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Sitz der europäischen Zentralbank in Frankfurt: Greift die EZB zu Aktienkäufen? | © Pixabay

Letzter Ausweg Aktienkauf

„Die Wahrscheinlichkeit von abrupten Marktkorrekturen wächst“

Bei einem möglichen Aktienkaufprogramm der EZB steckt der Teufel im Detail. Die EZB könnte sowohl über Direktinvestitionen als auch über passive Indexfonds (ETFs) Aktien kaufen. Da sie als unabhängiges Aufsichtsorgan bei ihren Anleihekäufen die Wertpapiere von Finanzinstituten gemieden hat, wird sie auch bei Aktienkäufen einen Bogen um Bankaktien machen. Dadurch ist es wahrscheinlicher, dass die EZB Aktien direkt erwerben wird, da sie beim Kauf von ETFs zwangsläufig auch in Bankaktien investieren würde.

David Wehner
Bild: Do Investment

Des Weiteren könnten ethische Grundsätze in die Rahmenbedingungen des Kaufprogramms einfließen, wodurch die EZB Reputationsrisiken verringern und sich an entsprechenden Überlegungen des europäischen Parlaments orientieren würde. Dies bedeutet auch, dass Unternehmen, die beispielsweise mit Waffen, Drogen/Alkohol, Umweltzerstörung einen Großteil ihres Umsatzes machen, automatisch ausgeschlossen werden.

Auf Nummer sicher – die Kaufliste der EZB

Schauen wir noch genauer hin: Aktienstimmrechte würde die EZB entweder nicht ausüben – oder sie könnte diese an Anlegerverbände übertragen. Im Gegensatz zur Bank of Japan (BoJ) kann die EZB nicht die Aktien eines Landes kaufen, sondern muss die Aktienkäufe auf 19 Länder aufteilen. Bei den Anleihekaufprogrammen hat sie dafür einen Kapitalschlüssel definiert, der sich letztendlich an der wirtschaftlichen Größe des Landes orientiert und wahrscheinlich eine Orientierung für ein Aktienkaufprogramm ist.

Allerdings hat die EZB diesen nicht immer eingehalten. Das wird sie wahrscheinlich auch bei den Aktienkäufen nicht immer wollen und können. Es ist zu erwarten, dass die EZB überwiegend mittelgroße und großkapitalisierte Unternehmen kaufen würde, die eine ausreichende Liquidität am Markt aufweisen. Eine wesentliche Frage, die sich im Zuge eines Aktienkaufprogramms ergibt: Wie lässt es sich rückabwickeln?

Die Exit-Strategie

Bei Anleihen ist es möglich, bei Fälligkeit keine Reinvestitionen vorzunehmen und dadurch die Zentralbankbilanz zu reduzieren. Die Federal Reserve hat auf diese Weise ihre Zentralbankbilanz geschrumpft. Aktien haben kein Fälligkeitsdatum und müssten somit über die Börsen verkauft werden. Abhängig vom Volumen und der Marktenge eines Titels könnte das zu höherer Volatilität führen. Marktteilnehmer könnten den Verkauf von Aktien durch die Zentralbank als Signal werten, dass die Höchststände erreicht sein.

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