Makler-Steckbrief des MonatsFrancescoJäger:„InderKrisezeigtsichderWertdeinesNetzwerks“
DAS INVESTMENT Versicherungen stellt einmal im Monat spannende Jungmakler per Fragebogen vor. Dieses Mal: Francesco Jäger aus Hamburg.
DAS INVESTMENT Versicherungen stellt in Zusammenarbeit mit dem Maklerpool Netfonds junge Makler unter 45 Jahren einmal im Monat vor.| Bildquelle: Francesco Jäger/ erstellt mit Canva von Ann-Christine Tinsz
Werdegang: ab 2010 Ausbildung Kaufmann für Versicherungen und Finanzen bei der Allianz, danach Übernahme einer Allianz-Hauptagentur, 2015 bis 2021: Haupt- und Generalagentur (Signal Iduna), 2020: Gründung Faktor Mensch (Plattform für Gesundheitsmanagement), 2021: Gründung der Noli GmbH, 2025: Gründung Private Health Club (bKV-Pool und Netzwerk für Makler).
Wechselmotivation in die Branche
Was war der ausschlaggebende Moment, der Sie dazu bewegt hat, von der Ausschließlichkeit in die Maklertätigkeit zu wechseln? Welche drei Dinge haben Sie vermisst, die Sie jetzt schätzen?
Ich komme ganz klassisch aus dem Ausschließlichkeitsvertrieb. Rückblickend war diese Zeit für meine persönliche Entwicklung als junger Berater enorm wichtig und richtig. Der Wendepunkt kam mit dem Wunsch nach echter unternehmerischer Weiterentwicklung. Ich wollte verstehen: Wie funktioniert eine GmbH wirklich? Wie baut man Investorenstrukturen auf?
Und: Ich wollte mich spezialisieren – weg vom Bauchladen hin zur Geschäftsführer- und Mitarbeiterversorgung. Auch die Freiheit, meine Werbung und Außenwirkung komplett selbst zu gestalten, war ein essenzieller Baustein.
In der Maklerschaft fielen die gewohnten Leitplanken weg, was herausfordernd war, mir aber die Freiheit gab, mich als Berater neu zu erfinden. Im Vergleich zu meinem besten Jahr in der Ausschließlichkeit konnte ich mein Geschäft in den letzten fünf Jahren als Makler fast verzehnfachen.
Wie haben Familie und Freunde auf Ihre Entscheidung reagiert, Makler zu werden? Und wie hat sich Ihr Bild der Branche verändert?
Ehrlich gesagt waren Freunde und Familie wenig involviert, da sie sich unter dem Schritt kaum etwas vorstellen konnten. Natürlich kam aus dem engen Umfeld die klassische Frage: „Was ist sicherer?“ Das ist menschlich.
Meine Frau fragte pragmatisch: „Wo bleibt am Ende mehr übrig?“ Und da muss man ehrlich sein: In den ersten Jahren wäre die Ausschließlichkeit finanziell bequemer gewesen. Bestandsprovisionen und Zuschüsse sorgen dort für ein verlässliches Grundrauschen. Als Makler startet man bei null – finanziert jeden Mitarbeiter und jede Struktur selbst. Bis der Overhead durch den eigenen Bestand gedeckt ist, dauert es. Heute weiß ich durch erste Anteils- und Bestandsverkäufe, dass man echte Unternehmenswerte schafft, die weit über das monatliche Einkommen hinausgehen.
Geschäftsmodell als Makler
Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell und was ist Ihr USP? Worauf legen Sie in der Beratung besonderen Wert?
Lange habe ich nach einem echten USP gesucht, denn „Junges Team macht Allfinanz“ ist kein Alleinstellungsmerkmal. Durch die Spezialisierung auf die Geschäftsführer- und Mitarbeiterversorgung hat sich unser Modell bei Noli geschärft. Wir nennen uns „Versicherungs-Concierge“.
Wir lösen Probleme für unsere Kunden – meist junge Gründer und Start-ups – auch wenn wir sie fachlich nicht selbst abdecken. Dafür nutzen wir ein Netzwerk aus spezialisierten Partnermaklern, Steuerberatern und Anwälten. Der Kunde hat theoretisch nur einen Ansprechpartner, bekommt aber immer Spezialisten-Qualität.
Zusätzlich habe ich die Marke Private Health Club gegründet. Hier schulen wir andere Makler im Bereich der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) und geben ihnen alles an die Hand, um in diesem Wachstumsmarkt erfolgreich zu sein.
Was war Ihre größte unternehmerische Herausforderung als Makler und wie haben Sie sie gemeistert?
Meine größte Herausforderung war ganz klar das Jahr 2024. Es kam alles zusammen: ein Systemwechsel im Bestand, Umstrukturierungen in der Gesellschafterebene und über 100.000 Euro Storno in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Ausgelöst wurde das durch „Blitzeinschläge“ bei großen Kollektiven, wie Insolvenzen oder Geschäftsführerwechsel.
Im dritten Jahr als Makler war das eine unternehmerische Nahtoderfahrung. Wir mussten massiv gegensteuern, um unseren Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern und Gläubigern nachzukommen. In diesem Moment entschied ich mich bewusst gegen Verkauf oder Aufgabe. Stattdessen traf ich harte Entscheidungen: Ich musste für einige Mitarbeiter neue Jobs im Markt finden, die Finanzen radikal umstrukturieren und Prozesse straffen.
Dank der schnellen Unterstützung der Netfonds-Gruppe bei der Provisionsbearbeitung und der Loyalität meines Netzwerks haben wir uns zurückgekämpft. 2025 wurde unser bestes Jahr beim Umsatz überhaupt und das mit weniger Personal. Heute stehen wir gesünder da als je zuvor. Die Lektion: In der Krise zeigt sich der Wert deines Netzwerks. Wer vorher fair und auf Augenhöhe agiert hat, bekommt Hilfe, wenn er sie braucht.
Wenn Sie Ihr Geschäft in fünf Jahren betrachten – wo sehen Sie die größten Wachstumschancen?
Ganz klar in der Schärfung meiner Personal Brand im Bereich Mitarbeiter- und Geschäftsführerversorgung sowie in der bKV. Sie ist für mich der Wachstumsmarkt der Versicherungsbranche in den kommenden Jahren. Ich sehe riesiges Potenzial sowohl im Endkundengeschäft mit Noli als auch im B2B-Bereich, wo ich über den Private Health Club und Netzwerke andere Makler befähige, dieses Feld zu besetzen.
Zusammenarbeit mit Netfonds
Warum haben Sie sich für Netfonds entschieden und welche Dienstleistungen nutzen Sie am intensivsten?
Ich habe mich für die Netfonds-Gruppe entschieden, weil hier das Menschliche stimmt. Pools gibt es viele, aber bei Netfonds wird Partnerschaft freundschaftlich und familiär gelebt. Das Gesamtpaket aus Provisionsmodellen, Software und vor allem den Menschen, die wirklich daran interessiert sind, uns als Unternehmer erfolgreich zu machen, hat mich überzeugt. Meine Geschichte von 2024 beweist, dass diese Unterstützung nicht nur Marketing ist, sondern auch in Krisenzeiten trägt.
Wo wünschen Sie sich noch mehr Unterstützung?
Die Zusammenarbeit ist bereits maximal intensiv. Das Einzige, was wir optimieren können, ist das Volumen: Einfach noch mehr gemeinsames Geschäft als Noli bei Netfonds einzureichen. Alles andere läuft bereits genauso, wie ich es mir vorstelle.
Aktuelle Branchenthemen
Wie sehr belastet das Thema Regulierung Ihre Arbeit?
Ich empfinde das gar nicht als Belastung. Letztlich sind Regularien dazu da, uns Makler und vor allem die Kunden zu schützen und die Qualität im Markt zu erhöhen. Ich sehe das positiv. Wichtig ist, dass wir uns fragen, wie wir die Umsetzung optimieren können. Hier sind moderne Tools, KI und Automatisierung der Schlüssel, um Protokollierung und Prozesse effizient zu gestalten.
Wie stark setzen Sie bereits KI und Automatisierung ein?
Wir nutzen KI ganz pragmatisch für tägliche Aufgaben wie E-Mails, Texterstellung oder den schnellen Vergleich von AGBs.
Strategisch setzen wir beim Private Health Club massiv auf KI, um eine automatisierte bKV-Plattform aufzubauen. Ich glaube, die Zukunft bringt noch viel mehr: automatisierte Schadenanzeigen, E-Mail-Strecken und schlankere Prozesse. Als junges Unternehmen ist Automatisierung für uns nicht wegzudenken, um skalierbar zu bleiben.
Sehen Sie Alternativen zum provisionsbasierten Vertrieb?
Wir sind immer offen für Alternativen, aber ich breche eine Lanze für die Abschlussprovision. Gerade für junge, wachsende Unternehmen ist sie essenziell, um Liquidität für Marketing und Personalaufbau zu generieren. Ein laufender Bestand, der die Kosten deckt, entsteht nicht über Nacht.
Natürlich sollten wir langfristig mehr auf ratierliche Modelle setzen – das tun wir auch schon, wo es passt. Auch Honorarberatung bieten wir an, etwa in einem erfolgreichen Konzept mit der Allianz. Aber oft ist das Honorar für den Kunden eine Hürde. Am Ende macht es der gesunde Mix. Man darf aber nie vergessen: Provision ist geliehenes Geld aus der Zukunft – Stornorisiken sind real, wie ich schmerzhaft gelernt habe.
Spielt Nachhaltigkeit bei Ihren Produktempfehlungen eine Rolle?
In 15 Jahren wurde das Thema genau ein einziges Mal von einem Unternehmen proaktiv gefordert. Wir haben die Tools und Konzepte in der Schublade, wenn es gewünscht wird. Aber solange der Kunde nicht danach fragt, ist es in der Geschäftsführerversorgung aktuell kein dominantes Thema.
Persönliches
Sind Sie privat über- oder unterversichert? Und gibt es eine Versicherung, die Sie als Makler selbst nicht abschließen würden?
Ich bin sehr gut versichert, aber es gibt immer einen blinden Fleck. Ich habe jahrelang ambitioniert American Football gespielt und mich einmal schwer am Knie verletzt. Und ausgerechnet als Versicherungsmakler hatte ich keine Unfallversicherung. Das war, gelinde gesagt, unklug.
Es zeigt aber, dass ich ein risikofreudiger Typ bin, der sich tendenziell eher um andere kümmert als um sich selbst. Die Konsequenz daraus: Ich habe meine eigene Beratung in die Hände eines befreundeten Maklers gegeben. Ich brauche den Blick von außen, um so gut beraten zu sein, wie es meine Kunden bei mir sind.
Welches Risiko in Ihrem Privatleben würden Sie am liebsten an eine Versicherung weitergeben, wenn es dafür eine Police gäbe?
Tatsächlich fällt mir hier spontan keines ein. Ich scheine mit meinem aktuellen Risiko-Setup im Reinen zu sein.
Wenn Sie einen Tag lang Versicherungen für Superhelden verkaufen dürften – welcher Held bräuchte welchen Schutz?
Ich würde mir Batman vorknöpfen. Abgesehen davon, dass er unfassbar viel teuren Besitz hat, den man versichern müsste, wie das „Batmobil“, bin ich überzeugt: Der Mann braucht dringend eine Risikolebensversicherung und eine sehr, sehr gute Unfallversicherung. Bei seinem Lebensstil ist das grob fahrlässig ohne.
Bastian Hebbeln ist ausgebildeter Industriekaufmann und studierter Diplom-Ökonom. Nach einem Volontariat bei den Tageszeitungen des Schleswig-Holsteinischen-Zeitungsverlags, arbeitete er viele Jahre in der PR. Im Juli 2023 wechselte er als Redakteur zu DAS INVESTMENT. Schon seit mehreren Jahren liegt sein Schwerpunkt auf Themen der Versicherungswirtschaft. Dabei kümmert er sich vor allem um eine enge Vernetzung mit der Branche, den persönlichen Kontakt zu Vermittlern und neue inhaltliche Formate.
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