Made in Germany

Wie Adidas, Siemens und Co. vom WM-Titel profitieren

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Nach Einschätzung des Forschungsinstituts Prognos dürfte der WM- Sieg die Anziehungskraft des Gütesiegels Made in Germany verstärken. „Made in Germany hat sicherlich, wenn so ein Erfolg produziert wird, eine Aufwertung”, sagte Christian Böllhoff, Geschäftsführer von Prognos in Berlin, in einem Interview mit Bloomberg News. “Es hat für die deutschen Exporte einen stärkenden Charakter.”

Deutschland, die größte Volkswirtschaft in Europa, ist nach China und den Vereinigten Staaten der drittgrößte Exporteur weltweit. Die Lieferungen von Mercedes-Benz-Fahrzeugen über Sportartikel von Adidas bis hin zur Kraftwerkstechnik von Siemens haben die Verkäufe von deutschen Gütern und Dienstleistungen im Ausland 2013 auf 1,09 Billionen Euro getrieben - das waren nur etwa zwei Milliarden Euro weniger als der 2012 erzielte Rekord, zeigen Daten des Statistischen Bundesamts.

Adidas hatte als der offizielle Ausstatter von Deutschland und seinem Gegner Argentinien schon vor dem Anpfiff des Endspiels am Sonntag als die sichtbarste Marke im Finale die Nase vorn, wie Konzernchef Herbert Hainer vergangene Woche in einer Mitteilung erklärte.

Das Spiel um den WM-Pokal endete mit einem 1:0-Erfolg für Deutschland. Mario Götze brachte in der 113. Spielminute die Erlösung. “Die Mannschaft hat es sehr verdient. Es gab den einen oder anderen Spieler, der vorher gesagt hat: Du machst das heute”, sagte Götze nach dem Spiel in Rio de Janeiro, gemäß Angaben von der DFB-Webseite. Der Triumph ist die Krönung von Joachim Löws achtjähriger Amtszeit als Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft.

“Psychologisch hat es eine positive Wirkung für das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein”, sagte Böllhoff. “Man wird das nicht ausrechnen können, aber ich denke, dass sich so etwas auf die Arbeitsmotivation, auf das Vertrauen, Qualität produzieren zu können, … auswirkt.”

Die WM-Siege in Deutschland fielen in der Vergangenheit mit Zeiten wirtschaftlichen Wohlstands zusammen. Der Triumph über Ungarn 1954 in Bern sorgte für eine Aufbruchsstimmung im Lande und markierte den wirtschaftlichen und politischen Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Siegertrophäe im Jahr 1974 folgte erneut eine wirtschaftliche Belebung. Ein Jahr später wurde Deutschland zu einem der Gründungmitglieder der Gruppe der sechs bedeutendsten Industrienationen, in die später auch Kanada und Russland aufgenommen wurden.

Das Finale in Rom 1990 - damals auch gegen Argentinien - fand acht Monate nach dem Fall der Mauer statt. “Nach 1990 ist in der Tat drei Jahre lang die deutsche Wirtschaft sehr stark gewachsen, aber der Grund war die Wiedervereinigung”, konstatierte Böllhoff. “Man muss zwischen Kausalität und Korrelation unterscheiden.”

Der WM-Sieg letzte Nacht ist der erste des wiedervereinigten Deutschlands. Kein Land stand so oft im Finale wie Deutschland, welches das Endspiel acht Mal erreichte. Brasilien hält mit sechs Titelgewinnen - gegenüber vier für Deutschland - jedoch noch immer den absoluten WM-Sieg-Rekord.

Ungeachtet des sportlichen Erfolges laufe die deutsche Wirtschaft erneut auf eine Phase ökonomischer Prosperität zu, mit guten Chancen auf “goldene 2020er” Jahre, sagte Böllhoff und verwies auf eine neue Studie über Deutschland, die Prognos vergangene Woche veröffentlicht hatte. Man könne sagen, dass Deutschland im Augenblick das einzige Land unter den großen Volkswirtschaften in Europa sei, das sich in einer “richtig guten volkswirtschaftlichen Situation” befinde, so Böllhoff. “Das kann sich eben nochmal verbessern, wenn dann die europäischen Nachbarländer aus der Krise rausgekommen sind. Und das wird in den nächsten paar Jahren stückchenweise passieren.”

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im ersten Quartal stärker als erwartet beschleunigt, getrieben von der Binnennachfrage und einem Bauboom. Die Bundesbank hat ihre Prognose für den Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2014 im Juni auf 1,9 Prozent erhöht, gegenüber zuvor erwarteten 1,7 Prozent Wachstum. Für 2015 erwartet die Bundesbank einen BIP-Anstieg in Deutschland um zwei Prozent. “Wir haben über Jahre im Wesentlichen unser Wachstum produziert durch Industrie und durch Export”, sagte Böllhoff. Das schlage sich jetzt positiv auf die Einkommen der Bevölkerung nieder, was den Wachstumsbeitrag des Konsums stärke. “Das wird so sein von 2017/2018 bis Ende der 2020er.”

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