Es ist wenig verwunderlich, dass die beeindruckende Kursentwicklung der großen Technologieaktien von den Investoren bisher als Segen empfunden wurde. In der jüngeren Zeit mehren sich jedoch kritische Stimmen, die vor einem immer höheren Konzentrationsrisiko für die Anleger warnen.

Stellten die zehn größten US-Unternehmen vor zehn Jahren noch einen Anteil von 14 Prozent am S&P 500, so ist dieser Anteil inzwischen durch die enorm angestiegene Marktkapitalisierung der „Sieben“ auf mehr als ein Drittel gewachsen. Dieses höhere Gewicht beinhaltet naturgemäß auch ein höheres, konzentriertes Rückschlagrisiko.

Derzeitige hohe Konzentration nicht beispiellos

Laut einer Analyse von Morgan Stanley ist die derzeitige hohe Konzentration im historischen oder globalen Vergleich nicht beispiellos. Untersuchungen der Finanzprofessoren Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton zeigen, dass die zehn größten Aktien in den 1930er und frühen 1960er Jahren etwa 30 Prozent des US-Aktienmarktes ausmachten und im Jahr 1900 etwa 38 Prozent.

„Der Aktienmarkt war beispielsweise in den späten 1950er und frühen 60er Jahren genauso konzentriert (oder sogar noch stärker), eine Zeit, in der es den Aktien gut ging", so John Rekenthaler, dessen Forschung die US-Kapitalmärkte seit 1958 untersucht. Er stellte dabei fest, dass in Phasen großer Marktabstürze diese im Allgemeinen nicht mit einer Aktienkonzentration verbunden gewesen waren.

 

Laut Morgan Stanley war der US Markt Ende 2023 im Vergleich zu den zwölf größten Aktienmärkten der Welt am viertstärksten diversifiziert – besser als der der Schweiz, Frankreichs, Australiens, Deutschlands, Südkoreas, des Vereinigten Königreichs, Taiwans und Kanadas. Man sollte sich daher folgendes verdeutlichen: Konzentration ist ein Merkmal von nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes. Diese Indizes belohnen Gewinner und bestrafen Verlierer.

Die Magnificent Seven sind die profitabelsten Unternehmen der Welt

Der Grund, warum die „Magnificent Seven“ so gut abgeschnitten haben, ist, dass dies die profitabelsten Unternehmen der Welt sind. Sie stehen an der Spitze der transformativen Technologien, insbesondere der KI. Aber das Entscheidende ist, dass diese Unternehmen in einer Zeit, in der Wachstum nur schwer zu finden ist, viel davon bieten. Und die Anleger sind bereit, dafür zu zahlen.

Wie steht es mit Vergleichen zur Dot-Com-Ära? Die Aktien an der Spitze tragen einen weitaus größeren Teil zu den Gewinnen des S&P 500 bei als in den 1990er Jahren. Auch Eigenkapitalrenditen und Cash Flow der heutigen Technologieführer sind viel höher und rechtfertigen damit eher die hohen Bewertungen.

 

Aber was ist, wenn es eine große Korrektur bei den „Magnificent Seven“ gibt? Es hat bereits eine solche Korrektur gegeben. 2022 fiel Nvidia von etwa 292 US-Dollar zu Beginn des Jahres auf 112 US-Dollar im Oktober desselben Jahres, ein Rückgang von 62 Prozent. Die anderen „Magnificent-Seven“-Aktien hatten damals ebenfalls sehr große Kursverluste.

Die KI-Revolution ist sehr real

Natürlich kann sich das jederzeit wiederholen. Aber die KI-Revolution ist sehr real. Der Umsatz von Nvidia verdreifachte sich in den letzten zwölf Monaten. Die Gewinne stiegen um 800 Prozent. Das ist eine sehr reale Revolution.

Man mag sich darüber Sorgen machen, aber die Konzentration war ein Segen für Indexanleger und für US-Anleger im Allgemeinen. Bekanntlich ist der Großteil der Kursgewinne des letzten Jahres auf eine kleine Zahl von Aktien, vor allem aus dem Technologiesektor zurückzuführen. Anleger, die den S&P 500 besitzen, müssen sich diese Gewinner nicht aussuchen; sie können einfach teilhaben.

Der US-Aktienmarkt, der vor kurzem noch etwa 40 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ausmachte, macht jetzt etwa 50 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung aus. Weltweit wurden Anleger, die in breit gestreute Indizes (MSCI World, S&P 500) investiert haben, für ihr „Konzentrationsrisiko“ reichlich belohnt.


Über den Autor:

Bernd Hashemian ist Vorstand der Kroos Vermögensverwaltung AG in Münster.