Lockerungen erwartet

Kein Ende der russischen Bond-Rally

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Renaissance Capital rechnet damit, dass die Renditen der Rubel-Staatsanleihen (OFZ) bis zum Jahresende um zwei Prozentpunkte fallen werden, da die Zentralbank ihren Leitzins bei ihrer nächsten Sitzung am 15. Juni um 100 Basispunkte senken wird. Ökonomin Maria Pomelnikowa von AO Raiffeisenbank sagt eine Lockerung in ähnlichem Ausmaß voraus, weil der nachlassende Inflationsdruck Russland mehr Spielraum gibt, um die rezessionsgeplagte Wirtschaft zu stützen.

Mittelfristig bleiben OFZs äußerst attraktiv“, erklärt Dmitri Dudkin, Leiter Fixed-Income-Research bei Uralsib Capital. „Die Aussicht auf weitere Zinssenkungen bleibt bestehen. Wir können bei länger laufenden OFZ Renditen den Bereich von 10 Prozent erreichen.“

Analysten aller drei Finanzhäuser hatten die Zinssenkung am Donnerstag um 1,5 Prozentpunkte auf 12,5 Prozent korrekt vorhergesagt. Mit dem Schritt baute Notenbankchefin Elvira Nabiullina einen Teil ihrer Notfall-Zinsanhebung aus dem vergangenen Jahr ab, um die größte Währungsrally in diesem Jahr einzudämmen. Der Rubel-Kurs ist so stark geklettert wie seit mindestens 1993 nicht mehr und droht Russlands in Rubel denominierte Einnahmen aus dem Ölexport auszuhöhlen.

Das Ausmaß der Lockerung von vergangener Woche — das 30 der 40 von Bloomberg befragten Analysten überrascht hatte — sorgte dafür, dass Goldman Sachs Group, Morgan Stanley und Capital Economics ihre Zinsprognosen anpassten und jetzt alle mit schnelleren Zinssenkungen als zuvor noch rechnen.

Goldman erwartet nun bei der nächsten Notenbanksitzung erneut eine Lockerung um 150 Basispunkte, womit die bisherige Prognose um einen halben Punkt angehoben wurde. Morgan Stanley und Capital Economics sehen den Leitzins bis zum Jahresende auf 9 Prozent sinken, während sie zuvor noch einen Satz von 10 Prozent beziehungsweise 12 Prozent vorhergesagt hatten.

Die aggressiveren Lockerungserwartungen drückten die Rendite fünfjähriger Staatsanleihen am Donnerstag um 37 Basispunkte auf 11,01 Prozent, womit der stärkste Rückgang seit drei Wochen verzeichnet wurde. Die Rendite, die Anfang des Jahrs noch bei 15,41 Prozent lag, ging im April um 1,45 Prozentpunkte zurück.

Nach einer Rally, die den Investoren in russische Anleihen in lokaler Währung 2015 einen Ertrag von 19 Prozent eingebracht hat, ist der Raum für weitere Impulse am Anleihemarkt begrenzt, meint Dmitri Turmyschew, stellvertretender Direktor bei Gazprombank Asset Management in Moskau. Für Juni prognostiziert er, dass Nabiullina die Zinsen um lediglich 50 Basispunkte verringern wird, während sie die Inflation genau im Auge behält.

Der Anstieg der Gesamtrate der Verbraucherpreise im April schwächte sich laut vorläufigen Daten aus der vergangenen Woche auf etwa 16,5 Prozent ab, nachdem im Vormonat mit einer Teuerung von 16,9 Prozent noch ein 13-Jahres-Hoch verzeichnet worden war. Damit liegt die Inflation aber noch mehr als 10 Prozentpunkte über dem mittelfristigen Zielwert der Zentralbank.

Zusammen mit der jüngsten Zinssenkung summiert sich die geldpolitische Lockerung in diesem Jahr auf insgesamt 450 Basispunkte. Damit fehlen noch immer 200 Basispunkte, bis die Notfall-Straffung vom Dezember wieder komplett abgebaut ist. Mit einer drastischen Zinsanhebung hatte die Zentralbank dem damaligen Verfall der Landeswährung entgegenwirken wollen.

In diesem Jahr hat sich das Blatt für den Rubel aber wieder gewendet. Bemühungen um eine friedliche Lösung des Konflikts in der östlichen Ukraine und eine Erholung der Ölpreise von ihrem Sechsjahrestief haben die russische Währung 2015 um 18 Prozent gegenüber dem Dollar aufwerten lassen. Das ermöglicht Nabiullina, die Geldpolitik zu lockern, um das Wachstum anzukurbeln. Denn das russische Bruttoinlandsprodukt war im ersten Quartal um 2,2 Prozent geschrumpft.

Fallende Löhne und ein Rückgang bei der Kreditvergabe an Privatpersonen werden die Verbraucherausgaben belasten, hieß es in der Erklärung der Zentralbank vom Donnerstag. Von Bloomberg zusammengestellte Prognosen ergaben, dass der Leitzins in Russland bis zum Jahresende auf 10,20 Prozent fallen dürfte.

Unter der Annahme, dass es am Ölmarkt zu keinen bösen Überraschungen kommt, dürften die russischen Anleihen „von hier aus steigen“, erklärt Iwan Guminow, Vermögensverwalter bei Ronin Trust in Moskau. „Wir schätzen weiterhin, dass es mehr Zinssenkungen geben wird.“

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