Die Rating-Agentur Assekurata hat die Berichte zur Solvabilität und Finanzlage (SFCR) für das Jahr 2023, die Deutschlands Lebensversicherer gemäß EU-Regelwerk Solvency II veröffentlicht haben, untersucht. Das Ergebnis: Da die Kapitalmarktzinsen leicht gesunken sind, gingen auch die Solvenzquoten der Versicherer insgesamt leicht zurück.

Die Solvenzquote (SCR-Quote) gibt an, ob ein Versicherer auch in Extremszenarien genügend Eigenmittel hätte, um seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber Versicherten und anderen Leistungsempfängern nachzukommen. Um diese Kennzahl zu berechnen, werden Eigenmittel eines Versicherers ins Verhältnis zu seinen Verpflichtungen gegenüber den Leistungsempfängern gesetzt. Nach aufsichtsrechtlichen Vorgaben sollte die Quote stets bei mindestens 100 Prozent liegen.

Diesen Mindeststandard erfüllen derzeit alle untersuchten Versicherer: Die niedrigste aufsichtliche Solvenzquote betrug im vergangenen Jahr 159 Prozent. Im Schnitt lag die Quote 2023 bei rund 573 Prozent. Das sind 46 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr (619 Prozent).

Zinsentwicklung und Abschwächung von Übergangsmaßnahmen

Als Grund nennen die Assekurata-Analysten die Zinsentwicklung. So erreichten die durchschnittlichen Solvenzquoten der Lebensversicherer im Bilanzjahr 2022 ihren bisherigen Höhepunkt, da die Marktzinsen zuvor stark angestiegenen waren. Seit Herbst 2023 ist das Zinsniveau wieder leicht gesunken: Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen beispielsweise sank Ende 2023 von 2,56 Prozent im Vorjahr auf 2,03 Prozent. „Durch das zinsabhängige Geschäftsmodell der Lebensversicherung haben die Marktzinsen einen wesentlichen Einfluss auf die Solvenzquoten in der Branche“, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata.

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Darüber hinaus dürfen Lebensversicherer seit 2016/2017 bis Ende 2031 verschiedene Hilfsmaßnahmen bei Berechnung ihrer Solvenzquoten nutzen, um Anforderungen von Solvency II zu erfüllen. Zu diesen Übergangshilfen zählen unter anderem die Volatilitätsanpassung (VA), die es ermöglicht, Anleihen höher zu bewerten, wenn sie nur vorübergehend an Wert verlieren, sowie eine vorübergehende Anpassung der maßgeblichen risikofreien Zinskurve. Allerdings nehme die Wirkung von Übergangsmaßnahmen bis 2032 jedes Jahr ein Stück weit ab, warnt Heermann. Auch dies wirke sich auf die Solvenzquoten aus.

Signal Iduna führt mit 1.317 Prozent 

Bei der Analyse stellte Assekurata deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Gesellschaften fest. So verteilen sich die aufsichtsrechtlichen SCR-Quoten von unter 200 Prozent bis weit über 1000 Prozent. Den Spitzenwert erzielt wie im Vorjahr die Signal Iduna Lebensversicherung a.G. mit 1.317 Prozent, gefolgt von der R+V Lebensversicherung a.G. mit 1.267 Prozent und der SV Lebensversicherung AG mit 1.164 Prozent. Insgesamt hat sich laut Studie bei 43 Unternehmen das Solvenzniveau gegenüber dem Vorjahr abgeschwächt.

Die niedrigste Solvenzquote weist laut Assekurata die Skandia Leben mit 159 Prozent aus. Es folgen Cosmos, Prisma Life, Bayerische Leben und Heidelberger Leben.

Basis-Solvenzquote sogar leicht gestiegen

Demgegenüber ist die durchschnittliche Solvenzquote ohne Übergangsmaßnahmen gegenüber dem Vorjahr sogar leicht von 351 Prozent auf 357 Prozent gestiegen. Für die Basis-Solvenzquote (ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung) hat Assekurata ebenfalls eine Erhöhung von 315 Prozent auf 324 Prozent ermittelt. „Inzwischen schaffen es nur drei Gesellschaften (Vorjahr: vier) mit ihrer Basis-Solvenzquote nicht über die Marke von 100 Prozent. Inklusive der Volatilitätsanpassung gilt dies noch für ein (drei) Unternehmen“, heißt es im Bericht.

 

Die meisten Lebensversicherer können ihre Solvenzanforderungen weiterhin komfortabel decken, so das Fazit des Assekurata-Berichts.  „Allerdings rechnen wir zum Sommer mit ersten Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank, sodass die Entwicklung des Zinsniveaus und die Auswirkungen auf die Solvenzlage weiter unter Beobachtung bleiben sollten“, sagt Heermann.

Unterdessen führt nun auch die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung Eiopa in diesem Jahr wieder ihren europaweiten Stresstest für Versicherungsunternehmen durch. Dabei wird ebenfalls die Widerstandsfähigkeit der Versicherungsbranche in Extremszenarien geprüft. Welche sieben deutsche Versicherer in diesem Jahr untersucht werden, erfahren Sie hier.