Arbeiter bauen an einem Erdgasventil in einer Förderstätte in South Montrose, Pennsylvania:  Jetzt spielen echtes Angebot und Nachfrage bei den Preisen wieder eine größere Rolle (Foto: Getty Images)

Arbeiter bauen an einem Erdgasventil in einer Förderstätte in South Montrose, Pennsylvania: Jetzt spielen echtes Angebot und Nachfrage bei den Preisen wieder eine größere Rolle (Foto: Getty Images)

Märkte: Aktien, Renten, Rohstoffe: Scheidung auf Zeit

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Es hätte so schön werden können. Mit dem California Public Employees Retirement System (Calpers) wollte einer der größten Pensionsfonds der Welt im großen Stil am Rohstoffmarkt mitmischen. Das kündigten die Manager im März 2008 an. Bis 2010 könne man sich vorstellen, die Investments auf 7,2 Milliarden Dollar zu versechzehnfachen.

Die Anlage brachte Calpers fässerweise Verluste. Auch die Hoffnung, Rohstoffanlagen könnten Risiken aus Aktienpositionen wirksam zerstreuen, erwies sich als falsch. Dabei lag doch die Korrelation zwischen Aktien- und Rohstoffpreisen bis dahin sogar zeitweise unter null. Minus 1 bedeutet den perfekten Gegenlauf zweier Anlagen, bei plus 1 bewegen sie sich identisch. Ein Gleichlauf war damals in keinem Fall zu erkennen.

Großanleger änderten das. Lag die Summe der Rohstoff-Futures 2003 noch bei 13 Milliarden Dollar, betrug sie Mitte 2008 – in der Spekulationsblase – 318 Milliarden Dollar. Die Anleger nutzten dieselben chartanalytischen und fundamentalen Modelle wie für Aktien. Die Korrelation schoss auf über 0,6 empor (Chart).




Das Beispiel zeigt, wie sehr Anleger durch ihr Verhalten die Märkte verändern. Am Höhepunkt der Finanzkrise sprangen die Korrelationen von Risikoanlagen zueinander – Aktien, Rohstoffe, Unternehmensanleihen, Hochzinspapiere – höher als je gedacht. Im Vergleich mit sicheren Papieren sanken die Kennziffern Richtung minus 1. Mischfondsmanager brauchten sich nur zwischen Risiko und Nicht-Risiko zu entscheiden (Risk-on oder Risk-off).

Das ist inzwischen anders. In einem bemerkenswerten Trend bewegen sich die Märkte wieder auseinander. Damit wird es nun wieder schwieriger, die richtigen herauszupicken. Die Asset Allocation ist wieder wichtig geworden.

Gründe sind insbesondere die Fundamentaldaten. Gold leidet unter verbesserten Wirtschaftsaussichten und der vorangegangenen Preisübertreibung. US Aktien kamen ebenso wie die Wirtschaft am schnellsten wieder aus den Startlöchern, jetzt ziehen europäische Aktien langsam nach. Bei Unternehmensanleihen war nach starken Jahren schlicht die Luft raus, und Aktien aus Schwellenländern litten unter enttäuschender Wirtschaft.

Die Rohstoffpreise indes sind nach dem destruktiven Besuch von Großanlegern wieder in der Normalität. So titelte „Spiegel Online“ im Februar „US-Firmen flüchten aus Rohstoffinvestments“ und führte als Beispiel ausgerechnet den Pensionsfonds Calpers an. Der hatte da schon seine Rohstoffanlagen auf 1,5 Milliarden Dollar zurückgefahren. Heute hat er gar keine mehr. Logisch, dass Rohstoffe sich damit wieder von Aktien lösen. Angebot und Nachfrage auf den echten Märkten fallen wieder ins Gewicht. Und hier hat vor allem das Angebot durch neue Fördertechniken und Minen zugenommen. Wie lange die Märkte getrennte Wege gehen, lässt sich schwer sagen. Mai und Juni zeigten eindrucksvoll, wie fragil Korrelationen sind. Als der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, laut darüber nachdachte, weniger oder gar keine Anleihen mehr am Markt kaufen zu wollen, klappten risikoreiche und -arme Märkte zugleich zusammen (Heft 09/2013). Das war eine Korrelationsspitze ganz neuer Qualität, bei der nur noch das Bankkonto schützte. Sonst nichts.

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