Laut einer Untersuchung des Analysehauses Assekurata hat sich die Stimmung deutscher Lebensversicherer etwas verbessert. Eine Entwicklung, die zur aktuellen Marktlage passt, in der der Aufwärtstrend bei den Überschussbeteiligungen für 2025 in der Lebensversicherung zwar weiterging, sich im Zuge wiederholter Senkungen der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) aber verlangsamt hat. Auch konnte die Branche laut GDV-Zahlen zumindest beim Einmalbeitrag wieder ein deutliches Plus verzeichnen.

Geschäftslage und Geschäftserwartungen leicht verbessert

Die Einschätzungen der Versicherer vergleicht das Unternehmen über Indexwerte. Diese ergeben sich aus den gemittelten Einzelantworten auf einer Skala von sehr negativ (-2), negativ (-1), neutral (0), positiv (+1) bis sehr positiv (+2). In der aktuellen Umfrage liegt die Geschäftslage in der Branche mit einem Indexwert von 0,18 höher als im Vorjahr (-0,03), und auch die Geschäftserwartungen für 2025 haben sich mit 0,19 gegenüber 2024 (0,13) leicht erholt, schreibt Autor Lars Heermann, Bereichsleiter bei der Assekurata Rating-Agentur in seinem Blog.

Dennoch bleiben die Anbieter vorsichtig, so der Autor. Kein Studienteilnehmer bewertet seine Gesamtgeschäftslage oder -erwartungen als sehr positiv. Gründe für die verhaltene Prognose dürften vor allem das schwache wirtschaftliche Gesamtumfeld, die unsicheren Zins- und Inflationsaussichten und die angespannte weltpolitische Lage sein.

Die Aussagekraft der Ergbenisse ist indes schwer zu bewerten. Weitere methodische Hinweise gibt Assekurata keine. Vor allem bleibt unklar, wie viele Unternehmen die Kölner überhaupt befragt haben und welche Marktabdeckung sie damit erreichen.

Quelle: Assekurata

Fondspolicen ohne Garantien und die bAV treiben das Geschäft

In der produktbezogenen Auswertung sind Fondspolicen ohne Garantie weiterhin die klare Nummer eins. Ihre Geschäftslage wird mit 1,32 Indexpunkten weit positiv bewertet (Vorjahr: 1,17). Hybride Fondspolicen mit Garantie sind mit 0,50 zwar schwächer als im vergangenen Jahr (0,70), ihnen wird aber ebenfalls noch eine positive Erwartung beigemessen (0,68). Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) liegt mit einem Geschäftslage-Indexwert von 0,75 insgesamt auf dem zweiten Platz und erweist sich laut Assekurata als weiterer Geschäftstreiber. Die Erwartungen für dieses Segment sind mit 0,82 sogar noch etwas optimistischer.

Auch die Bewertung von Biometrieprodukten bleibt positiv, allen voran für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Allerdings fällt deren Bewertung mit 0,57 schwächer aus als im Vorjahr (0,83). Auf etwas geringerem Niveau liegen Grundfähigkeitsversicherungen, die aber bei den Erwartungen positive Tendenzen aufweisen. Parallel zur Gesamteinschätzung der Branche entwickeln sich Risikolebensversicherungen langsam aus dem neutralen Bereich wieder nach oben.

Keine Renaissance der klassischen Lebensversicherung 

Konventionelle Policen liegen unverändert im negativen Bereich. Trotz eines laut Assekurata ordentlichen Indexjahres 2024 verlieren Indexpolicen mit -0,46 Punkten weiter an Attraktivität im Vergleich zum Vorjahr (-0,18). Die klassische Lebensversicherung bleibt mit -1,14 weiterhin das Schlusslicht, zeigt allerdings eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (-1,23). Im Vergleich dazu schneidet die Neue Klassik noch am besten ab (-0,43).

Grundsätzlich bleibe die klassische Lebensversicherung auch unter höheren Deklarationen und dem gestiegenen Höchstrechnungszins weiterhin von untergeordneter Bedeutung ist. Zwar trügen höhere Überschussbeteiligungen und der gestiegene Höchstrechnungszins aktuell zu einer besseren Prognose bei, allerdings reiche dies nicht aus, um eine Renaissance der klassischen Lebensversicherung zu bewirken. 

Sterbegeldversicherungen schwanken mit leichtem Positivtrend um den neutralen Bereich. Pflegeversicherungen und Dread-Disease-Policen spielen im Lebensversicherungsmarkt eine untergeordnete Rolle, so der Analyst.

Grafisch stellen sich die Einschätzungen für 2025 wie folgt dar:

Quelle: Assekurata

Trend zu Fondspolicen verstärkt Wettbewerb mit Banken und Investmentanbietern

Der anhaltende Trend in Richtung Fondspolicen bedeutet laut Heermann zugleich, dass kollektive Ausgleichsmechanismen über die Deckungsstöcke der Anbieter sukzessive an Bedeutung verlieren. Stattdessen dominierten Fondsinvestitionen und direkte Kapitalmarktbeteiligungen das Altersvorsorgegeschäft der Gesellschaften. Dadurch sehe sich die Branche verstärkt dem Wettbewerb mit Banken und Investmentanbietern ausgesetzt. Heermann: „Einfacher dürfte das Neugeschäft dadurch nicht werden“.

Verhaltene Zukunftsaussichten

Für den Autor signalisieren die Studienergebnisse einen Lichtblick, sowohl insgesamt als auch besonders in bestimmten Produktsegmenten. Positiv könnten sich die gesunkene Inflation und die gestiegenen Reallöhne auswirken.

„Dennoch wird die allgemeine Wahrnehmung von weiterhin sehr hohen Preisen die Bevölkerung vermutlich dazu bewegen, weniger in langfristige Altersvorsorgeprodukte zu investieren. Stattdessen könnte ein Vorsichtssparen zunehmen, bei dem Geld für schlechte Zeiten zurückgelegt wird. Hinzu kommen regulatorische Herausforderungen, die die Produktgestaltung und den Geschäftserfolg der Lebensversicherer beeinflussen werden“, schreibt Heermann.