Frisörbetrieb: Dienstleister gehören zu den Leidtragenden des sogenannten Shutdowns in Deutschland, mit der die Ausbreitung des Corona-Virus eingedämmt werden sollte. | © Foto von David Geib von Pexels Foto: Foto von David Geib von Pexels

Lebensversicherungen

Policen-Aufkäufer meldet Anfragen-Ansturm

Efstratios Bezas, Policen Direkt

Mit milliardenschweren Soforthilfen reagiert die Politik auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, die in vielen Branchen zu Einnahmeausfällen führte. Doch diese Finanzspritzen und die aktuellen Lockerungen der strengen Auflagen für Unternehmer helfen offenbar längst nicht allen, berichtet Policen Direkt: Der Aufkäufer am Zweitmarkt für Lebensversicherungen registriert eine dreifache Zahl an Anfragen von potenziellen Verkäufern. Vor allem Gewerbetreibende überbrücken mit dem eigentlich für die private Altersvorsorge angesparten Geld die plötzlich aufgetauchten, finanziellen Engpässe, die die Existenz der Selbständigen bedrohten.

„In den letzten 10 Wochen hat sich die Situation angesichts der Corona-Krise so verschärft, dass Gewerbetreibende ihre Reserven auflösen. Gastronomen, Hoteliers, Frisöre, Floristen und Fahrlehrer benötigen dringend Geld“, erklärt Efstratios Bezas, Leiter Vertrieb bei Policen Direkt. „Wir haben in den ersten vier Monaten schon fast so viele Anfragen bearbeitet wie im gesamten vergangenen Jahr.“ Viele handelten demnach „aus existenzieller Not und kündigen ihren Vertrag vorschnell beim Versicherer“. Denn: „Auch wer in Kurzarbeit ist oder seinen Job verloren hat, benötigt derzeit schnell und sicher Liquidität, um die laufenden Kosten zu bewältigen.“

„Kündigung immer schlechteste Variante“

„Wer seine Lebensversicherung liquidieren muss, sollte gerade jetzt kein Geld verschenken“, empfiehlt Bezas, dessen Team aktuell erheblich mehr Beratungsaufwand betreibe. „Die Kündigung beim Versicherer ist immer die schlechteste Variante.“ Denn wer vorschnell kündige, verliere nicht nur seinen Altersvorsorge und Hinterbliebenenschutz, sondern auch einen finanziellen Mehrwert von durchschnittlich 2 bis 6 Prozent. Deutsche Verbraucher verschenkten laut Bezas allein 2018 etwa 80 Millionen Euro, weil sie ihre Lebensversicherung stornierten statt diese auf dem Zweitmarkt zu verkaufen. Derzeit landen rund 2 Prozent der gekündigten Versicherungen am Zweitmarkt.

Mehr zum Thema
Solvenzquoten 2019
Puffer der Lebensversicherer für die Corona-Krise schwinden
Immobilien im Token-Format
„95 bis 98 Prozent aller Objekte fallen durch“
Zweitmarkt für Lebensversicherungen
„Die Versicherer sind heute krisenerprobt“
nach oben