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Impfausweis und Impf-Set Foto: imago images / Michael Weber

Beginn der Impfkampagnen

Licht am Ende des Tunnels

Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass die verfügbaren Impfstoffe eine allmähliche Öffnung der Wirtschaftssektoren ermöglichen werden, die weiterhin unter Lockdown-Maßnahmen leiden. Das wird zu besseren Arbeitsmarktdaten führen, zu erneuter Zuversicht bei Verbrauchern und Unternehmen und zu einer beschleunigten Nachfrage, die sich nicht zuletzt aus Ausgaben von unfreiwilligen Ersparnissen speist.

Mit geringerer Angst vor Ansteckung werden die Verbraucher wieder Einzelhandelsgeschäfte und Restaurants aufsuchen, Reisen buchen und mehr Geld ausgeben können. Dieser Nachholeffekt wird positive Wirkungen auf das Gewinnwachstum haben. Zu erwarten sind folglich steigende Aktienkurse, vor allem durch ein Aufholen bei Zyklikern und abgestraften Aktien. Auch Anleihen und Rohstoffe dürften einen Wertzuwachs erfahren.

Doch wie immer steckt der Teufel im Detail. So bleiben selbst bei rascher Durchimpfung kurzfristige Gefahren für die Wirtschaft bestehen. Die Erkenntnis, dass die Pandemie zu einem Ende kommen könnte, dürfte vorübergehend auch zur Folge haben, dass Haushalte zunächst weiterhin vorsichtig bleiben: Nur wenige Verbraucher werden sich kurz vor der Verfügbarkeit eines Impfstoffs noch der Ansteckungsgefahr aussetzen wollen.

Ebenso könnte die Aussicht auf ein Ende der weitreichenden Einschränkungen die Dringlichkeit abschwächen, mit der die Fiskalpolitik die Bevölkerung und kleine Unternehmen entlasten will. Diese Dynamik könnte im ersten Quartal 2021 zu heftigen Einschnitten bei den Ausgaben führen, was den Aktienmärkten schaden würde.

Aufholeffekte und neue Kapitalzuflüsse zu erwarten

Erneut werden Zentralbanken und die expansive Fiskalpolitik die Märkte retten. Wir zweifeln nicht an der Unterstützung durch die Zentralbanken, vor allem in den USA, auch wenn die Fed sich gegenüber der neuen Regierung noch abwartend verhält. Auf der anderen Seite wird jede weitere Verzögerung bei der Ratifizierung der Hilfsprogramme auf beiden Seiten des Atlantiks das Wachstum schmälern und Erwartungen auf steigende Gewinne der Unternehmen den Wind aus den Segeln nehmen. Es ist zu hoffen, dass die Regierungen ihre Rettungspläne ernster denn je nehmen, da, als Beispiel, das Auslaufen des Cares Act in den USA seit Ende Juli rund 1,5 Punkte des US-Bruttoinlandsprodukts gekostet hat. Insgesamt bleiben wir jedoch optimistisch für Risikoassets über die nächsten sechs Monate. Aufholeffekte und neue Zuflüsse des an der Seitenlinie wartenden Kapitals beginnen gerade erst.

Nachhaltiger Aufschwung zu erwarten

Im Januar werden wir unsere neue Investmentstrategie vorstellen, deren zentrales Thema den Blick bereits wieder auf das Ende der Krise und den Umgang mit der dann exorbitanten Verschuldung richtet: Die Konsolidierung der Staatsfinanzen kann über Steuererhöhungen beziehungsweise schnelleres Wachstum des nominalen BIP erreicht werden. Steuererhöhungen sind jedoch nicht nur unbeliebt, sondern wirken in diesem Umfeld auch deflationär und könnten durch einen Anstieg der realen Zinsen die Verschuldungslage verschlechtern.

Darüber hinaus ist das Potenzial für fallende Nominalzinsen sehr begrenzt, da die Zentralbanken alles tun werden, um wieder ein Inflationsniveau zu erreichen, das die Schuldenlast wirksam senken kann.

Leider wird die konjunkturelle Entwicklung nicht von heute auf morgen ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Zugleich dürfte sich die entstandene Arbeitslosigkeit nur mit Schwierigkeiten rasch wieder absenken lassen. Immerhin: Wenn der Aufschwung dann kommt, dürfte er im wahrsten Sinn des Wortes nachhaltig sein.

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