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Märkte nach US-Wahl Robeco: „Trump und die Folgen: Das erwartet Aktien- und Rentenanleger“

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Außenpolitik bereitet Sorgen

Zwar würden die unmittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen der Präsidentschaft von Trump auf die meisten Schwellenländer, außer Mexiko, relativ begrenzt bleiben. Doch besteht die große Sorge, dass Trump möglicherweise negativen Einfluss auf die US-Außenpolitik und damit auf die geopolitischen Verhältnisse insgesamt hat. Es gibt aber auch einen Silberstreifen am Horizont. US-Präsidenten sind nicht dafür bekannt, ihre Wahlzusagen einzuhalten und so könnten viele von Trumps extremen Wahlversprechen am Ende in der Praxis schwer umzusetzen sein. Angesichts einer republikanischen Mehrheit sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus, könnte sich dieser Hoffnungsschimmer jedoch als trügerisch erweisen.

Nach Brexit-Manier zeigen sich die Rentenmärkte unbeeindruckt

Mit Blick auf die Rentenmärkte können wir sagen: Trumps überraschender Wahlsieg fühlt sich wie eine Neuauflage des Brexit-Votums an. Interessant ist, dass das Brexit-Votum die Märkte stärker erschreckt hat als Trumps überraschender Wahlsieg; denn im Juni waren die Unternehmensanleihemärkte deutlich volatiler. Der Einzug eines neuen republikanischen Präsidenten ins Weiße Haus könnte längerfristig positiv für die US-Wirtschaft sein – zumindest behauptet Trump das. Es wird mehr Investitionen in Infrastruktur und eine stärkere Stimulierung durch die Finanzpolitik geben.

Dass Trump die Wahl gewonnen hat, heißt aber nicht, dass er tun und lassen kann, was er will. Trump wird mit dem Repräsentantenhaus und dem Senat verhandeln müssen, und in der Republikanischen Partei sind nicht alle mit der von ihm angekündigten Politik einverstanden. Diese Unsicherheit sollte sich in den Kreditrisikoaufschlägen widerspiegeln, was aber im Moment nicht der Fall zu sein scheint. Nach Meldungen über den erdrutschartigen Sieg der Republikaner reagierten die Unternehmensanleihemärkte verhaltener.

Kurzzeitige Reaktionen – langlaufende US-Staatsanleihen verbesserten sich

Der europäische Finanzsektor und [CDS-Teilindizes] entwickelten sich ähnlich wie Unternehmensanleihen und erhöhten sich um 5 beziehungsweise 15 Basispunkte. US-Banken reagierten ähnlich auf die leicht risikoaverse Stimmung an den Märkten. Die zugrundeliegenden Zinssätze reagierten bei Handelsbeginn zwar heftig, gaben ihre Gewinne aber schnell wieder ab. US-Staatsanleihen mit 10- und 30-jähriger Laufzeit verbesserten sich, und die Zinsstrukturkurven wurden steiler. In Europa und den USA gingen die Kurse am vorderen Ende der Kurve zunächst zurück, was sich auf die Gesamtrenditen an den Unternehmensanleihemärkten positiv auswirken wird – vor allem, wenn die Erhöhung der Kreditrisikoaufschläge eingedämmt wird. Wir gehen aktuell von begrenzten Auswirkungen für unseren in den USA stark positionierten Robeco High Yield Bonds-Fonds aus. Der Fonds ist in Europa im Vergleich zu den USA übergewichtet.

Unsere Positionierung in Europa könnte für den Fonds vorteilhaft sein, weil sich die Unsicherheit über Trumps Politik hauptsächlich auf die USA bezieht. In beiden Regionen liegt die Betonung bei der Positionierung auf Papieren höherer Qualität aus konsumnahen Sektoren. Es besteht ein Risiko, dass es in so genannten ‚Rust-Belt’-Sektoren eine Rally geben könnte, weil Trump kapitalintensive Branchen wie Stahl, Kohle, Energie und Versorgung unterstützt. Schwerer wiegt, dass Obamas Gesundheitsreform, die so genannte ‚Obamacare’, gefährdet ist.“

Unterschiedliche Reaktionen bei Staatsanleihen

Bei Staatsanleihen hat Trumps Wahlsieg unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Nach einer anfänglichen Rally kam es bei US-Staatsanleihen zu einer Verkaufswelle, während die Renditen deutscher Bundesanleihen unverändert blieben. Die Renditen auf Schwellenländeranleihen sind gefallen und die Währungen dieser Länder haben an Wert verloren, weil Trumps Wahlsieg negative Folgen für den Außenhandel haben dürfte.

Wir gehen davon aus, dass sich Trumps Sieg kurzfristig nur wenig auf die Geldpolitik auswirken wird. Dass die Republikaner nicht nur den Präsidenten stellen, sondern auch den Kongress kontrollieren werden, macht die Umsetzung von einigen der im Wahlkampf angekündigten finanzpolitischen Maßnahmen wahrscheinlicher. Dazu gehört eine Reduzierung der Einkommens- und Körperschaftsteuer sowie eine deutliche Erhöhung der Infrastrukturinvestitionen. Wie groß die tatsächlichen Wachstumsimpulse sein werden, bleibt abzuwarten. Es dürfte aber eine stärkere Stimulierung der Wirtschaft durch die Finanzpolitik geben. Dies kann über eine Erhöhung der Staatsschulden und dadurch, dass weniger Stimulierung durch die Geldpolitik erforderlich sein wird, den Renditen Auftrieb geben.

Das positive Argument für Staatsanleihen ist, das Trumps Sieg, so wie das Brexit-Votum, das Ereignisrisiko in der Politik unterstreicht, und sein auf Konfrontation angelegter Stil könnte in Zukunft zu höheren politischen Risiken führen. Insgesamt betrachten wir die Präsidentschaft Trumps als negativ für Anleihen und haben deshalb die Duration reduziert.

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