Lloyd-Fonds-Chef Teichert: „Mit der roten Laterne haben wir jetzt nichts mehr zu tun“

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DAS INVESTMENT.com: Reichen Sie das gewonnene Kapital gleich an die Banken weiter?

Teichert: Mit einem Teil davon werden wir natürlich die Verpflichtungen aus unserer Enthaftungsvereinbarung zurückzahlen. Die ursprüngliche Einigung mit den Banken sah vor, dass wir 2011 dafür 13,6 Millionen Euro bereitstellen. Derzeit sind wir aber mit den beteiligten Instituten im Gespräch und hoffen, dass wir bei einer geringeren Summe landen. Klar ist: Wir lassen die Phase hinter uns, in der Lloyd Fonds neben einigen anderen Emissionshäusern die rote Laterne in der Branche zugeschrieben wurde.

DAS INVESTMENT.com: Was geschieht mit dem restlichen Geld aus der Kapitalerhöhung?

Teichert: Das werden wir in der kommenden Konsolidierungsphase unserer Branche für Akquisitionen nutzen. Dabei interessieren uns vor allem „mutterlose“ Treuhand- und Fondsmanagementgesellschaften, die unter unserer Obhut eine bessere Zukunft haben. Manche werden uns dann vielleicht als Heuschrecke bezeichnen – das wäre dann schon fast eine Ironie der Geschichte.

DAS INVESTMENT.com: Wie sieht Ihre konkrete Strategie für das kommende Jahr aus?

Teichert: Wir sind noch mitten in der Planung. Unsere Verbundenheit zur Schifffahrt wird definitiv eine Konstante bleiben. Daneben werden wir aber auch in anderen Asset-Klassen aktiv sein.

DAS INVESTMENT.com: Bleibt’s ausschließlich bei geschlossenen Fonds?

Teichert: Es muss nicht mehr nur das KG-Modell sein, das wir anbieten. Eventuell könnte jede Asset-Klasse ihre eigene Produktstruktur haben. Vor allem sehe ich Veränderungsbedarf bei Schiffsfonds. Dort ist das Management jeden Tag gefordert und sollte stärker in die Produktstruktur eingebunden werden.

DAS INVESTMENT.com: Also Schiffahrts-AGs?

Teichert: Das könnte eine Variante sein. Am Ende könnte es eher reedereiähnliche Konstrukte geben, bei denen Asset und Management unter einem Dach zusammengefasst sind. Ob das dann Schifffahrts-AG oder Masterfonds heißt, ist nicht so entscheidend.  

DAS INVESTMENT.com: Zurück zur Gegenwart. Im laufenden Jahr wollte Lloyd Fonds 150 Millionen Euro Eigenkapital platzieren. Schaffen Sie das?

Teichert: Wir werden zum Jahresende leider deutlich dahinter landen. Das liegt daran, dass der Markt insgesamt schwächelt und wir lange keine Diskussion über unsere Produkte, sondern über die Unternehmenssituation führen mussten. Mit dem Einstieg von AMA können wir dieses Kapitel beenden und unsere Vertriebskraft stärken, um die qualitativ hochwertigen Fonds, die wir in diesem Jahr entwickelt haben, zu platzieren.

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