeber den Gesellschaften, die Ausschüttungen an die Kunden zurückzuhalten, um einen Finanzpolster für künftige Garantiezahlungen zu bilden. In diesem Fall darf aber auch kein Geld an die Eigentümer fließen.

So weit, so logisch. Doch die Versicherer haben nun einen Weg gefunden, die Ausschüttungsperre an die Eigentümer zu umgehen. Denn die Konzernmütter vergeben an ihre Lebensversicherungstöchter Kredite zu Wucherzinsen. Das berichtet die Wirtschaftswoche. 

Das Blatt hat stichprobenartig konzerninterne Kredite untersucht und mehrere Beispiele für Darlehen zu Zinsen, die weit über den marktüblichen liegen entdeckt.

Bis zu 6,5 Prozent Zinsen 

Besonders gierig zeigt sich bei der untersuchten Stichprobe die Generali Deutschland Holding. Für die 382 Millionen Euro, die sie ihrer Tochter Generali Leben im Jahr 2012 für 30 Jahre geliehen hat, verlangt die Konzernmutter zunächst 6,5 Prozent Zinsen jährlich. Nach zehn Jahren tritt der variable Zins in Kraft.

HDI Leben muss der Muttergesellschaft Talanx jedes Jahr 6 Prozent auf die geliehenen 51 Millionen Euro zahlen, so das Ergebnis der Wirtschaftswoche-Recherchen. Die Swiss Life lieh ihrer Deutschland-Tochter unbefristet 100 Millionen Euro - zu einem Zinssatz von 4,3 Prozent. Die Lebensversicherung Provinzial Rheinland zahlt für den 125-Millionen-Euro Kredit mit einer Laufzeit von zehn Jahren 3,7 Prozent jährlich.

BdV-Chef: Eine hohe Überschussbeteiligung ist bei Versicherern mit hohen Darlehen nicht zu erwarten

Im Schnitt liegen die Zinsen bei konzerninternen Krediten zwischen 4 und 6 Prozent. Das hat zwar seinen Grund: Bei solchen Darlehen handelt es sich um nachrangige Kredite, die im Fall einer Insolvenz des Kreditnehmers zuletzt bedient werden. Doch die Lebensversicherer seien derzeit nicht in der Lage, so hohe Zinsen zu erwirtschaften, zitiert die Wirtschaftswoche Gerhard Schick, finanzpolitischen Sprecher von Bündnis 90/ Die Grünen. Auch Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten (BdV) kritisiert die „nennenswerte Summen, die da abfließen“.