Operationsmikroskop Opmi Lumera von Zeiss Foto: Carl Zeiss Meditec

Deutsche Nebenwerte M-Dax steht vor einschneidender Veränderung

Auf dem ersten Blick klingt es gar nicht so bedeutend: Die Zahl der Werte im M-Dax soll von 60 auf 50 reduziert werden, weil der Dax seine Mitgliederzahl von 30 auf 40 Titel aufgestockt. Tatsächlich kommen die voraussichtlichen zehn Dax-Aufstiegskandidaten im M-Dax auf eine Gewichtung von derzeit rund 45 Prozent. So gesehen wechselt fast die Hälfte des Index in die erste Börsenliga. Durch den Aufstieg beziehungsweise Wegfall der zehn M-Dax-Schwergewichte sinkt die durchschnittliche Marktkapitalisierung der M-Dax-Aktien von 10,4 auf 6,1 Milliarden Euro. Damit verändert sich auch der Charakter des Index: Aus dem Mid-Cap- wird ein Stück weit ein Small-Cap-Index.

Der M-Dax ist aufgrund seiner herausragenden Performance bei den Investoren zum beliebten Anlagevehikel geworden. Auch wenn der Index der mittelgroßen Unternehmen erst 1996 offiziell gestartet ist, wurde er wie der Dax bis Ende 1987 zurückgerechnet und auf 1.000 Punkte indexiert.

Mehr Rendite und weniger Schwankungen

Heute steht der Dax bei zirka 15.300 Zählern und der M-Dax mit rund 34.000 Punkten bei mehr als dem Doppelten. David schlägt Goliath also deutlich: 11,1 Prozent pro Jahr versus 8,5 Prozent. Gleichzeitig ist der M-Dax sogar weniger schwankungsanfällig. Seine Volatilität liegt nur bei 18,4 Prozent, der Dax weist 20,5 Prozent aus.

Ein Grund für die Outperformance ist die Branchengewichtung. Im Dax sind mit Infineon und SAP nur zwei echte Technologie-Werte enthalten. Biotech-Werte fehlen völlig. Dagegen sind mit der Deutschen Bank und der Commerzbank zwei Titel dabei, die in den zurückliegenden zehn Jahren zwischen rund 60 und 70 Prozent an Wert verloren haben. Wirecard war sogar ein Totalausfall. Von den bislang 60 M-Dax-Aktien stammt immerhin ein gutes Dutzend aus den Bereichen Technologie und Medtech/Biotech, deren Aktien sich in der Vergangenheit überdurchschnittlich gut entwickelt haben.

Außerdem bestätigen die Performance-Daten, dass es auch in Deutschland einen Small-Cap- oder Size-Effekt gibt, das heißt, dass sich Nebenwerte auf lange Sicht besser entwickeln als die großen Standardwerte. Theoretisch könnte sich dieser Effekt nach der Indexumstellung im September durch den Aufstieg der größten Werte in den Dax verstärken.

Fokussierte Geschäftsmodelle stärken Wachstumsdynamik

Kleinere Unternehmen verfügen oft über eine stärkere Wachstumsdynamik, was auch die Aktienkurse schneller klettern lässt. Zudem ist ihr Geschäftsmodell meistens fokussierter. Bei den großen Konzernen gibt es fast immer einen Geschäftsbereich, bei dem es nicht läuft. Funktioniert dagegen das Geschäftsmodell eines kleineren stringent ausgerichteten Unternehmens, schlägt der Erfolg ungebremst durch.

Qontigo, eine Tochter der Deutsche Börse, hat einige interessante Rückrechnungen angestellt und verglichen, wie sich der M-Dax in der neuen Zusammensetzung in den zurückliegenden Jahren entwickelt hätte. Eine bessere Performance aufgrund der Fokussierung auf kleinere Unternehmen hat sich jedoch nicht gezeigt. Hier muss man aber berücksichtigen, dass Qontingo nur drei Jahre zurückgerechnet hat.

Anleger, die sich auch für kurzfristige Investments interessieren, dürften ein Auge auf die Dax-Aufsteiger richten. Denn historisch konnten Aktien von Unternehmen, die in wichtige Benchmark-Indizes wie dem Dax aufgenommen wurden, im Vorfeld eine Überrendite erzielen – denn dann müssen beispielsweise ETFs, die sich an dieser Benchmark orientieren, diese Titel dazukaufen.

Die Commerzbank hat hierzu in einer aktuellen Analyse folgende „sichere“ Aufstiegstitel ermittelt: Airbus, Zalando, Porsche, Siemens Healthineers, Symrise, Hello Fresh, Brenntag, Sartorius. Gute Chancen haben aber auch Puma, Beiersdorf und Qiagen. Übrigens, im Rahmen der regelmäßigen Indexüberprüfung könnten neu in den M-Dax Vantage Towers, Befesa und Jungheinrich aufrücken.

Hände weg von Aufstiegs-Wetten

Fazit: Spekulationen auf Indexauf- und absteiger sind eigentlich mehr ein Geschäft für Hedgefonds, die das marktneutral über größere Baskets bei gleichzeitig geringen Kosten umsetzen können. Für Privatanleger lohnen sich solche Trades meistens nicht, da bereits kleinere Marktschwankungen den erhofften Mehrertrag in wenigen Handelstagen aufzehren könnten.

Für Anleger, die über ETFs im M-Dax investiert sind, ergibt sich aufgrund der Indexumstellung kein zwingender Handlungsbedarf. Das Chancen-Risiko-Profil dürfte sich nur unwesentlich ändern. Der M-Dax bleibt ein attraktives Investment.

Über den Autor: Marco Herrmann ist seit 1992 für Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der Fiduka.

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