Makroperspektiven von Eyb & Wallwitz Amerikanische oder europäische Aktienmärkte – wer macht das Rennen?

Ernst Konrad, Geschäftsführer bei Eyb & Wallwitz: „Sollte es zu einer Kurskorrektur kommen, werden sich amerikanische Aktien erneut als der vermeintlich sicherere Hafen erweisen.“ | © Eyb & Wallwitz

Ernst Konrad, Geschäftsführer bei Eyb & Wallwitz: „Sollte es zu einer Kurskorrektur kommen, werden sich amerikanische Aktien erneut als der vermeintlich sicherere Hafen erweisen.“ Foto: Eyb & Wallwitz

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Lehman-Pleite wird zur Zeit viel über die Ursachen und Lehren aus der Finanzkrise geschrieben. Konsens ist, dass sich die USA schneller und besser erholt haben als die meisten anderen Länder. Dies spiegelt sich auch in der relativen Wertentwicklung der Aktienmärkte einzelner Länder oder Regionen wider. Zwar hat sich beispielsweise der DAX seit März 2009 immerhin mehr als verdreifacht. Dieser Anstieg verblasst allerdings gegenüber den +400% des S&P 500 oder gar den mehr als +600% amerikanischer Technologiewerte.

Eine derartige Outperformance amerikanischer Aktien hat es in der Historie immer wieder gegeben, zuletzt zwischen 1988 und 2000 (vgl. Grafik 1). Auch damals spielten Technologiewerte eine große Rolle. Deren überdurchschnittliche Wertentwicklung kam allerdings mit dem Platzen der „Dot.com“-Blase zu einem jähen Ende. Auch wenn die aktuelle Situation kaum mit der damaligen vergleichbar ist – die meisten Technologiewerte verfügen inzwischen über satte Gewinne und nicht nur hohe „Click“-Raten- lohnt sich doch ein Blick auf die Ursachen hinter der besseren Wertentwicklung amerikanischer Aktien. Besonderes Augenmerk wollen wir dabei auf die Entwicklung in diesem Jahr legen.

Grafik 1: America First nicht erst seit Donald Trump

Die Ursachen:

1. Überragende Gewinnentwicklung

Aktienkurse und Unternehmensgewinne bewegen sich meist in synchronen Zyklen. Zwar können auch andere Einflussfaktoren wie z.B. niedrige Zinsen oder ein gesteigerter Risikoappetit für Kauflaune sorgen. Aber ohne die „Unterfütterung“ mit Unternehmensgewinnen ist eine derartige Phase auch schnell wieder vorbei.

Seit dem Ende der Finanzkrise und dem Tiefpunkt der Aktienmärkte im März 2009 ragt die Gewinndynamik in den USA (+175%) und insbesondere im Technologiesektor (+330%) heraus. Im Vergleich hierzu entwickelten sich die Gewinne von Unternehmen außerhalb der USA, in den Schwellenländern und vor allem in der Eurozone eher enttäuschend (vgl. Grafik 2). Neben dem bereits vor der Finanzkrise geringeren Anteil der Technologieunternehmen am „Gewinnkuchen“ sind gerade europäische Finanzwerte im Vergleich zu ihren amerikanischen Mitbewerbern immer noch deutlich von dem Gewinnniveau der ersten Hälfte der 2000er-Jahre entfernt.

Grafik 2: Deutliche Divergenz zwischen den USA und dem Rest der Welt …

Dass in diesem Jahr im Grunde nur die US-Börse die Anleger erfreuen konnte, ist angesichts der stark divergierenden Gewinnentwicklung (vgl. Grafik 3) im Rückblick also nicht wirklich überraschend.

Grafik 3: …hält auch in diesem Jahr an