Mit ihnen reden können und wollen viele in der Branche nicht. Über sie schon. Und manchmal gelingt zumindest in den sozialen Medien so etwas wie eine Diskussion. Die Rede ist von den Verbraucherschützern in Deutschland und dem meist angespannten Verhältnis, das Versicherungsmanager und Verbandsvertreter, zuweilen auch Vermittler, zu ihnen haben.

Aktuelles Beispiel ist ein Posting von Sandra Klug auf der Plattform Linkedin. Sie ist Abteilungsleiterin Geldanlage, Altersvorsorge, Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Ihr Thema diese Woche war die Bekanntgabe des Werbedeals der Allianz mit dem Fernsehmoderator Günther Jauch. Dieser wird Gesicht der Kampagne  „Wo soll´s denn hingehen?“ und soll für den Marktführer in der Lebensversicherung auf den steigenden Vorsorgebedarf in Deutschland hinweisen.

Verbraucherschützerin kritisiert Jauch und Lebensversicherungsprodukte

Klug konnte sich dafür wenig erwärmen. Sie schrieb: „Prominente sollten sich gut überlegen, wofür sie Werbung machen. Herr Jauch, Sie helfen mit, viel Geld für die Altersvorsorge zu vernichten. Haben Sie den Werbedeal so nötig? Versicherungsprodukte eignen sich aufgrund der Kosten nicht zum Sparen und auch die Rentenhöhen sind viel zu niedrig.“ Eine Botschaft, die eigentlich wenig überraschen dürfte, denn mit Lebensversicherungsprodukten stehen die Verbraucherschützer hierzulande fast schon traditionell auf Kriegsfuß.

Vermittler, Finanzberater und Vertreter von Gesellschaften wehren sich

Dennoch kam fast reflexartig Kritik an dem Statement, vor allem von Vermittlern. So schrieb der bekannte BU-Makler Guido Lehberg: „Pauschale Verurteilung von Rentenversicherungen. Herzlichen Glückwunsch! Von einer Verbraucherzentrale bin ich auch nicht mehr gewohnt. Daher wundert mich das jetzt nicht. Einen sehr bitteren Beigeschmack hat es trotzdem, denn es gibt durchaus Leute, die diese pauschalen (falschen) Äußerungen glauben.“

Heftig fiel auch die Reaktion von Niklas Krämer aus: „Was ist das denn für eine (...) Aussage von der Verbraucherzentrale. Sorry, aber es gibt in jedem Bereich Innovation, auch im Versicherungsbereich. Die Allianz macht hier erstaunlich viel Gutes – auch im Nachhaltigkeitsbereich, den die Verbraucherzentralen übrigens weiterhin völlig vernachlässigen und Blackrock & Co immer weitere Stimmrechte zutreiben, wie es die von Ihnen beratene Verbraucher seltenst gewollt hätten.“

 

Domenik Columbus von der DEVK schrieb an die Adresse von Klug: „Bitte erläutern Sie doch, wie Bürgerinnen und Bürger stattdessen sparen sollten. Bitte nicht nur auf Kostenstrukturen achten, sondern gerne auch Renditemöglichkeiten und Flexibilität berücksichtigen.“ Und Finanzberater Patrick Mini bemerkte: „Ich frage mich oft, wie flach Verbraucherschutz eigentlich sein kann. Und dann kommen Sie um die Ecke.“

Etwas Zustimmung und etwas Relativierung

Einen klassischen Shitstorm erntete Klug jedoch nicht, da es vereinzelt auch Zustimmung für ihre Kritik gab und die Verfasserin sich schnell relativierte, nachdem einige User ihr vorgeworfen hatten, unreflektiert und ohne Fakten zu argumentieren. Klug: „Vielleicht habe ich Vorsorge auch falsch interpretiert und es geht nicht um Altersvorsorge, sondern um Produkte wie Sterbegeldversicherungen und Pflegezusatzversicherungen. Allerdings bleibt dann meine Kritik, dass es sich nicht um bedarfsgerechte Produkte handelt, bestehen.“

Günther Jauch kommt nicht gut weg

Einig waren sich die User in der Bewertung des Engagements von Jauch. Ein User nannte ihn „Heuchler“ und „Denunziant“, andere störten sich an seinem früheren werblichen Engagement für die Shop-Apotheke und eine Impfkampagne.

Janko Laumann kommentierte: „Na ja, weil jemand eine Ratesendung macht und dabei Millionen verteilt ist, was genau seine Expertise? Weil es um Millionen geht? Werbung und Infantilisierung eines zu wichtigen Themas – junge Menschen brauchen viel mehr als einen Joker.“ Ein weitere Userin bewertete es schon fast polemisch: „Vielleicht nutzt er es ja als Werbeplattform für neue Kandidaten: Wenn du Millionär werden willst, komm in unsere Sendung! Mit der Lebensversicherung der Allianz wird das nämlich nichts.“

Versöhnlicher war unter den vielen Kommentaren nur Julia Mischke: „Vorsorge oder ein wichtiges Thema und je früher man damit startet, umso besser. Prominente werben für Shampoo, warum nicht auch für Altersvorsorgeprodukte. Sensibilisierung für das Thema ist wichtig.“