Ein Dienstagabend, kurz vor 20 Uhr, es ist der Jahrestag von Malte Herbst. Er steht gemeinsam mit seiner Freundin vor einem gehobenen Restaurant. Drinnen: zwei besetzte Tische, sonst niemand. Er fragt sich: „Will ich jetzt der dritte Tisch im Restaurant sein, oder fühlt man sich dann ein bisschen unwohl?“, sagt Herbst. „Man spricht ja dann automatisch leiser.“

Die beiden gehen trotzdem rein. Und während andere im halbleeren Saal die Ruhe genießen, rechnet Herbst. Er hat eine Banklehre bei der Sparkasse absolviert, der Vater war jahrelang in der Gastronomie tätig und danach in der Lohnbuchhaltung für Spitzenrestaurants: Die Prägung sitzt. „Jeder Tisch ist ja im Grunde genommen für ein Restaurant entgangener Umsatz", sagte Herbst im Podcast „For Professional Investors Only“.

In derselben Nacht entsteht die Idee zu Hidden Table. Die App vermittelt kurzfristig freie Plätze in gehobenen Restaurants. Man erhält dort keinen Rabattcode wie bei Groupon, sondern ein fertiges Menü zum festen Preis. Denn Sterneköche fürchten wenig so sehr wie den Preisverfall ihrer Marke. Minus 30 Prozent auf die gesamte Karte? Undenkbar. Ein kuratiertes Menü dagegen verkauft sich.

Die Rechnung dahinter ist einfach. Die Fixkosten des Abends zahlen die regulär reservierten Gäste. Wer über Hidden Table dazukommt und vorab bezahlt, ist laut Herbst „nahezu 100-prozentiger Zusatzgewinn“. In anderthalb Jahren kamen laut eigener Aussage mehr als 80.000 App-Nutzer und über 15.000 vermittelte Gäste zusammen, in Hamburg, Berlin, München, Düsseldorf und Köln. Österreich folgt, auch Frankfurt ist in Planung.

Dass daraus zunehmend ein Markt wird, liegt auch an den Köchen selbst. Die Sterneküche hat ihre Etikette abgelegt, sagt Herbst: Niemand schreibe mehr ein Sakko vor, niemand müsse sich für die Frage schämen, wofür das dritte Besteckteil gut ist.

Nur wackelt die Branche. „Angeknickst“ nennt Herbst sie. Gäste überlegen länger, vergleichen härter, gehen seltener aus aufgrund von gestiegenen Energiepreisen, Inflation und Jobängsten.

Hören Sie den Podcast kostenlos

Geld verdient Hidden Table über Provisionen. Dazu sollen Statistiken für Gastronomen kommen, bessere Plätze in der App, ein Marktplatz für Gewürze und Kochbücher. Langfristig zielt Herbst auf Reisen, immerhin seien viele Spitzenrestaurants in Hotels. Sein Vergleich: Secret Escapes, nur eben für Restaurants statt ausschließlich Hotels.

Dafür braucht er zum ersten Mal fremdes Geld. Vor einiger Zeit saß er schon einmal mit einem Business Angel beim Notar, dann sagte Herbst in letzter Minute ab. Er wollte sich ab Tag eins von niemandem reinreden lassen. Die Anwaltskosten dieser Runde nennt er heute seinen teuersten Gründerfehler. Jetzt sucht er 1,5 Millionen Euro, ausgerechnet in einem Markt, der sein Kapital fast geschlossen Richtung KI schiebt. Eine Bewertung für Hidden Table nennt er nicht.

Wie genau das Business mit den leeren Restauranttischen funktioniert, welche Fehler gemacht wurden und worauf Malte Herbst jetzt setzt, darüber spricht er im Podcast „For Professional Investors Only“.