Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur von <br> DER FONDS

Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur von
DER FONDS

Luxemburger Schatten

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Wo liegt Luxemburg? Links der Mosel, nur 220 Kilometer vom deutschen Bankenzentrum Frankfurt entfernt, lautet die geographisch korrekte Antwort. In juristischem Sinne scheint der Fall anders gelagert. Wer am 17.März einen in der ARD ausgestrahlten Beitrag zur unrühmlichen Rolle der Luxemburger HSBC Securities im Fall Madoff gesehen hat, dürfte eher an das Land Schneewittchens („Hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen“) denken oder – ohne dem Rechtssystem dieses afrikanischen Staates zu nahe treten zu wollen – an eine Nachbarrepublik Burundis.

Dem Bericht zufolge ist die Justiz des Großherzogtums rund dreieinhalb Jahre nach dem Zusammenbruch mehrerer in Luxemburg aufgelegter Madoff-Fonds bislang nicht viel weiter gekommen, als die Personalien der Beteiligten aufzunehmen. Wer die Schuld an dem Debakel trägt, am Ende womöglich sogar haften muss? Schauen wir mal. Später. Irgendwann. Zwischendurch vielleicht noch eine Bouneschlupp oder einen Kachkéis?

Die rational kaum nachvollziehbare Untätigkeit ist nicht nur ärgerlich für die Opfer. Sie wirft auch lange Schatten auf den Fondsgedanken an sich. So endet der eingangs zitierte Fernsehbeitrag mit dem in der Praxis zu kurz gegriffenen Rat, von allen Fonds mit Warnhinweisen zu den Verwahrrisiken generell die Finger zu lassen. Da haben die meisten Zuschauer das Stichwort „Luxemburg“ vermutlich längst wieder vergessen.

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