Lebensversicherungen in Deutschland Solvenzquoten der Lebensversicherer steigen an

Bilanzcheck: Nicht zuletzt wegen der veränderten Berechnungsmethodik zur Zinszusatzreserve (ZZR) waren die Solvenzquoten der Lebensversicherer mit Spannung erwartet worden.  | © Tim Reckmann / <a href='http://www.pixelio.de/' target='_blank'>pixelio.de</a>

Bilanzcheck: Nicht zuletzt wegen der veränderten Berechnungsmethodik zur Zinszusatzreserve (ZZR) waren die Solvenzquoten der Lebensversicherer mit Spannung erwartet worden. Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

Die Solvenzquote gibt in einem modellhaften Extremszenario das Verhältnis der Eigenmittel eines Versicherers zu seinen Verpflichtungen gegenüber Versicherten und anderen Leistungsempfängern wieder. Nach aufsichtsrechtlichen Vorgaben sollte die Quote stets bei mindestens 100 Prozent liegen. Eine Gesellschaft hat dann ausreichend Eigenmittel, um auch unter widrigen Entwicklungen alle Verpflichtungen in den unter Solvency II definierten Rahmenbedingungen zu erfüllen.

Zum 31.12.2018 erfüllen die deutschen Lebensversicherer die vorgeschriebene Solvenzquote im arithmetischen Durchschnitt zu rund 491 Prozent. Im Vergleich zum Jahresende 2017 ist sie damit um 40 Prozentpunkte gestiegen, berichtet aktuell die Kölner Ratingagentur Assekurata. Deren Analysten haben die Solvenzquoten und ergänzende Informationen von 84 deutschen Lebensversicherern zusammengestellt, welche bis Ende April vorlagen. 

Long-Term-Guarantee-Maßnahmen eingerechnet

Lars Heermann, Assekurata

Die Zahlen fallen vielfach höher aus, denn in den genannten Quoten sind auch LTG-Maßnahmen (Long-Term-Guarantee-Maßnahmen), also Übergangsmaßnahmen  und Volatilitätsanpassungen, eingerechnet, erklärt Lars Heermann. „Die Übergangsmaßnahmen zielen darauf ab, in einem sechzehnjährigen Überleitungszeitraum die Versicherungsbestände erst allmählich in die vollständigen Solvency-II-Anforderungen einzubrin gen beziehungsweise einen sukzessiven Übergang auf die Zinsstrukturkurve von Solvency II einzuleiten“, so der Bereichsleiter Analyse und Bewertung Assekurata.

„Obwohl die Anrechenbarkeit der Übergangsmaßnahmen jährlich um rund 6 Prozentpunkte abnimmt, kann damit ein Großteil der Versicherer die Quote stärken.“ Die Volatilitätsanpassung hingegen ist eine auf Dauer angelegte Modellanpassung im Regelwerk von Solvency II. Gegenüber den Übergangsmaßnahmen (173 Prozentpunkte) fällt ihr Einfluss auf die Solvenzquote mit 44 Prozentpunkten zudem geringer aus. In der Berechnung ganz ohne LTG-Maßnahmen bleibt die Solvenzquote (Basis-Solvenzquote) mit durchschnittlich 274 Prozent relativ konstant zum Vorjahr (273). 

Neben dem etwas höheren Zinsniveau am Kapitalmarkt zum Bilanzstichtag 31.12.2018 sowie der eigenmittelschonenderen Produktpolitik der Lebensversicherer trug maßgeblich die Methodenänderung bei der Zinszusatzreserve (ZZR) zur Steigerung der Quoten bei. „Dies erklärt auch, wieso viele Versicherer mit garantielastigem Altbestand in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg der aufsichtlichen Quote verzeichnen konnten“, erklärt Heermann aus.

„Langfristig wird die marktweit zu beobachtende Neujustierung des Geschäftsmodells hin zu garantieärmeren Produkten die Werte weiter stabilisieren, wobei deutsche Lebensversicherer im internationalen Vergleich bereits heute hohe Solvenzquoten aufweisen“, so der Assekurata-Bereichsleiter weiter.

Spannweite zwischen Anbietern beachtlich

Die Spannweite zwischen den einzelnen Anbietern ist allerdings noch immer beachtlich. So verteilen sich die Solvenzquoten im regulatorischen Nachweis von rund 140 bis knapp über 1.000 Prozent. Den Spitzenwert erzielt in diesem Jahr die Swiss Life mit 1.071 Prozent, gefolgt vom letztjährigen Spitzenreiter Sparkassenversicherung Sachsen (1.034) und der Mecklenburgischen (997).

Die Einzelunternehmensbetrachtung zeigt allerdings auch, dass 30 Gesellschaften eine zum Vorjahresvergleich niedrigere Quote aufweisen. Das sind deutlich mehr als noch 2017 (20). Dabei verzeichnet die Nürnberger den höchsten Rückgang in Prozentpunkten, liegt aber mit 553 Prozent (Vorjahr: 761) weiterhin über dem Branchenschnitt. Demgegenüber kann die Süddeutsche den branchenweit höchsten Anstieg von 469 auf 957 Prozent verzeichnen.