Time to go? Macquarie erwägt das Europageschäft <br> aufzugeben, Quelle: Getty Images

Time to go? Macquarie erwägt das Europageschäft
aufzugeben, Quelle: Getty Images

Macquarie-Zertifikate: Das Ende des Europageschäfts?

Das australische Bankhaus Macquarie will sich möglicherweise aus dem europäischen Geschäft mit Zertifikaten zurückziehen. Das sagte eine Macquarie-Sprecherin im Interview gegenüber der Financial Times Deutschland (FTD, Printausgabe vom 15. Februar). „Aufgrund des ungünstigen Marktumfelds überprüfen wir die Option für das europäische Geschäft mit strukturierten Produkten, inklusive der Möglichkeit, das Geschäft aufzugeben“, so die Sprecherin.

Erst 2010 war die Bank aus Down-Under in Deutschland gestartet, indem sie das Zertifikategeschäft der Privatbank Sal. Oppenheim übernahm. Die Ansprüche waren damals groß. Man wollte einer der Top-Five-Anbieter in Deutschland werden.

Rückzug in Raten

Bereits Ende 2011 kündigte Macquarie an, sich aus dem Geschäft mit Privatanlegern zurückziehen zu wollen und sich künftig auf institutionelle Investoren konzentrieren zu wollen. Tägliche Newsletter wurden eingestellt und die Handelszeiten in mehreren Schritten gekürzt. Am 1. Februar wurde das letzte neue Zertifikat emittiert, wie das Bankhaus bestätigte.

Macquarie will sich weiterhin um die Bestandskunden und deren Papiere kümmern. „Wenn die Entscheidung fällt, dass Geschäft einzustellen, werden wir weiter in einer Run-off-Phase für mehrere Jahre arbeiten, bis zum Laufzeitende der ausstehenden Produkte.“

Gegenüber der FTD kommentierte Florian Röbbeling, Leiter des Instituts für Zertifikateanalyse: „Von einer Bank, die ihr Geschäft nicht mehr aktiv betreibt und kein Interesse an einer langfristigen Kundenbeziehung hat, würde ich keine Papiere mehr halten.“ Vor Käufen warnt er auch: „Die Papiere dürfen heute keinem Anleger mehr guten Gewissens empfohlen werden.“

Was könnte auf Anleger zukommen?

Paragraf 11 der Emissionsbedingungen von Zertifikaten erlaubt es Emittenten ihr Geschäft an andere Anbieter zu übertragen. Die Zustimmung der Bestandsanleger müssen sie dafür nicht einholen, solange der neue Emittent alle Verpflichtungen der Papiere übernimmt.

Außerordentlich kündigen kann Macquarie dagegen nur in besonderen Fällen, zum Beispiel bei Einführung der geplanten Finanzmarkttransaktionssteuer. Laut Emissionsbedingungen kann der Zertifikateanbieter dann den Kündigungsbetrag ermitteln und die Anleger auszahlen. Diese Form der Abwicklung könne sich jedoch, so steht es im Regelwerk, auf unbestimmte Zeit hinziehen.

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