Lesedauer: 4 Minuten

Local Asset Management Ein Blick auf Brasilien im WM-Jahr 2014

Mark Mobius
Mark Mobius
Obwohl Brasilien von der Rezession 2009 kaum betroffen war und die Wirtschaft sich 2010 stark erholen konnte, musste der Markt seitdem Verluste hinnehmen. Wir glauben, die hohen Investitionen, die für die Fußballweltmeisterschaft und die Olympischen Spiele erforderlich waren, dürften der Wirtschaft die notwendigen infrastrukturellen Impulse verleihen. Es bestehen jedoch auch Zweifel daran, ob einige Projekte fristgerecht fertiggestellt werden können. Und es kam zu umfangreichen Protesten gegen Korruption, schlechte oder nicht vorhandene öffentliche Dienste und steigende Lebenshaltungskosten.
Wachstumserwartungen immer wieder nach unten korrigiert


Obwohl wir in den Großstädten tatsächlich einige Verbesserungen beobachten können, haben die soliden Fundamentaldaten der brasilianischen Wirtschaft in den letzten Jahren insgesamt nachgegeben. Zusätzlich wurden die Wachstumserwartungen immer wieder nach unten korrigiert. Dies nicht zuletzt auch aufgrund der generell schwachen Rohstoffpreise und der Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve, ihr monatliches Anleihenankaufprogramm zurückzufahren. Dadurch ist im Allgemeinen weniger frische Liquidität in die Schwellenmärkte geflossen.

Brasilianische Finanzwerte erwiesen sich in diesem Klima als besonders anfällig. Dies insbesondere auch, da die brasilianische Währung stark gefallen ist und das Leistungsbilanzdefizit des Landes sich vergrößert hat. Außerdem ist das Vertrauen unter Unternehmen zurückgegangen. Grund hierfür ist die Ungewissheit in Hinsicht auf die Regierungspolitik sowie die schleichende interventionistische Politik und der Protektionismus. Mehrere Zinsstraffungen in Folge durch die brasilianische Notenbank zur Bekämpfung des beharrlichen Inflationsdrucks leisteten ebenfalls einen Beitrag zu den Gegenwinden für brasilianische Aktien.

Die Anlegerstimmung in Hinsicht auf Brasilien wurde durch Bestrebungen der Regierung, enorme Steuernachzahlungsforderungen an den Bergwerkbetreiber Vale und andere größere Unternehmen zu stellen, nicht gehoben. Der oberste Gerichtshof des Landes wird Erwartungen zufolge schon bald entscheiden müssen, ob Banken Kunden für Verluste, die diese aufgrund der Regierungspolitik vor mehr als 20 Jahren erlitten haben, entschädigen müssen. Unserer Ansicht nach könnte diese Entscheidung enorme Folgen für brasilianische Banken haben und die Aktivität im Kreditsektor belasten. Nach vorne schauend denken wir, die Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität wird wahrscheinlich fortwähren. Hierauf deuten auch jüngste Umfragen unter Unternehmen und die strafferen Finanzbedingungen hin. Trotz des sich verlangsamenden Wachstums in Brasilien musste die Notenbank des Landes im Januar diesen Jahres ihren Leitzins aufgrund der hartnäckigen Inflation von dem Rekordtief 7,25 Prozent im Jahr 2012 auf 10,5 Prozent erhöhen.

Anleger sorgen sich um Verschlechterung der finanziellen Aussichten

Anleger sind auch über die Verschlechterung der finanziellen Aussichten des Landes und - als Folge davon - dem Risiko einer Herabstufung seines Kreditratings besorgt. Auch wenn die Leistungsbilanz derzeit durch einmalige Umsätze verzerrt ist und sinkt, konnte Brasilien nach wie vor Primärüberschüsse verzeichnen, die ausreichend hoch sind, um die Nettoverschuldung gegenüber dem Bruttoinlandsprodukt zu stabilisieren. Die Verschuldungsquote lag Ende Januar viel niedriger als die der USA und der meisten westeuropäischen Länder. Unserer Ansicht nach waren die brasilianischen Devisenreserven im Verhältnis zur Verschuldung des Landes hoch. Wir glauben auch, der Wertverlust des brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar während der vergangenen 12 Monate könnte dem Leistungsbilanzdefizit zuträglich sein (obwohl er die Inflation anheizt). Die zeitversetzten Folgen des sich verlangsamenden Wachstums könnten sich unserer Meinung nach auch auf bestimmte Kernwerte im brasilianischen Anleihenmarkt auswirken. 

Wir glauben auch, es besteht erhebliches Aufwärtspotenzial bei der Marktstimmung. Unserer Meinung nach ist die Regierung sich durchaus darüber im Klaren, dass die politischen Anpassungen, die erforderlich sind um die Inflation und die öffentlichen Finanzen unter Kontrolle zu bringen, aller Wahrscheinlichkeit nach kurzfristig dem Wachstum schaden werden.

Nach Präsidentschaftswahlen - marktfreundlichere und weniger interventionistische Regierung möglich

Aber wenn die Präsidentschaftswahlen im Oktober erst einmal vorüber sind, dürften wir eine politische Verlagerung hin zu einer marktfreundlicheren und weniger interventionistischen Regierung beobachten können. Unserer Meinung nach dürfte selbst eine Wiederwahl der derzeitigen Präsidentin Dilma Rousseff zu Anpassungen führen, die zu einer Wiederherstellung des Anlegervertrauens beitragen würden. Die finanzpolitischen Straffungen, die wir für die nächsten Jahre erwarten, und eine schwindende Ungewissheit in Hinsicht auf die Geldpolitik dürften unserer Meinung nach zu Gelegenheiten aufgrund attraktiver Risikozuschläge in der lokalen Zinskurve führen. Wir sind uns auch darüber im Klaren, dass der Druck, zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge, Bildung und den öffentlichen Verkehrsbetrieben, der von sozialen Initiativen ausgeht, sich als Segen für nationale Unternehmen in diesen Sektoren erweisen könnte. Wenn die finanziellen und politischen Ungewissheiten sich erst einmal gelegt haben, so denken wir, dürften Brasiliens Stärken als drittgrößter Lebensmittelexporteur der Welt und als wichtiger Ölexporteur wieder in den Vordergrund treten.

Brasilien ist auch in den Bereichen Biotechnologieforschung und Tiefsee-Kohlenwasserstoff-Exploration Weltklasse. Außerdem konnten mehrere innovative Binnenunternehmen stark von dem enormen Wachstum der Mittelklasse des Landes in den letzten 20 Jahren profitieren.