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Eine Frau hätschelt in Peking eine überdimensionale Schweineskulptur: Am 5. Februar löste das Jahr des Schweins in China das Jahr des Hundes ab. | © Getty Images

Mächtig viel Schwein Warum China keine harte Landung bevorsteht

Fünf Wochen nachdem die westliche Welt ins neue Jahr gestartet ist, feiern schließlich auch Chinesen den Jahreswechsel. Mit bunten Paraden und viel Tamtam läuten die Menschen am 5. Februar den nächsten astrologischen Zyklus ein, das Jahr des Schweins.

Trotz der Vielzahl an Festen im Reich der Mitte ragt eine besonders skurrile Veranstaltung heraus: Unter dem Jubel der Zuschauer rennen in der Stadt Langmushui im Südosten des Landes kleine Schweinchen um die Wette. Dass bei einem dieser Duelle ausgerechnet ein Borstenvieh mit orangefarbenem Fell gegen einen schwarzhaarigen Artgenossen antritt, besitzt eine erstaunliche Symbolkraft. Denn als eine der größten Gefahren für Chinas wirtschaftlichen Erfolg und damit auch das Wohl der Weltwirtschaft sehen Experten zurzeit US-Präsident Donald Trump. Der hat sich nach eigenem Bekunden vorgenommen, die Volksrepublik wirtschaftspolitisch in ihre Schranken zu weisen. Vor allem die aus seiner Sicht zu Dumping-Preisen angebotenen Importe aus dem Reich der Mitte sind ihm ein Dorn im Auge. Waren ursprünglich Zölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr im Gespräch, um die heimische US-Produktion zu schützen, drohte Trump zuletzt, das Volumen auf 500 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Dann wären nahezu alle Importe aus der Volksrepublik betroffen, deren Wert 2017 bei 506 Milliarden US-Dollar lag.

Solche drastischen Maßnahmen hätten auch erhebliche Folgen für den chinesischen Aktienmarkt, an dem schon die Drohungen nicht spurlos vorbeigezogen sind. Von Juni bis Dezember 2018 ging der Aktienindex MSCI China um 28 Prozent in die Knie. „Die Eskalation des Handelsstreits mit den USA hat das Vertrauen der Aktienmärkte erschüttert“, bestätigt Robert Mann, Asien-Experte des japanischen Fondsanbieters Nikko Asset Management. Für China kommt der Gegenwind von der anderen Seite des Pazifiks zur Unzeit, schwächelt das Wachstum der Wirtschaft doch ohnehin schon. Neben der mauen Weltkonjunktur macht es der staatlich verordnete Schwenk zu mehr Binnenkonsum dem amtierenden Exportweltmeister schwer, seine Wachstumsgeschwindigkeit beizubehalten. „China versucht, die heimische Wirtschaft von ihrem überwiegend kreditgetriebenen Wachstum zu lösen“, so Nikko-AM-Experte Mann. Es sei so schon schwierig genug, ein Wirtschaftsmodell von einem schuldenfinanzierten Wachstumspfad wegzulenken.

                                  Quelle: Internationale Währungsfonds

Die Administration in Peking soll sich bereits genötigt sehen, ihre Ziele für die Zunahme der Produktion nach unten zu korrigieren, will die Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungskreisen erfahren haben. Demnach peilt sie im laufenden Jahr einen Anstieg von 6,0 bis 6,5 Prozent an. „In den vergangenen zwölf Monaten hat sich das Wirtschaftswachstum von knapp 7,0 Prozent auf 6,4 Prozent verlangsamt“, weiß Tillmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Das ist in dem von Turbowachstum verwöhnten Schwellenland der schwächste Wert seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Verglichen mit den Expansionsraten in westlichen Industriestaaten handelt es sich jedoch um ein Jammern auf hohem Niveau. Zum Vergleich: Deutschland schraubte sein Bruttoinlandsprodukt 2018 lediglich um 1,5 Prozent nach oben. Es aber allein dem Zollkonflikt zuzuschreiben, dass der Drache an Dynamik einbüßt, hält Stefan Große für zu einfach. Auch hausgemachte zyklische und strukturelle Probleme spielen nach Ansicht des Analysten der Nord LB eine Rolle: „Während der Einzelhandel sich aktuell noch verhältnismäßig robust zeigt, gab es Einbußen bei den Investitionen und den Exporten.“

Steht nun die von Kritikern seit Langem befürchtete harte Landung des Überflieger-Schwellenlands bevor? Experten bezweifeln das. Denn die konjunkturellen Bremsspuren sind Chinas Verantwortlichen keineswegs entgangen. Und deren Reaktion erfolgte prompt und kompromisslos: Im zweiten Halbjahr 2018 habe die Regierung rigoros von Konsolidieren auf Wachstum fördern umgeschaltet, sagt J.P.-Morgan Experte Galler: „Sie hat die Geldpolitik gelockert und zahlreiche Steuererleichterungen für Private und Unternehmen verabschiedet, die einen kräftigen Schub für die verfügbaren Einkommen bringen.“ In einem Jahr könnten Galler zufolge nicht nur Chinesen zu dem Schluss kommen, dass sie „Schwein gehabt“ haben.

Das Ferkelrennen in Langmushui gewann übrigens das Tier mit dem orangenen Fell. Der Besitzer sah es als gutes Omen, bald in Wohlstand zu leben. Dabei kann auch ein Blick auf die Börse helfen: Trotz der Rückschläge 2018 konnten Anleger mit chinesischen Aktien auf Sicht von zehn Jahren ihr Kapital um 177 Prozent erhöhen, rund doppelt so stark wie mit weltweiten Titeln.

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