Mittelstandsanleihen „Das ist ein Wirtschaftskrimi“
Bei Eyemaxx Real Estate und Deutscher Lichtmiete haben die veröffentlichten Zahlen auch gut ausgesehen – bis sie Insolvenz angemeldet haben.
Friedrich: Die Fähigkeit eines Analysten endet dann, wenn Betrug ins Spiel kommt. Den Fall von Eyemaxx haben wir deshalb auch bei der Bafin angezeigt. Hier ist eine ganze Reihe von Ansprüchen zu prüfen, etwa gegen den Vorstandsvorsitzenden, der gleichzeitig Hauptaktionär ist. Der zeitliche Ablauf bei der Eyemaxx legt jedenfalls die Vermutung nahe, dass die Insolvenz nach österreichischem Recht zulasten der Anleihegläubiger und zugunsten der Aktionäre von langer Hand geplant war. Wenn Eyemaxx damit durchgekommen wäre, hätten sich Unternehmen und Aktionäre auf Kosten der Anleihebesitzer, die nur eine Quote von 20 Prozent bekommen hätten, saniert.










An der Börse werden die unbesicherten Eyemaxx-Anleihen derzeit zu rund 5 Prozent des Nennwerts gehandelt.
Friedrich: Die Insolvenzquote kann nach meiner Meinung höher ausfallen als es die aktuellen Börsenkurse vermuten lassen. Wichtig war hier, dass sich die Anleihebesitzer organisiert und mitgewirkt haben. Es gibt inzwischen für alle Eyemaxx-Anleihen einen gemeinsamen Vertreter der Gläubiger, der mit dem Insolvenzverwalter in Deutschland, wo es ein Sekundärinsolvenzverfahren gibt, zusammenarbeitet. Das könnte ein langwieriges Verfahren werden. Aber es kann für die Anleiheinhaber erfolgreich sein, sodass die Verluste mit den Papieren weit weniger hoch sein könnten, als die Börsenkurse derzeit widerspiegeln.
Wie sieht es bei der Deutschen Lichtmiete aus?
Friedrich: Auch hier ist es wichtig, dass die Anleihegläubiger so schnell wie möglich einen gemeinsamen Vertreter bestellen. Denn diesem müssen die Behörden und das Unternehmen dann Auskunft geben. Vieles ist noch im Dunkeln. Aber, was ist aussagekräftiger? Ein Bericht eines Betriebsprüfers, der ein Schnellballsystem vermutet, was zur Razzia der Staatsanwaltschaft im Dezember, dem Einfrieren von Vermögenswerten und letztlich der Insolvenz führte? Oder das 119 Seiten starke Gutachten der Investmentbank Rothschild und weitere positive Einschätzungen anderer renommierter Adressen wie Porsche Consulting aus dem vergangenen Jahr? Rothschild ist nun auch von den Insolvenzverwaltern beauftragt, einen Käufer für das operative Geschäft zu finden. Und erste Bieter gibt es plötzlich auch schon. Das geht ungewöhnlich schnell. Es besteht zumindest die Möglichkeit, dass hier ein gesundes Unternehmen mit glänzenden Perspektiven bis hin zur Weltmarktführerschaft mithilfe der Staatsanwaltschaft für eine Übernahme sturmreif geschossen wurde. Das ist ein Wirtschaftskrimi, der uns noch einige Zeit beschäftigen wird. Das Fondsmanagement wird gemeinsam mit anderen Investoren alle rechtlich möglichen Anspruchs- und Haftungsgrundlagen prüfen und anschließend geeignete Maßnahmen einleiten.
Angesichts der Pleiten, von denen Ihr Portfolio betroffen war, ist der Fondsanteilspreis auf Zwölf-Monats-Sicht rund 5 Prozent im Minus. Halten Sie dennoch an der geplanten Ausschüttung fest?
Friedrich: Ja. Der Fonds soll am 24. März wie geplant 2,10 Euro je Fondsanteil für das Geschäftsjahr 2021 ausschütten. Das bedeutet, bezogen auf den Anteilspreis von Anfang des vergangenen Jahres, eine Ausschüttungsrendite von 4,4 Prozent für die Anleger des Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds. Diese Ausschüttung wurde mit Zinseinnahmen und Sondererträgen der gehaltenen Anleihen auch verdient. Wegen der jüngsten Turbulenzen allgemein am Markt sowie speziell am Markt für Mittelstandsanleihen spiegeln die aktuellen Börsenkurse der vom Fonds gehaltenen Papiere nicht in allen Fällen den wirklichen Wert dieser Anleihen wider. Das gilt entsprechend für den Fondsanteilspreis und das tatsächliche Potenzial des Portfolios.
Über den Interviewten: Hans-Jürgen Friedrich ist Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG, die als Fondsberater des 2013 aufgelegten Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds fungiert.

