Lesedauer: 4 Minuten

Liquiditätsengpässe Zombies breiten sich in China aus

In China breiten sich die Zombie-Unternehmen aus: Die Zahl der chinesischen Firmen, bei denen die Schulden doppelt so hoch sind wie das Eigenkapital, ist seit der Finanzkrise in die Höhe geschossen. Damit könnten weitere Ausfälle bei der Bedienung von Anleihen auf dem chinesischen Festland drohen - so wie jüngst erstmalig bei der Solarfirma Shanghai Chaori Solar Energy Science & Technology aus Schanghai.

‘‘Nach dem ersten könnte es noch weitere Zahlungsausfälle geben’’, sagt Zhang Yingjie, Vize-Generaldirektor der Analyse von China Chengxin International Credit Rating, dem Joint- Venture der Ratingagentur Moodys Investors Services in China. ‘‘Die Binnenkonjunktur verlangsamt sich, die Liquidität verknappt sich weltweit und es werden in diesem Jahr mehr Anleihen fällig, was einen höheren Refinanzierungsdruck erzeugt. Es könnte also mehr Zahlungsausfälle geben.’’

Die Anzahl der börsennotierten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors in China mit einem Verschuldungsgrad von mehr als 200 Prozent hat seit 2007 um 57 Prozent zugelegt - von damals 163 auf nun 256 Firmen, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten von 4111 Unternehmen. Bei etwa 63 Unternehmen liegt der Verschuldungsgrad sogar über 400 Prozent - verglichen mit einem Durchschnittwert von 73 Prozent. Das legt nahe, dass es nach Chaori zu weiteren Bondausfällen kommen könnte.

Der Solarzellen-Hersteller hatte am 4. März mitgeteilt, dass von fälligen Kuponzahlungen in Höhe von 89,9 Millionen Yuan (10,6 Millionen Euro) nur 4 Millionen Yuan zur Verfügung stünden. Die vor zwei Jahren ausgegebene Anleihe mit Fälligkeit Juli 2017 hätte eigentlich am vergangenen Freitag bedient werden müssen. Es war der erste Zahlungsausfall bei einer Unternehmensanleihe auf dem chinesischen Festland in der Geschichte. Die Rendite der Papiere kletterte bis auf 22 Prozent, bevor der Handel eingestellt wurde.

Einige Zombie-Firmen in China, die Liquiditätsengpässe haben, werden zusammenbrechen, da die Entscheidungsträger ihre übermäßig lockere Geldpolitik beenden, sagte Xia Bin, Berater des Staatsrats und ehemaliger Berater der Zentralbank, am 10. Februar.

Nach Einschätzung von Bank of America könnte Chaori Chinas eigener ‘‘Bear-Stearns-Moment’’ werden, der Anleger zu einer Neubewertung der Kreditrisiken veranlasst - so wie nach der Rettung der US-Investmentbank im Jahr 2008.

Die gesamte Verschuldung der börsennotierten Unternehmen außerhalb der Finanzbranche in China und Hongkong ist auf einen Gegenwert von 1,98 Billionen Dollar angeschwollen, während es 2007 vergleichsweise nur 607 Milliarden Dollar waren. Unter allen Unternehmen ist der Ebitda-Zinsdeckungsgrad - das Verhältnis von Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen und Zinsaufwand - bei 351 Firmen negativ, während sich der Deckungsgrad bei 409 auf weniger als 1 beläuft.

Chinas Premier Li Keqiang versucht mit seiner Politik das richtige Gleichgewicht zu finden, um eine noch schärfere Verlangsamung des Wirtschaftswachstums zu verhindern, während zugleich die Kreditvergabe gezügelt wird. Der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts dürfte sich in diesem Jahr auf 7,5 Prozent abschwächen - das langsamste Wachstumstempo seit mehr als zwanzig Jahren, ergab der Median aus einer Umfrage von Bloomberg. Im letzten Jahr war die chinesische Volkswirtschaft um 7,7 Prozent expandiert.

Die chinesische Regierung hat nach Aussage von Christopher Lee, Leiter Firmenratings Großchina bei Standard & Poor’s, ihre Bereitschaft signalisiert, Kreditnehmer stärker der Marktdisziplin zu unterwerfen. ‘‘Wir rechnen mit einer zunehmend kritischen Beurteilung der Kreditrisiken und einer selektiveren Kreditvergabe’’, sagte Lee telefonisch aus Hongkong. Die Regierung des Landes werde ‘‘auf selektiver und kontrollierter Basis’’ weitere Zahlungsausfälle zulassen - ‘‘im Gegensatz zu einem Big-Bang-Ansatz, der nicht ihre Art ist’’.

Auf das Platzen der Firmenanleihe von Chaori werde nicht unmittelbar eine Liquiditätsklemme folgen, erwarten die Strategen David Cui, Tracy Tian und Katherine Tai von Bank of America. Eine Kettenreaktion sei jedoch möglich. In der Finanzkrise habe es schließlich auch ein Jahr gedauert, bis Lehman Brothers Holdings zusammenbrach, was Panik unter den Anlegern auslöste und die Schattenbanken einfror, erklären die Strategen aus Hongkong am 5. März in einer Studie.

Dem Anleihehändler Li Ning von Haitong in Schanghai zufolge dürfte es auf dem chinesischen Festland noch weitere Zahlungsverzüge bei Firmenbonds geben. Zu den Unternehmen, deren Anleihen keine Garantien hätten und die höhere Kreditrisiken besäßen - ähnlich wie bei Chaori -, gehörten unter anderem Zhuhai Zhongfu Enterprise, Star Lake Bioscience und Nanning Sugar Industry, sagt Li.

‘‘Langfristig werden Anleger vorsichtiger werden und erkennen, dass die Erträge die Risiken widerspiegeln. Davon werden die Entwicklung der Zinsen und der Anleihemarkt profitieren’’, sagt Zhang von China Chengxin International. ‘‘Die zuletzt verzerrte Relation zwischen Ertragschancen und Risiken kann dann korrigiert werden.’’

Bei Shanghai Chaori sollen jetzt einige Auslandswerke verkauft werden, um das Geld für die Bedienung der notleidenden Anleihe zu beschaffen, wie Vizepräsident Liu Tielong in einem Interview erklärte.
Tipps der Redaktion
Marktgespräch„2014 bringen Hochzinsanleihen 5 bis 6 Prozent“
Emerging MarketsNur noch Schwellenmarktgigant PetroChina in Top 20
Mehr zum Thema