Die Karriere von Björn Glück begann dort, wo andere oft nicht allzu genau hinschauen: im dichten Unterholz der deutschen Börsenlandschaft. Hier, im Schatten der mächtigen Dax-Konzerne, tummeln sich all die Zulieferer, Konsumgüterhersteller und Dienstleister, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden. Diese hochspezialisierten Unternehmen, oft familiengeführt oder von einer Handvoll Visionären ins Leben gerufen, sind die stille Triebkraft hinter den Kulissen. Sie entwickeln die Teile, die in den Maschinen der Weltmarktführer unverzichtbar sind. Erfinden Segmente neu, die für die Großen zu klein scheinen. Und pflegen eine Kundennähe, die in globalen Konzernstrukturen oft verloren geht.
Und Glück, das kann man ohne Übertreibung sagen, kennt sie alle. Seit nunmehr 18 Jahren beschäftigt sich der Portfoliomanager bei Lupus Alpha tagein, tagaus mit den Geschäftszahlen der deutschen Nebenwerte, ihren Expansionsplänen und auch ihren Bauchschmerzen. Die sind zuletzt stärker geworden: „Der Mittelstand ächzt“, konstatiert Glück. Die Energiepreise seien zu hoch, die Bürokratie und Regulierung aus dem Ruder gelaufen, erklärt er. Hinzu komme der Fachkräftemangel, der die gesamte Wirtschaft lähme.
Glück, das merkt man schnell, ist ein Freund klarer Worte. „Ich mache mir Sorgen um den Wirtschaftsstandort Deutschland“, so der Börsenkenner. „Wir müssen einige Dinge dringend anpacken. Denn im jetzigen Stadium verlieren wir in vielen Bereichen unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ Ähnlich sieht es auch die Auslandspresse: Deutschland sei wieder der kranke Mann Europas, liest man auf den Titelseiten.
Diese Schlagzeilen kennt Glück noch aus seinen Studientagen. Der Sommer 2003 war lang und heiß, in den Nachrichten sprach man über eine neue Lungenkrankheit namens Sars in Asien, aber auch über den miserablen Zustand der deutschen Wirtschaft. Glück studierte damals Betriebswirtschaftslehre an der Goethe-Universität in Frankfurt und erinnert sich: „Alle jammerten, die deutschen Autos seien zu teuer und die Arbeitszeiten zu kurz. Das Land wurde von vielen abgeschrieben. Dann kam die Agenda 2010, die Deutschland souverän durch die Finanzkrise brachte. Natürlich auch angefeuert durch China. Im Anschluss folgte eine goldene Dekade.“
2005 beendete er das Studium. Davor absolvierte er Praktika bei den Großen der Branche, Morgan Stanley, Deutsche Bank. Dann machte ihn ein Freund auf Lupus Alpha aufmerksam.
Ruf der Wölfe
Die Fondsboutique Lupus Alpha wurde im Jahr 2000 von einem Quintett gegründet, welches zuvor beim britisch-amerikanischen Asset Manager Invesco tätig war. Hier war alles eine Nummer kleiner, sowohl die Büros als auch das Produktangebot.
Aber der Spirit stimmte.
Im Kühlschrank lagen die Softgetränke damals oben, der Alkohol unten, und nach 18 Uhr hörte man gelegentlich schon das erste Plopp, erinnert man sich heute. Es wurde hart gearbeitet, aber auch leidenschaftlich gefeiert. In den Anfangstagen fand einmal im Monat ein Stammtisch statt, der so sehr zehrte, dass ein Teil der Belegschaft am nächsten Morgen mit Sonnenbrille im Büro anrückte.
Als Glück im Jahr 2005 dazustieß – „mein Bauchgefühl sagte mir damals: Wenn ich Spaß bei der Arbeit habe, dann ist das schon mal viel wert“ –, managte noch Lupus-Alpha-Mitgründer Karl Fickel den Nebenwerte-Fonds. „Er hat mich mit seiner Passion angesteckt“, sagt Glück heute.
Begeistert habe ihn die Freiheit, welche die Fondsmanager genossen. „Und man wurde gesehen. Ich bin eher ein ruhiger Typ, das war für mich das richtige Umfeld. In einem Großkonzern wäre ich vielleicht nie wirklich angekommen.“ Die Freiheit zahlte sich aus.
Der Lupus Alpha Smaller German Champions ist hochdekoriert, hat über die gesamte Laufzeit fünf Sterne bei Morningstar, fünf bei FWW und einen Kurs, der wie an der Schnur gezogen nach oben gerichtet ist. Über 20 Jahre beträgt der Wertzuwachs 813 Prozent, das entspricht einem jährlichen Plus von 11,1 Prozent nach Kosten. Da sage noch mal einer, mit Deutschland könne man kein Geld verdienen.
Die Performance blieb auch in der Geschäftsführung nicht unbemerkt. 2009 stieg Björn Glück als Co-Manager in das Portfolio Management des Lupus Alpha Smaller German Champions ein, im April 2012 übernahm Glück die Verantwortung für das strategische Management des vielfach ausgezeichneten Deutschlandfonds.
Im März 2022 wurde er schließlich Partner bei Lupus Alpha. Er ist damit der neunte Partner im Bunde des Lupus-Alpha-Teams, das sich selbst mit einem Augenzwinkern als „Leitwölfe“ bezeichnet. Mit dem Partnerprogramm will der Asset Manager Leistungsträger stärker in das Unternehmen einbinden. Ansonsten bleibe im Alltag weitgehend alles beim Alten. „Gott sei Dank“, entfährt es Glück, der froh sei, das weitermachen zu können, was er liebe: Portfolios managen.