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Interview mit Christian Machts von Fidelity „Junge Leute wollen ein digitales Angebot“

Christian Machts
Christian Machts: Seit Jahresanfang in der europäischen Führung von Fidelity International. | Foto: Fidelity

DAS INVESTMENT: Herr Machts, wo sehen Sie die Trends der Anlageberatung?

Christian Machts: Die Zeit, in der Kunden in ihre Bankfiliale und zu ihrem Berater gegangen sind, ist langsam vorbei. Gerade junge Leute wollen ein einfaches, digitales Angebot. Ein wichtiges Stichwort dabei ist Gamification: Das Ganze muss Spaß machen. Und wenn der Kunde digital nicht weiterkommt, will er mit jemandem sprechen – und zwar gleich, und eben nicht bei einem Termin in vier Wochen.

Welche Rolle spielt Social Media für einen Asset Manager?

Machts: Ein Anbieter muss auf den Social-Media-Plattformen sein, weil die junge Zielgruppe dort ist. Es geht aber nicht in erster Linie darum, ein bestimmtes Produkt zu positionieren, sondern seine Marke. Präsent sein mit einer Marke, die als vertrauenswürdig oder sogar ein bisschen cool gilt – wenn das gelingt, kann man in dem Umfeld erfolgreich sein.

Können Sie ein Beispiel nennen? 

Machts: Nehmen wir ein Geschäftsmodell wie das von einigen Brokerage-Anbietern. Eine Plattform für Kunden, die sich ein Wertpapier aussuchen und handeln wollen. Das gab es auch vor 20 Jahren schon, es nannte sich Direktbank. Neu ist der super-einfache Zugang, es ist technisch sehr modern, es bringt Spaß, es kostet vordergründig nichts. Eine ideale Kombination für Leute, die auf der Couch sitzen, ein paar Minuten Zeit haben und sich sagen: Das mache ich jetzt!


Welche Folgen hat das für die Branche? 

Machts: Wir werden mit dem Generationswechsel Kundenwanderungen erleben. Loyalität lässt nach. Kunden gehen dahin, wo sie sich technisch und beim Service zu Hause fühlen, und wechseln häufiger.

Werden klassische Vertriebskanäle für Asset Manager weniger wichtig? 

Machts: Der Wandel kommt nicht von heute auf morgen. Aktuell fließt der Großteil der Neugelder in Deutschland über die Banken. Die klassischen Kanäle bleiben auch wichtig. Wir wollen aber nahe an den neuen Geschäftsmodellen sein. Bisher hat nur ein kleiner Teil der Bevölkerung überhaupt etwas mit Investments zu tun, viele haben noch gar keine Erfahrung in diesem Themenfeld gesammelt. Das Potenzial der digitalen Kanäle ist gigantisch.

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