„Lieber zehn kleinere als zwei oder drei große Wetten“

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Nennen Sie einige Gründe?

Hirt:
Wir setzen auf drei Pfeiler im Fonds. Zum einen liegt der Fokus ganz klar auf den unterliegenden Risiken. Beispielsweise haben wir bei einer Hochzinsanleihe das Aktienrisiko und das Laufzeitrisiko. Dazu kommt noch das Kreditrisiko. Das bedeutet, es gibt für ein Papier drei unterschiedlich große Risikoprämien. Die muss man berücksichtigen.

Zum anderen betreiben wir einen aktiven Asset-Allocation-Prozess. Unsere Stärke ist die Flexibilität. Von Gold haben wir uns beispielsweise schon im Januar vollständig getrennt, also rechtzeitig vor dem Kurseinbruch. Und als dritter wichtiger Punkt kommt die Diversifikation über zehn verschiedene Anlageklassen hinzu.

Wie sieht es auf der Renditeseite aus?

Hirt:
Auch die kann sich sehen lassen. Die Wertentwicklung beträgt seit Auflage des Fonds im September 2009 knapp 20 Prozent. Unser Ziel ist eine Rendite von Cash plus drei Prozent pro Jahr. Sind Sie derzeit eher offensiv aufgestellt?

Hirt:
Ja, aktuell haben wir rund 55 Prozent des Fondsvermögens in wachstumsorientierte Anlageklassen investiert. Wir können den Aktienanteil im Portfolio zwischen 0 und 50 Prozent flexibel steuern. Momentan beträgt er rund 36 Prozent, weil wir immer noch eine positive Haltung zu Aktien haben.

Vor Kurzem sind wir auch eine Relative-Value-Position eingegangen, und zwar auf Long britische Aktien zu Short Schweizer Aktien. Beides sind eher defensive Märkte, aber der britische FTSE 100 dürfte von einem schwächeren Pfund und attraktiveren Bewertungen im Vergleich zum Schweizer Markt profitieren.

Wichtig aber ist, dass wir keine Trader sind. Unser Ziel ist, mit bis zu 60 Prozent der Ideen, die wir im Investmentkomitee beschließen, richtig zu liegen. Statt zwei bis drei große Wetten einzugehen, gehen wir lieber zehn kleinere Wetten ein.

Was gehört für Sie noch zu den Wachstums-Anlageklassen?

Hirt:
Zum einen Hochzinsanleihen. Deren Anteil liegt aktuell bei knapp acht Prozent. Hinzu kommen kleinere Anteile Absolute Return, Infrastruktur-Engagements, Schwellenländeranleihen sowie Rohstoffe.

Und wie sind Sie im defensiven Teil des Portfolios positioniert?

Hirt:
Neben rund 10 Prozent Kasse haben wir Staatsanleihen mit einem Anteil von rund 25 Prozent im Fonds gewichtet. Hier haben wir jüngst von US-Schatzanleihen auf Bundesanleihen umgeschichtet. Mit ihrem AAA-Rating scheinen Bundesanleihen besser von dem fast deflationären Umfeld in der Eurozone zu profitieren.

Unseren Bestand an Unternehmensanleihen haben wir reduziert. Nach unserer Ansicht wächst bei Unternehmensanleihen das Risiko, unter Verkaufsdruck zu geraten. Die Spreads bewegen sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau als vor einem halben Jahr und gleichen daher den negativen Einfluss von Zinserhöhungen weniger aus.

Die komplette Interview-Serie finden Sie hier.

Über den Interviewten: Gregor Hirt leitet bei Schroders den Bereich Multi-Asset-Anlagen für Kontinentaleuropa und managt zudem den im September 2009 aufgelegten Mischfonds Schroder ISF Global Dynamic Balanced.

Der gebürtige Schweizer begann seine berufliche Laufbahn 1996 bei der Credit Suisse, wo er mehrere Stationen durchlief und unter anderem in der Niederlassung New York und als Leiter des Portfolio-Managements für institutionelle Kunden in der Schweiz arbeitete. 2006 wechselte Hirt dann zu Schroders. Studiert hat Hirt Wirtschaftswissenschaften in seiner Heimatstadt Lausanne und am Graduate Institute of International Studies in Genf.

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