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Hartmut Giesen ist im Bereich Fintech-Geschäftsentwicklung bei der Sutor Bank tätig. | © Sutor Bank

Fintech-Experte der Sutor Bank „Libra macht Kryptowährungen massentauglich“

Am Dienstag hat Facebook sein Whitepaper und eine Reihe weiterer Informationen über seinen Stablecoin Libra veröffentlicht. Mit dem Token, dessen Wert an einen Währungskorb gebunden wird, sollen die 2,4 Milliarden Nutzer der Facebook-Plattformen – neben Facebook selbst auch Whatsapp und Instagram –, sich gegenseitig Zahlungen zukommen lassen können. Gelingt es Facebook nach der Revolutionierung der privaten und öffentlichen Kommunikation nun auch, das globale Geldsystem zu revolutionieren?

Stablecoins: Krypto-Token mit stabilem Referenzwert  

Stablecoins basieren wie andere große Kryptowährungen auf der Blockchain-Technologie und sind an reale, stabile („stable“) Währungswerte wie den Euro, den US-Dollar oder auch an Gold gekoppelt. Im Falle von Libra ist der Referenzwert ein Korb von verschiedenen Währungen. Die an stabile(re) Referenzen gekoppelten Token gelten als Schlüssel für die breite Anwendung Blockchain-basierender Zahlungen in verschiedenen Kontexten wie Handel, Logistik oder Industrie, wo sie etwa Machine-to-Machine-Payments ermöglichen sollen. Denn sowohl Menschen als auch Unternehmen können mit Zahlungsmitteln, deren Wert stark schwankt – wie es bei Bitcoin & Co der Fall ist –, nichts anfangen.  Zwar gibt es auch heute schon Stablecoins, etwa den an den Dollar gebundenen Tether, aber sie haben aus Technologie-, Vertrauens- und Regulierungsgründen noch nicht den Weg aus der Krypto-Nische herausgefunden.

Das Facebook-Libra-Projekt ist in Größe, Anspruch und Erfolgswahrscheinlichkeit wegweisend und verdient eine Betrachtung aus mehreren Perspektiven.

Internet-Währung mit Massenanspruch

Der Libra ist der erste Ansatz einer weltweit aktiven Plattform, gemeinsam mit einer Reihe von weiteren starken Partnern mit einem Massenkundengeschäft – darunter auch einige, die das Facebook-Vorhaben direkt angreift, wie Visa, Mastercard oder Paypal – eine Kryptowährung mit globalem Massenanspruch zu kreieren. Der Twitter- und Square-Gründer Jack Dorsey hat erst unlängst wieder gefordert, dass das Internet eine eigene internationale Währung bräuchte. Der Facebook-Token könnte der Nukleus dafür sein – auch wenn Dorsey eher den Bitcoin in dieser Rolle sieht. Um Stablecoins weltweit zu skalieren, müssen die Betreiber erstens die Mittel haben, um den Wert der kursierenden Coins mit den „echten“ Referenzwerten zu hinterlegen, und zweitens das Vertrauen der Nutzer genießen. Das Konsortium, das Facebook gebildet hat, bringt beides mit.

Facebook-Dienste mit globaler Infrastruktur

Die weltweite Durchdringung von Facebook, Whatsapp und Instagram in Verbindung mit dem künftig integrierten Wallet namens Calibra macht den Libra auf einen Schlag für Milliarden Menschen zumindest theoretisch sofort verfüg- und akzeptierbar. Zwar ist die Libra-Blockchain eine sogenannte „permissoned blockchain“ – das bedeutet, dass die Netzwerkknoten, die die vollständige Blockchain vorhalten und die die Transaktionen validieren, zunächst nur von zugelassenen Akteuren betrieben werden dürfen – allerdings sind beispielsweise Source Code oder Schnittstellen offen gelegt, damit Entwickler Anwendungen für die Blockchain entwickeln können. Auch das Calibra-Wallet kann unabhängig von den Facebook-Plattformen eingesetzt werden.

Der Libra als Mittel der finanziellen Inklusion

In vielen Entwicklungsländern haben mehr Menschen einen Facebook-Account als ein Bankkonto. Darüber hinaus ist die Bevölkerung den Kapriolen ihrer Währungen ausgeliefert. Facebook kann ihnen erstmals Zugang zu einem stabilen Zahlungssystem inklusive einer stabilen Währung verschaffen. Gerade für diese Nutzer spielt auch der Transfer von Geld aus dem Ausland, wohin sie des Verdienstes wegen auswandern, zu ihren Familien eine große Rolle. Der Libra kann den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr in großem Maßstab drastisch vereinfachen und verbilligen.     

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