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Letzte Hoffnung: Grün

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Die Männer sind schuld an der Finanzkrise. Da ist sich die isländische Ökonomin Halla Tomasdottir sicher. Das Phänomen, das zum Kollaps führte, nennt sie „Big Penis Complex“. Nach dem Motto „Wer hat den Größten?“ sei es nur noch „aggressiv und rücksichtslos“ um Profitmaximierung gegangen. Tomasdottir hat „immer gewarnt“ und stemmt sich mit ihrer vor zwei Jahren gegründeten Investmentfirma Audur Capital erfolgreich gegen die Krise. Wie? Mit nachhaltigen Investments. Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (Juni 2009).
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>> zum Abo-Service & Einzelheftbestellung Nachhaltige oder grüne Investments haben Konjunktur, nicht nur in Island. Dazu gehören im weitesten Sinn Investitionen in Unternehmen, die Ressourcen sparsam einsetzen, Gesundheits- und Sicherheitsstandards einhalten, Mindestlöhne berücksichtigen und Mitarbeiter nicht aufgrund von Geschlecht, Nationalität oder Behinderung diskriminieren; ebenso Investitionen in Umwelttechnologie, englisch Cleantech. Dieser recht vage Begriff umfasst branchenübergreifend alles, was hilft, Luft, Boden und Wasser vor schädlichen Einflüssen zu schützen oder Schäden zu minimieren. Solar, Windkraft, alternative Treibstoffe, Recycling oder Wasseraufbereitung sind nur einige Bereiche, die dazuzählen. Besser durch die Krise Audur Capital ist nicht die einzige grüne Firma, die vergleichsweise gut durch die
Krise kommt. Die Unternehmensberatung A.T. Kearney hat in ihrer Studie „Green Winners“ insgesamt 99 Unternehmen aus dem globalen Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability und der Nachhaltigkeitsliste „GS Sustain“ von Goldman Sachs mit ihrer grauen Konkurrenz verglichen. Das Ergebnis: Von Mai bis November 2008 lag die Wertentwicklung der Grünen in 16 von 18 Sektoren über dem Branchendurchschnitt, und zwar um rund 15 Prozent. Als Gründe für das überraschend klare Ergebnis nennt A.T. Kearney unter anderem die langfristige Ausrichtung der Firmen, die gute und verantwortliche Unternehmensführung, Transparenz und ein vorsichtiges Risikomanagement. Wahre Werte zählen wieder „Investoren wissen den wahren langfristigen Wert der Nachhaltigkeit zu schätzen“, heißt es in der Studie. Die nachhaltigsten Unternehmen hätten darum gute Chancen, als Gewinner aus der Krise hervorzugehen. In der Performance der gängigen Nachhaltigkeits-, Öko- und Umwelt-Indizes spiegelt sich dies indes noch nicht wider. Eines können nämlich auch die sozial und ökologisch korrekten Unternehmen nicht: sich komplett von der Stimmung an den Märkten abkoppeln. Und die ist mies. Mit Kreditklemme und Angebotsüberhang haben auch sie zu kämpfen. Die Aussagekraft der Barometer ist allerdings beschränkt. „Es werden nur kleine Ausschnitte der Firmenlandschaft abgebildet, vorwiegend große Konzerne und hier überproportional viele amerikanische Werte“, erklärt Alfred Platow, Gründer und Chef der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Versiko. Die vielen innovativen und erfolgreichen kleinen Unternehmen, die in der Summe einen großen Anteil im Segment Nachhaltigkeit ausmachen, werden hingegen nicht erfasst. Dort sieht Tjark Goldenstein von Ökorenta, wie Platow einer der Vorreiter im Vertrieb für nachhaltige Anlagen, künftig große Chancen: „Small Caps sind eindeutig attraktiver als große Konzerne.“ Wie Platow sieht auch er die grünen Firmen als Krisengewinner. Deren Siegeszug ist vor allem preisgetrieben: Die immer knapper und damit teurer werdenden Ressourcen dürften schon bald wieder zu steigenden Kosten führen. Unternehmen, die wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen umweltbewusst wirtschaften. Und Umwelttechnologien sind der Schlüssel dazu. Hinzu kommt die politische und staatliche Förderung. Vor allem in den Bereich der sauberen Technologien wird derzeit viel Geld gepumpt. Grünanlagen sind ein Muss Vertrauen und Geld, das ist ein Sieger-Duo an den Kapitalmärkten. Die sauberen Investments dürften deshalb zu den Gewinnern von morgen zählen. „In ein gut aufgestelltes Portfolio, auch eines nicht nachhaltig interessierten Sparers, gehören darum mindestens 20 bis 30 Prozent grüne Investments“, sagt Ingo Rieckmann vom EFC Financial Planning Center in Hamburg. Konservativen Anlegern mit Angst vor Aktien rät er zu Mikrofinanz- und Multi-Asset-Fonds. Seinen risikofreudigeren Kunden verkauft Rieckmann auch Aktienfonds mit den Schwerpunkten Erneuerbare Energien und Wasser. „Wer ab 50.000 Euro aufwärts investieren will, sollte zudem direkt in Sachwerte gehen“, so der auf nachhaltige Investments spezialisierte Berater. Sein Tipp sind Wind oder Solarbeteiligungen vom Zweitmarkt: „Da weiß man immerhin, wie sie in den vergangenen ein bis zwei Jahren gelaufen sind.“ Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (Juni 2009).
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