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 Heike Fürpaß-Peter, Lyxor ETF: Die Vertriebschefin für Deutschland und Österreich will mit Vorurteilen über die ETF-Industrie aufräumen.  | © Lyxor

Lyxor-ETF-Vertriebschefin ETFs demokratisieren Finanzanlage

Der Zustrom von Anlegergeldern in ETFs ist ungebrochen: In Europa werden mittlerweile 655 Mrd. Euro (Stand 01/2018) in europäischen ETF verwaltet. Noch vor fünf Jahren waren es gerade einmal 253 Mrd. Und das Wachstum geht ungebremst weiter. Allein im Januar dieses Jahres sammelten ETFs netto neue Mittel in Höhe von 13,4 Milliarden Euro ein - der beste Jahresstart überhaupt. Gleichzeitig leidet der Absatz aktiver Fonds.

Soviel Erfolg zieht Kritik nach sich. Schließlich bedroht der Trend zum passiven Investieren das Geschäftsmodell der aktiv ge­managten Fonds, deren höhere Kosten sich nur durch ein Übertreffen der passiven Benchmark rechtfertigen lässt. Hinzu kommt, dass die in MiFID II eingeforderte erhöhte Kostentransparenz beim Handel von Fonds die Bedingungen für den Verkauf passiver Strategien weiter verbessern dürfte. So kommt es, dass immer häufiger Argumente vorgebracht werden, die eine schädliche Wirkung der ETFs auf die Stabilität des Finanzsystems postulieren.

Vom „gefährlichen Boom“ ist die Rede, von einer „riskanten Revolution“ oder davon, dass ETFs „schlimmer als Marxismus“ seien. In der Sache stecken dahinter zumeist folgende Kritikpunkte: ETFs steigern die Korrelation und schaden damit der Diversifikation, ETFs erhöhen die Volatilität der Märkte, ETFs machen die Märkte weniger effizient, sie steigern zudem die Anfälligkeit der Märkte gegenüber Marktkorrekturen. Sind diese Sorgen berechtigt?

Fußabdruck von ETFs

Zunächst lohnt ein Blick auf die Größenord­nungen; damit  relativiert sich generell die Bedeutung des passiven Investments. Denn trotz des immensen Wachstums der letzten Jahre liegt der Anteil der ETFs in allen relevanten Märkten immer noch im einstelligen Bereich. So betrug nach unseren Daten vom Ende August 2017 der Marktanteil der in den USA und Europa gelisteten ETFs am Volumen des europäischen Aktienmarktes 4,4 Prozent. Bezogen auf den US-amerikanischen Aktienmarkt liegt der ETF-Anteil bei 7,6 Prozent. Nach einer Studie von Vikas Agarwal u.a. (2017) für die Lyxor ETF Research Academy wuchs der Anteil der ETFs an den US-amerikanischen Indizes S+P 500, Russell 1000 und Russell 2000 seit dem Jahr 2000 um durch­schnittlich 0,4 Prozent pro Jahr.

Noch kleiner ist der Fußabdruck der ETF-Industrie, wenn man auf den Handel blickt. Verglichen mit dem Volumen der täglich gehandelten Aktien aus dem Euro Stoxx 50 beträgt der Anteil der täglich gehandelten ETF auf den Euro Stoxx 50 gerade einmal 2 Prozent. Diese Größenverhältnisse sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn man den Einfluss von ETFs auf die Preisfindung von Aktien und Anleihen diskutiert. Das Gewicht einzelner Unternehmen in einem Index wird jedenfalls heute noch stärker von diskretionären Kaufentscheidungen bestimmt als von der passiven Nach­bildung im ETF.

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