Mainfirst-Fondsmanager im Interview „Wir wollen familiengeführte Unternehmen ins Portfolio holen“

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Welche wirtschaftlichen Entwicklungen wie Handelskriege, Ölpreis, Notenbanken etc. sollten Investoren im Blick behalten? 

Meier: Wichtig wird das weitere Vorgehen der Notenbanken sein. Wir rechnen damit, dass das strukturelle Niedrigzinsumfeld langfristig bestehen bleibt. Unter anderem hat die Fed bereits signalisiert, weitere Zinserhöhungen zu verschieben. Auch der Handelskrieg zwischen China und den USA sollte weiter im Blick von Investoren bleiben. Nach wie vor überschattet diese Entwicklung den Kapitalmarkt wie eine dunkle Wolke. Allerdings ist vielleicht Licht am Ende des Tunnels zu erkennen – beide Seiten scheinen an einer Lösung interessiert zu sein. Donald Trump würde gerne aus einer starken Position heraus in den Vorwahlkampf gehen, China möchte seine Wirtschaftstransformation zu höheren Wertschöpfungsketten weiterführen.

Wie optimistisch sind Sie für die konjunkturelle Entwicklung?

Meier: Wir sind generell optimistisch. Wir halten die Rezessionsängste, insbesondere jene von Ende 2018, für übertrieben. Zwar gibt es eine gewisse Abkühlung der Weltkonjunktur, allerdings besteht nach wie vor ein moderates Wachstum.

Wie können Sie in Ihrem Portfolio auf Abschwünge reagieren und diese dämpfen? 

Meier: Bei der Auswahl unseres Portfolios verfolgen wir eine Barbell-Strategie, also eine Balance zwischen zyklischen und defensiven Branchen. Das hilft, Abschwünge zu dämpfen. Darüber hinaus halten wir einen hohen Anteil an oftmals familiengeführten klein- und mittelgroßkapitalisierten Unternehmen. Diese zeichnen sich zumeist durch eine langfristige Ausrichtung, starke Bilanzen und eine hohe Profitabilität aus.

Welche Titel, Branchen und Regionen haben zuletzt am meisten zur Performance beigetragen?

Meier: Der überproportionale Abverkauf bei klein- und mittelgroßkapitalisierten Gesellschaften, insbesondere zyklischer und exportorientierter Firmen, konnte eine Werterholung aufweisen. Wir haben die volatile Phase zum Ende des vergangenen Jahres genutzt und selektiv Zukäufe getätigt.

Welche werden dies in Zukunft leisten?

Meier: Für die Zukunft setzen wir insbesondere „auf familiengeführte Unternehmen“. Diese zumeist klein- und mittelgroßen Unternehmen zeichnen sich durch ein hohes Potenzial für starkes Wachstum aus. Dieses entsteht durch Nischenspezialisierungen und eine hohe Flexibilität in der Geschäftsausrichtung sowie der Wahrnehmung von Chancen.

Eine Ihrer Thesen lautet, Deutsche hätten ein massives Renditeproblem. Erklären Sie das bitte!

Meier: Unsere These lautet: Die Realrenditen in Deutschland lassen Vermögen schmelzen. Bei anhaltendem Niedrigzinsumfeld in Kombination mit einer erwarteten Inflationsrate von 1,7 Prozent, braucht es eine entsprechende Ausrichtung des Portfolios. Allerdings machen 77 Prozent der deutschen Vermögensallokation Bargeld, Versicherungen, Altersvorsorge und ähnliche Anlagen aus. So werden sie im Durchschnitt auf eine negative Realrendite kommen und im vorherrschenden Zinsumfeld ihre Sparziele nicht erreichen können.

Wie lautet die Lösung des Renditeproblems?

Meier: Einen möglichen Ausweg aus dem Niedrigzinsumfeld sehen wir in einem stärkeren Engagement in Dividendenaktien, also in Dividenden statt Zinsen. In den vergangenen Jahren sind die Ausschüttungsquoten konstant gestiegen und auch für das aktuelle Jahr rechnen wir mit ähnlichen Entwicklungen. Um eine Zahl heranzuziehen: Im Jahr 2018 haben Dividendenausschüttungen erstmalig die Grenze von 50 Milliarden Euro überschritten. Um langfristig von hohen Ausschüttungen profitieren zu können, empfehlen wir hochqualitative Aktien mit robusten Geschäftsmodellen.

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