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„London muss eine glaubwürdige Alternative zum Libor finden“

Bob Diamond: Der Barclays-Chef tritt von seinem Posten zurück. Quelle: AFP/Getty Images
Bob Diamond: Der Barclays-Chef tritt von seinem Posten zurück. Quelle: AFP/Getty Images
Übersehen wir die wahre Botschaft des Libor-Skandals? Sicher sollten wir unbarmherzig jene Menschen verfolgen, die manipuliert, missbraucht und veruntreut haben. Aber ist nicht das eigentlich Erschütternde an der Geschichte, dass ein Großteil des Finanzsystems auf einer völlig amateurhaften und veralteten Grundlage beruht? Dass der Londoner Interbankenzins seit 2007 ohne einen lebensfähigen Interbankenmarkt erstellt wird, ist ein wirklicher systemischer Risikofaktor, der uns alle angehen sollte.   

Die Libor-Lüge ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie Technologie es möglich macht, dass Banksysteme ein zu schnelles Wachstum verzeichnen, als dass seine Regulierungssysteme es noch verwalten könnten. Im Laufe der 90er Jahre habe ich versucht herauszufinden, was die Rentabilität der Kreditvergabe der Banken auf Libor-Kredite ist und ich habe noch nie einen Banker getroffen, dessen Bank Libor für ihre Fonds gezahlt hätte. Libor ist seit jeher ein einziges Durcheinander.

Dass unser Finanzsystem in so großen Teilen noch immer an den Libor gebunden ist, ist äußerst beunruhigend. In Bezug auf die Finanzmärkte stellt der Libor ein Maß-System der Vergangenheit dar, etwa so, als ob ein Musikkünstler heute seine Bezahlung anhand seiner Vinyl-Verkäufe aushandeln würde.

London muss so bald wie möglich eine glaubwürdige Alternative zum Libor finden, da die Konsequenzen, die sich aufgrund einer Nicht-Einigung über den Libor auf den Markt ausweiten, weitaus katastrophaler sind, als die moralischen Verfehlungen der weltgrößten Banken.
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