Susanne Woda, Portfoliomanagerin bei Merito Asset Management

Susanne Woda, Portfoliomanagerin bei Merito Asset Management

Licht- und Schattenseiten im Wandel Chinas

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Nach der Bekanntgabe der neuen Führungselite in China wird allgemein erwartet, dass die Maßnahmen aus dem zwölften 5-Jahres-Plan zügig umgesetzt werden und der Weg für die Stärkung des Binnenkonsums frei ist. Der Wandel Chinas vom Billigexporteur zum Konsumland wird Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft haben, die von der neuen Wachstumsqualität profitieren könnte. Verlierer wären die Konsumenten in den Industrieländern. Denn die Finanzierung unseres Wohlstands durch den Import billiger Güter wird schwieriger und das wird auch Konsequenzen für die Inflation haben.

Ein Kernpunkt des chinesischen Plans ist die Förderung von Forschung und Entwicklung. Es sollen hochwertige Produkte produziert und vor allem auch in China entwickelt werden. Statt „Made in China“ soll es bald heißen „Created in China“. Die weitere Urbanisierung, eng gekoppelt mit dem Ausbau der Infrastruktur sowohl im Transport als auch im Versorgungssektor, ist der nächste logische Schritt, um China auf die nächste Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung zu heben. Für die Bevölkerung wird die Umsetzung dieser Vorhaben in der Breite eine Verbesserung aber auch Verteuerung des Lebensstandards bedeuten, mit weit reichenden Folgen für Lohnniveau und Konsumverhalten im Land.

Von den Veränderungen können insbesondere exportorientierte Firmen profitieren, die Produkte des täglichen Lebens produzieren oder mit ihren Gütern den Lifestylefaktor erhöhen. Die Veränderungen gehen mittlerweile aber über das populäre Argument „Asiaten kaufen mit steigendem Wohlstand Kühlschränke und Klimaanlagen“ hinaus. Der Hebel der breiten Masse wird an allen Bedürfnissen des modernen gesellschaftlichen Lebens angesetzt.

Denn mit dem Wandel der Bedürfnisse breiter Bevölkerungsschichten steigt auch die Nachfrage nach Lifestyle-Produkten wie Kleidung und Kosmetik oder Statussymbolen wie Autos und Elektronikartikeln. Das ist nicht neu und dieser Prozess hat bereits eingesetzt. Profiteure der Urbanisierung werden darüber hinaus die Unternehmen sein, die am Ausbau der chinesischen Infrastruktur teilhaben.

Straßen- und Städtebau sowie die Wasser- und Energieversorgung werden langfristig gefördert sein, um das Wachstum sicherzustellen. Ein frühzeitiger Markteintritt und die konsequente Stärkung der Marktposition ist wichtige Voraussetzung dafür, hier vor den heimischen Unternehmen zu punkten.

China wird allerdings bestrebt sein, jetzt die eigene Wirtschaft und Technologien zu fördern und der Kampf um Aufträge wird westliche Unternehmen vor neue Herausforderungen stellen. Letztlich wird die Technologieführerschaft ausschlaggebend für den Erfolg sein.

Noch hinken die Chinesen, hauptsächlich wegen kulturell bedingter Unterschiede, wie zum Beispiel einer geringeren Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter, in diesem Feld hinterher. Doch langfristig wird neue Konkurrenz bei der Entwicklung und Etablierung neuer Technologien entstehen, wo heute noch überwiegend Patentstreitigkeiten das Wirtschaftsleben bestimmen.

Der angestrebte Wertewandel in China dürfte aber noch weitreichendere Effekte zur Folge haben. Der höhere Stellenwert von Menschenwürde und Umweltbewusstsein wird sich auch auf die Produktionskosten niederschlagen. Der Kostenvorteil des Billiglohnlandes wird durch die Vernachlässigung von Arbeitsbedingungen und Umweltschutz zunehmend verloren gehen.

Diese Tendenz wird in China immer deutlicher, hält man sich nur die aktuellen Streiks und Selbstmordserien von 2010 bei Foxconn vor Augen. Eine Weiterverlagerung der Produktion in andere Billiglohn-Länder ist zwar möglich, die Produktionskapazität kleinerer Länder wird jedoch langfristig kaum die mengenmäßige Schlagkraft von China kompensieren können.

Für die Industrieländer, die sich ihren Wohlstand in den letzten Jahrzehnten auch durch die Billigimporte erkauft haben, werden die Entwicklungen in China mittelfristig den Wegfall eines bedeutenden inflationsdämpfenden Effektes bedeuten. Die dadurch bedingten höheren Lebenshaltungskosten würden sich auch in höherer Inflation niederschlagen.

Und wenn nicht auf der Gegenseite, durch effektive Nutzung der Wachstumspotenziale, gegengesteuert und zukünftiges Wachstum sichergestellt wird, könnte das deutliche Auswirkungen auf das Wohlstandsniveau der Industrieländer haben und sich der Wandel Chinas zu Lasten der westlichen Nationen abspielen.

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