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Bernhard Allgäuer

Bernhard Allgäuer

Leerverkaufsverbot verpufft

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Bereits die Leerverkaufsverbote aus dem Jahr 2008 konnten in allen beteiligten Ländern letztlich nicht zu einer nachhaltigen Marktberuhigung führen. Die betroffenen Finanzwerte haben nach dem Verbot sogar stärkere Einbußen eingefahren als der Gesamtmarkt. Dieselbe Erfahrung hat auch Frankreich vor Jahresfrist gemacht.

Nach Kursverlusten der Großbanken von über 50 Prozent wurde Anfang August 2011 ein Leerverkaufsverbot für Banken erlassen. Credit Agricole hat seither 50 Prozent verloren und Societé Generale 30 Prozent, während der CAC 40 rund 10 Prozent zulegen konnte. Dies zeigt, dass Leerverkäufer nur einen marginalen Anteil vom Verkaufsdruck ausmachten. Im Nachhinein sind fundamentale Gründe und nicht Leerverkäufe verantwortlich für fallende Kurse.

Leerverkäufe sind schon lange umstritten. Empirische Studien belegen, dass Leerverkäufe zur Markteffizienz beitragen und Verbote die Marktqualität beeinträchtigen – sie reduzieren die Marktliquidität und erhöhen damit die Volatilität. Leerverkäufer decken sich nach Kursstürzen wieder ein und können so am Ende von Stressphasen unterstützend wirken. Bisher konnte keine Studie belegen, dass Leerverkaufsverbote helfen, signifikant Kursstürze zu reduzieren.  

Die Ursache für den Vertrauensverlust in Europa liegt im miserablen Krisenmanagement. In den Peripheriestaaten kommen unpopuläre Maßnahmen wie Sparprogramme und Strukturreformen nur zögerlich voran. Unflexible Arbeitsmärkte sorgen für Jugendarbeitslosenraten von teilweise über 50 Prozent - die Wertschöpfung der betroffenen Volkswirtschaften wird auch künftig von dieser Entwicklung belastet. Mangelnde Perspektiven sind auch eine Gefahr für den sozialen Frieden und die politische Stabilität. Gleichzeitig werden in Deutschland die Euro-Rettungsprogramme von Populisten torpediert.

Auch die EZB könnte mangels Preisdrucks mehr tun - insbesondere in Ländern, in denen der Geldschöpfungsprozess nicht mehr funktioniert. Lange genug wurden mit einem Flickwerk Symptome bekämpft. Zur Ursachenbekämpfung wird nun ein gemeinsames entschlossenes Auftreten aller Akteure benötigt. Nur so kann das Vertrauen der Märkte nachhaltig gewonnen werden.

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