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Main-First-Manager Frank Schwarz über Gewinner-Aktien bis 2020 „Dank Star Wars hat Disney noch viel Potenzial“

Frank Schwarz, Manager des Main First Global Equities
Frank Schwarz, Manager des Main First Global Equities
DER FONDS: Sie sind mit dem Main First Global Equities eigener Aussage zufolge auf der Suche nach den Anlagechancen von übermorgen. Agieren Sie dabei ganz im Sinne André Kostolanys –Firmen mit Potenzial kaufen, Schlaftabletten nehmen und in fünf Jahren erfreut feststellen, was Schönes daraus geworden ist?

Frank Schwarz: Dies wäre nicht die schlechteste Strategie. Aber noch besser ist es, die Themen und Einzelaktien fortlaufend dahingehend zu untersuchen, ob die Investment-These noch intakt ist oder ob sich sogar eine noch bessere Konkurrenz-Technologie durchsetzt.
 
Wie identifizieren Sie denn zukunftsträchtige Anlagetrends?

Wir beschäftigen uns hauptsächlich damit, wie die Welt in fünf, zehn oder 20 Jahren aussehen wird. Wir analysieren zum Beispiel, wie sich die Strom-Industrie in den kommenden Jahren verändert. Die Wind- und Solarkraft-Branche dürfte von fallenden Kosten bei der Produktion von Strom aus regenerativen Energien profitieren, weil sich technologische Verbesserungen und Skaleneffekte bei der einsetzenden Massenproduktion immer stärker bemerkbar machen. Vor diesem Hintergrund haben sich die Aktienkurse von Windturbinenherstellern wie Nordex oder Vestas vervielfacht.

Wo hat die entsprechende Analyse seit der Auflegung des Fonds vor knapp drei Jahren ähnlich gute Ergebnisse gebracht?

Bei Facebook haben wir früh erkannt, dass die Werbeumsätze auf dem Smartphone viel größer sind als auf dem PC. Der Kurs der Aktie hat sich dadurch verdreifacht. Im Gesundheitsbereich waren wir mit unseren Investitionen in Gilead und Fresenius sehr erfolgreich. Gilead profitierte von der Einführung von Produkten für Hepatitis-C-Erkrankungen, die allein im Jahr 2015 zu Umsatzerlösen von 14 Milliarden US-Dollar führten. Fresenius zeigt stabile Wachstumsraten in den Geschäftsbereichen Dialyse, Infusionen sowie Krankenhausbetrieb. Zudem hat der Aufstieg in den Euro Stoxx 50 der Aktie zusätzlichen Schub gegeben.
 
Und wo haben Sie sich auch mal gründlich geirrt?

Bei der Auflage des Fonds waren wir nicht in japanischen Aktien investiert. Wir hatten die Dynamik des Wirtschaftsprogramms unterschätzt, das der 2012 gewählte Ministerpräsident Shinz? Abe auf den Weg gebracht hat. Als sich der Erfolg der Maßnahmen abzeichnete, haben wir allerdings zeitweise bis zu 22 Prozent des Fondsvermögens in japanische Firmen wie Fanuc, Keyence, Hoya und Daikin Industries investiert. Davon hat der Fonds insbesondere im ersten Quartal 2015 profitiert. Anschließend haben wir den Japan-Anteil aber wieder auf aktuell 5 Prozent reduziert.

Derzeit bevorzugen Sie vor allem zyklische Konsumgüter und Tech-Titel. Wo liegt da die Fantasie, und welche Unternehmen gefallen Ihnen besonders gut?


Wir sehen eine massive Verlagerung der Daten in die Cloud. Von dieser Entwicklung profitiert Amazon Web Services am stärksten. Die Verwertung der gesammelten Daten für E-Commerce und Werbung wird ebenfalls stark zunehmen. Davon profitieren Google und Facebook. Neben den Technologieaktien gefallen uns globale Marken wie die Kreuzfahrtgesellschaft Carnival, die vom stark gefallenen Ölpreis und der Neuaufnahme von Kuba als Reiseziel profitiert. Auch Disney schreiben wir angesichts des Erfolgs des neuen Star Wars-Films großes Potenzial im Merchandising-Bereich zu, das unserer Meinung nach bislang unterschätzt wird. Auch Nike mögen wir: Der Sportartikel-Hersteller profitiert vom anhaltenden Fitness-Trend und hat insbesondere in Europa und China deutlich Marktanteile hinzugewonnen.

Stichwort Elektromobilität – wie positionieren Sie sich in diesem von Umbrüchen gekennzeichneten Sektor?


Durch die Einführung der Massenproduktion bei Batterien werden sich die Preise stark reduzieren. Eine ähnliche Entwicklung haben wir in den vergangenen Jahren bei Halbleiter-Chips und Solarzellen gesehen. Daher ist es nur eine Frage, wann und nicht ob das Fahren mit Elektroautos billiger wird als mit dem Verbrennungsmotor. Tesla könnte davon profitieren, aber die Aktie ist ein sehr riskantes Investment. Weniger riskante Anlagealternativen sind Zulieferer wie Valeo und Continental. Diese profitieren zusätzlich auch von der Weiterentwicklung des autonomen Fahrens. Auch dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren durchsetzen.

Was tut sich in der Industrie und im Gesundheitswesen?

Der Einsatz von Robotern wird durch fallende Kosten und steigende Stundenlöhne weiter zunehmen. Firmen wie Keyence sind hier gut aufgestellt. Daneben werden auch Windturbinen-Hersteller wie Vestas und Nordex sowie Flugzeugmotorenhersteller wie Safran vom starken Cash Flow der langfristigen Wartungsverträge profitieren – alles übrigens Top Ten-Positionen im Fonds. Im Gesundheitsbereich sehen wir angesichts der ungesunden Ernährungsweise der Bevölkerung einen weiteren starken Anstieg bei Diabetes und Nierenwäsche. Novo Nordisk und Fresenius bieten dafür Lösungen an. Unter der zunehmenden Nutzung von Smartphones leiden die Augen. Brillenhersteller wie Essilor werden davon profitieren. Beide Trends zeichnen sich insbesondere in Asien besorgniserregend ab.

Nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2015 hat Ihr Fonds seit Anfang Januar mehr als 11 Prozent an Wert verloren. Gehört hohe Volatilität zu Ihrer Strategie dazu?

Der Fonds hat im vergangenen Jahr 34,1 Prozent hinzugewonnen und damit den Markt um 23,5 Prozentpunkte geschlagen. Dies bedeutet auch, dass wir in viele Gewinneraktien investiert sind. In der aktuellen Korrekturphase ist es verständlich, dass einige Marktteilnehmer hier verstärkt die Gewinne realisieren. Für uns ist es wichtig, dass die zugrundeliegenden Trends intakt sind; dann werden unsere Aktien auch wieder profitieren.

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