Ufuk Boydak, Vorstand von Loys und Fondsmanager des LOYS Global L/S: „Es fällt heute angesichts von Anomalien und Marktinterventionen schwer, die Märkte als effizient zu bezeichnen; dennoch reichen die Finanzlehrstühle dieser Welt die Botschaft fleißig ihren Studenten weiter

Ufuk Boydak, Vorstand von Loys und Fondsmanager des LOYS Global L/S: „Es fällt heute angesichts von Anomalien und Marktinterventionen schwer, die Märkte als effizient zu bezeichnen; dennoch reichen die Finanzlehrstühle dieser Welt die Botschaft fleißig ihren Studenten weiter

Loys-Vorstand und Fondsmanager

„Kurzfristig ist der Markt eine Wahlmaschine“, oder: Warum ETFs & Co. die Wissenschaft verzweifeln lassen

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Was heißt es nun, wenn von der Effizienz der Märkte gesprochen wird? Nobelpreisträger Eugene Fama, Vater der Hypothese, definiert die Effizienz der Märkte wie folgt: „Wertpapierpreise reflektieren vollständig alle verfügbaren Informationen“. Allerdings schließen sich an diese Erklärung unweigerlich Folgefragen an, da unklar bleibt, was „vollständig reflektieren“ eigentlich heißt. Wie entwickelt sich beispielsweise der Aktienkurs eines Unternehmens nach einem guten Quartalsbericht. Sollte er sich Verdoppeln oder Verdreifachen?

Gleichgewichtsmodelle und Anomalien


Um eine Aussage über die Effizienz der Märkte fällen zu können, wird zusätzlich ein Gleichgewichts-Bewertungsmodell, wie das Capital Asset Pricing Model (CAPM) oder das von Eugene Fama und Kenneth French entwickelte Fama-French-Faktormodel benötigt, welches Aufschluss darüber gibt, wie der Markt letztlich die Informationen des Quartalsberichts vollständig reflektiert. Das führt dann unweigerlich zum sogenannten „Joint hypothesis problem”, da eine wissenschaftliche Antwort zur Frage der effizienten Märkte nur in Zusammenhang mit einem Gleichgewichtsmodell geschehen kann. Dabei werden alle beobachteten Phänomene, die von solchen Gleichgewichtsmodellen nicht erklärt werden können, als Anomalien bezeichnet. Als Beispiel sei hier der „Größeneffekt“ genannt, der besagt, dass kleinere Unternehmen im Gegensatz zu größeren Unternehmen eine höhere Rendite erwarten lassen. Kommt es also zu sogenannten Kapitalmarktanomalien, sind diese entweder Indizien für ineffiziente Märkte, Unzulänglichkeiten des zugrundeliegenden Bewertungsmodells oder beides zusammen.

Abschließend wird noch eine Erklärung für diese außerhalb der Modelle auftretenden Phänomene benötigt. Die akademische Welt teilt sich hier in zwei Gruppen – Risiko und  menschliches Verhalten. Das Risikolager begründet jede weitere Anomalie mit der Schwäche des vorhandenen Bewertungsmodells und sieht in der Überrendite eines Faktors lediglich die Vergütung für das zusätzlich eingegangene Risiko.

Tiefe Aktienkurse zum Beispiel sollen das Resultat schwächerer Unternehmensentwicklungen sein. Investments in diese Unternehmen würden dann ein höheres Risiko bedeuten, weshalb die erwartete Rendite auch dementsprechend höher ausfällt. Diese Anomalie nennt man in der Fachsprache „Value“ und verspricht deshalb, so die Erklärung der Akademiker, mehr Rendite als Wachstumswerte.

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