Lernkurve 10 Lehren aus 25 Jahren mit Schwellenländeranleihen

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Erkenntnis 6: Mit angezogener Handbremse geht es nicht vorwärts

Häufig werden protektionistische Maßnahmen gefordert, wenn ein Land einen wirtschaftlichen Abstieg befürchtet. Hohe Importzölle und andere protektionistische Maßnahmen, mit denen die eigene Bevölkerung vor internationalem Wettbewerb geschützt werden soll, funktionieren aber nur kurzfristig. Am besten schneiden jene Länder ab, die ihre Wirtschaft öffnen, am Weltmarkt teilnehmen und die Vorteile ausländischer Direktinvestitionen nutzen.

Erkenntnis 7: Große Tanker können nur ihren Kurs korrigieren

Nach Jahrzehnten von Struktur- und institutionellen Reformen in den Schwellenländern nehmen allmählich auch große, nicht spezialisierte Fonds und ETFs, die tendenziell opportunistisch investieren, beträchtliche Allokationen in Schwellenländeranleihen vor. Aufgrund der steigenden Anlegernachfrage werden daher allmählich die Risikoprämien sinken. Große Fonds, die sich an einer Benchmark orientieren, müssen zudem ihre Positionen ungeachtet der Kurse oder der Liquidität anpassen, was Marktpreise verzerren kann.

Das schafft allerdings häufig hervorragende Chancen für Investoren, die über genügend Expertise und Dynamik verfügen, um sie zu nutzen.

Erkenntnis 8: Die Schäden von Korruption lassen sich nicht verschleiern

Korruption wirkt wie eine versteckte Steuer. Sie hemmt das Wirtschaftswachstum und dämpft die Anlegerstimmung. Dann sinken ausländische Investitionen und die Exporteinnahmen gehen zurück. Daher besteht eine hohe Korrelation zwischen Korruption und einer Verschlechterung der Haushaltssituation. Der Kampf gegen Korruption ist langwierig und anstrengend, wird aber zunehmend geführt, wie die jüngsten Antikorruptionsmaßnahmen in Brasilien, Peru oder Südafrika zeigen. Governance-Faktoren sind ein zentraler Bestandteil der Investmentprozesse von NN IP, um die Vorteile einer besseren Governance und stärkerer Institutionen zu nutzen.

Erkenntnis 9: Das Handeln ist wichtig, nicht die Rhetorik

Häufig bestehen beträchtliche Diskrepanzen zwischen politischer Wahlkampfrhetorik und der dann umgesetzten Politik. Dennoch lassen sich die Märkte vor allem in Wahlkampfzeiten leicht dadurch verschrecken, dass ein potenziell radikaler politischer Richtungswechsel angekündigt wird. Häufig jedoch geht die Regierung dann sehr viel moderater und pragmatischer vor als es die Wahlkampfrhetorik vermuten ließe.

Erkenntnis 10: Fokussierung ermöglicht die nötige Flexibilität

Sowohl in Auf- als auch in Abschwungphasen ist es in den Schwellenländern erforderlich, diszipliniert auf den fairen Wert abzustellen. Investoren reagieren sehr sensibel auf ungünstige Marktnachrichten, und bei Kursrückgängen/Korrekturen kommt es häufig zu Übertreibungen. Dann bieten sich Chancen, um Positionen in überzeugenden Papieren auszubauen. Umgekehrt müssen Anleger bei Aufwärtsbewegungen eine gesunde Vorsicht walten lassen und die Risiken ihrer Portfolios genau kennen, um das Risiko im Vorfeld einer Korrektur abzubauen.

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