Charudatta Shende, Head of Client Portfolio Management Fixed Income bei Candriam, spricht im Interview über die Strategie des Candriam Bonds Credit Alpha und erklärt, warum fundamentale Analyse und strikte Risikokontrolle in einem neuen Marktregime entscheidend sind.
DAS INVESTMENT: Herr Shende, der Candriam Bonds Credit Alpha wurde im Februar 2021 aufgelegt, kurz bevor die Zinswende einsetzte. Welche Marktbedingungen haben damals zur Entwicklung dieses Produkts geführt?
Charudatta Shende: Bereits vor der Zinswende waren wichtige Marktveränderungen erkennbar. Die geopolitischen Risiken und Deglobalisierungstendenzen begannen schon unter Trump 1.0 und setzten sich unter Biden fort – mit Zöllen und einer zunehmend nach innen gerichteten Politik. Hinzu kamen Themen wie Dekarbonisierung und Digitalisierung. All diese Faktoren deuteten auf ein neues Regime mit höherer Inflation, höheren Zinsen und mehr Volatilität hin.
Gleichzeitig können wir bei Candriam bereits auf eine lange Geschichte im Bereich Hochzinsanleihen zurückblicken, die bis zur Auflegung unseres Euro High Yield-Fonds im Jahr 1999 zurückreicht. 2003 folgte der Global High Yield-Fonds und 2010 der Credit Opportunities Fund. Was uns fehlte, war ein reiner Long-Short-Hochzinsfonds ohne direktionale Ausrichtung – diese Lücke haben wir mit dem Credit Alpha geschlossen, um den Marktbedingungen gerecht zu werden.
Der Fonds folgt einem diskretionären Managementansatz. Wie unterscheidet sich dieser Ansatz von anderen Kreditstrategien?
Shende: Unser Fonds differenziert sich in mehreren Punkten. Erstens handelt es sich um einen Ucits-Fonds mit täglicher Liquidität nach Artikel 8. Zweitens konzentrieren wir uns klar auf Hochzins- und Crossover-Anleihen, genauer gesagt auf den Bereich von BBB bis CCC. Im Gegensatz zu vielen anderen Fonds am Markt, die sowohl Investment Grade als auch High Yield und Staatsanleihen kombinieren, fokussieren wir uns ausschließlich auf Unternehmensanleihen.
Wir verzichten zudem bewusst auf strukturierte Produkte wie Asset-Backed Securities (ABS) oder Mortgage-Backed Securities (MBS) sowie auf Unternehmen, die sich in Zahlungsverzug oder einer Restrukturierung befinden. Besonders wichtig ist dabei unser Fokus auf fundamentale Bottom-up-Analyse. Aus unserer langjährigen Erfahrung im High-Yield-Segment wissen wir, dass der Schlüssel zum Erfolg in der Fähigkeit liegt, zwischen guten und schwachen Kreditnehmern zu unterscheiden. Dabei steht für uns nicht maximaler Ertrag im Vordergrund, sondern ein umfassendes Risikoverständnis.
Der Fonds arbeitet mit zwei Performancetreibern – dem fundamentalen Long-Short und dem quantitativen Long-Short. Wie ergänzen sich diese beiden Ansätze?
Shende: Diese beiden Performancetreiber unterscheiden sich grundlegend in ihrem Ansatz. Bei der fundamentalen Long-Short-Strategie konzentrieren wir uns auf die Emittenten selbst. Wir analysieren Unternehmen, deren Geschäftsmodelle und Finanzprofile, und bewerten ihre Fähigkeit, ihren finanziellen Verpflichtungen unter allen Marktbedingungen nachzukommen. Wir gehen bei starken Unternehmen long und bei schwachen short.
Die quantitative Long-Short-Strategie hingegen fokussiert sich nicht auf verschiedene Emittenten, sondern auf verschiedene Instrumente desselben Emittenten. Hier könnten wir beispielsweise bei einem Unternehmen long auf langfristige Anleihen und short auf kurzfristige Anleihen gehen, oder long auf Euro-Anleihen und short auf Dollar-Anleihen. Diese Strategie ist stets marktneutral mit einem 1:1-Verhältnis zwischen Long- und Short-Positionen.
Die Gewichtung zwischen diesen beiden Ansätzen variiert je nach Marktphase und den Chancen auf Einzeltitelebene. In Expansionsphasen des Kreditzyklus ist die Dispersion am Markt beispielsweise gering, was zu weniger Gelegenheiten für die quantitative Seite führt. In Abschwungphasen mit hoher Dispersion bieten sich dagegen mehr Chancen für die quantitative Strategie.
- Auflegung: 01.02.2021
- Ertragsverwendung: thesaurierend
- Fondsgesellschaft: Candriam
- ISIN: LU2098773331
- Performance YTD: 0,91%
- Performance 1 Jahr: 4,71%
- Performance 3 Jahre: 17,52%
- Sharpe Ratio 3 Jahre: 3,07
- Sum. lfd. Kosten: 1,94%
- Volatilität 3 Jahre: 1,05%
- Volumen in Mio. EUR: 337
- Währung: EUR
Bei Long-Short-Strategien ist die Auswahl der Short-Positionen oft komplexer als die der Long-Positionen. Wie identifizieren Sie attraktive Short-Kandidaten?
Shende: Wir setzen auch hier auf unsere fundamentale Bottom-up-Analyse. Wir untersuchen die Herausforderungen für das Geschäftsmodell und das Finanzprofil eines Unternehmens – die Cashflow-Situation, die Verschuldung, die Bedienbarkeit der Schulden und die Nachhaltigkeit der Verschuldung. Unsere Analysten erstellen dann eine interne Bonitätsbewertung von CR1 bis CR4.
In der Automobilbranche beispielsweise sahen wir Ende letzten Jahres, dass deutsche Hersteller unter dem Wettbewerbsdruck aus China litten und weniger von staatlichen Subventionen profitierten. Mit Blick auf den Marktkontext, den Kreditzyklus und die fundamentale Analyse identifizieren wir zyklische Sektoren sowie einzelne Emittenten, die vor Herausforderungen stehen könnten.
Mit Blick auf das Risikomanagement: Der Fonds hat ein Volatilitätsziel von unter 10 Prozent. Wie stellen Sie in Zeiten erhöhter Marktvolatilität sicher, dass dieses Ziel eingehalten wird?
Shende: Die 10 Prozent sind ein Maximalziel, das wir nicht ausschöpfen möchten. Aktuell liegt unsere Volatilität deutlich darunter. Der Schlüssel liegt in einem sehr disziplinierten Portfolioaufbau. Bei jeder Anlageentscheidung berücksichtigen wir unsere Überzeugung bezüglich des Emittenten, unsere Einschätzung des Kreditzyklus und den relativen Wert der Position.
Für jede Position definiert der Fondsmanager klar, in welcher Größenordnung er investieren möchte und bei welchen Niveaus er Gewinne mitnehmen oder Verluste begrenzen würde. Diese Parameter werden täglich vom Fondsmanagement-Team überprüft.
Der Fonds hat derzeit ein Volumen von rund 340 Millionen Euro. Sehen Sie Kapazitätsgrenzen für Ihre Strategie, insbesondere in weniger liquiden Marktsegmenten wie dem Hochzinsbereich?
Shende: In der aktuellen Marktphase mit niedriger Emissionstätigkeit schätzen wir die Kapazität auf etwa 1 Milliarde Euro. Wenn wir uns dieser Grenze nähern, würden wir einen Soft Close des Fonds in Betracht ziehen. Diese Einschätzung bezieht sich auf den heutigen Zeitpunkt – wenn sich der Hochzinsmarkt vergrößert, würden wir unsere Kapazitätsgrenze neu bewerten.
Die EZB setzt ihren Zinssenkungszyklus fort, während die Fed möglicherweise einen anderen Weg einschlägt. Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie in diesem divergierenden geldpolitischen Kurs?
Shende: Diese Divergenz eröffnet aus unserer Sicht sehr gute Chancen. Unterschiedliche geldpolitische Pfade führen zu Unterschieden in den Zinsen und damit zu Divergenzen zwischen dem Euro- und dem US-Hochzinsmarkt. Genau diese Art von Dispersion können wir nutzen.
Natürlich beobachten wir die Rhetorik der Fed sehr genau. Beide Zentralbanken sind stark datenabhängig. Sollte sich die US-Wirtschaft abschwächen, würde die Fed sicherlich reagieren und ebenfalls eine Lockerung in Betracht ziehen. Divergenzen schaffen in jedem Fall gute Möglichkeiten für unsere Strategie.
Mit Blick auf die nächsten 18-24 Monate: Welche Marktentwicklungen könnten die größten Chancen für Ihre Credit Alpha-Strategie bieten?
Shende: Wir glauben, dass mit der Abschwächung der makroökonomischen Situation und sinkenden Zinsen die Emissionstätigkeit im Hochzinsbereich zunehmen wird. Gleichzeitig dürften Ausfälle und Zahlungsverzögerungen steigen, wodurch idiosynkratische Risiken in den Vordergrund treten.
Bis 2022 konnten Unternehmen dank der Liquiditätswelle der Zentralbanken auch mit schwachen Fundamentaldaten überleben. Dieses Umfeld existiert nicht mehr. Jetzt sind Unternehmen auf ihre Bilanzen und Geschäftsmodelle angewiesen, um in diesem Umfeld zu bestehen. Die daraus resultierende Differenzierung zwischen starken und schwachen Unternehmen wird uns sehr gute Möglichkeiten bieten. Mit zunehmender Emissionstätigkeit könnten sich auch die technischen Faktoren am Markt abschwächen, was weitere Chancen eröffnet.


