Ralf Vielhaber

Ralf Vielhaber

„Man versteht heute als Laie, was die Bank empfiehlt“

DAS INVESTMENT.com: Beim diesjährigen „Fuchsbriefe-Test“ haben Sie rund hundert Groß- und Privatbanken, Vermögensverwalter und Family Offices geprüft. Sind die Institute im Jahr nach der Krise besser vorbereitet, auch in komplexen Vermögensfragen sinnvolle Anlagevorschläge zu machen (Fuchsbriefe-Test 2009: "Schweizer vorn beim Test der besten Vermögensmanager")?

Ralf Vielhaber: Der Fall war in diesem Jahr gar nicht komplex. Ein Allerweltsfall: Der Kunde mit einem Vermögen von 1 Million Euro will sein Vermögen so anlegen, dass nach zehn Jahren keine Verluste anfallen, sondern ihm rund 2 Prozent Rendite bleiben. Zusatzbedingung: Das Geld soll nachhaltig, also sozial- und umweltverträglich angelegt werden. 50.000 Euro sollen in Gold fließen.

DAS INVESTMENT.com: Keine unlösbare Aufgabe.

Vielhaber: Sie wird aber schon schwieriger, wenn der Kunde erklärt, was er mit 2 Prozent meint. Eine Frage, die übrigens nicht alle gestellt haben.

DAS INVESTMENT.com: Also?

Vielhaber: 2 Prozent nach Verwaltungskosten und Inflation. Das entspricht einer Bruttorendite von 6 bis 7 Prozent. Dazu brauchen Sie auch ein bisschen Risiko im Portfolio. Umso erstaunlicher, dass viele Institute, insbesondere die Österreicher, die Wünsche stets mit einem konservativen Kundenprofil gleichgesetzt haben.

DAS INVESTMENT.com: Waren sie denn offen für den wenig konservativen Wunsch nach sozialverträglichen Investments?

Vielhaber: Überraschenderweise standen die meisten Institute dem sogenannten Socially Responsible Investing, kurz SRI, skeptisch gegenüber. Viele waren sogar offen ablehnend. Unter anderem war von Grünzeug die Rede. Es dominiert die Meinung, ein SRI-Ansatz erhöhe das Risiko und senke die Rendite.

DAS INVESTMENT.com:
Was keineswegs belegt ist.

Vielhaber: Nein, aber insgesamt ist das Hintergrundwissen in diesem Bereich gering. Die Kriterien seien schwer zu durchschauen und zum Teil widersprüchlich, hieß es vielfach korrekt. Doch am Ende blieben die Argumente oberflächlich. Von nachhaltigen Investments sprachen die Berater wie ein Blinder von der Farbe. Vielen lag nichts daran, den Wünschen des relativ unerfahrenen Kunden nachzukommen.

DAS INVESTMENT.com:
Sie hatten nichts Passendes für ihn?

Vielhaber: Natürlich gab es wie immer auch hervorragende Vorschläge. Doch viele haben sich gesperrt, obwohl sogar ihre eigenen Institute das Passende gehabt hätten und sich Mühe bei der Vermarktung geben. In einigen Fällen ging das soweit, dass sie den Kunden in einen Gewissenskonflikt brachten. Gold genüge ja auch keinen Nachhaltigkeitskriterien, hieß es. Schließlich profitierten diejenigen, die es unter teilweise extrem harten Bedingungen abbauten, als allerletzte.

DAS INVESTMENT.com: Einen Vorschlag für ein Goldinvestment hatten sie dann aber gern parat?

Vielhaber:
Ja. Aber überzeugt haben auch dort nicht alle. Etliche haben Xetra Gold empfohlen, eine mit physischem Gold hinterlegte Anleihe. In meinen Augen ist das aber nicht geeignet, um für einen echten Krisenfall vorzusorgen. Wenn alles zusammenbricht, ist auch unklar, ob etwa die Firma, die Vertragspartner des Anbieters ist, das Gold auch tatsächlich liefern kann. Für den Fall der Fälle taugen nur Münzen und Barren.
DAS INVESMENT.com: Das ist alles eher ernüchternd.

Vielhaber: In der Tat gibt es wenig Innovatives, aber eben auch sehr gute Beratungsleistungen und Anlagevorschläge. Zudem zeigt sich, dass viele Institute, vor allem in der Schweiz, massiv in Ausbildung investiert haben und in Teilen sehr viel kundenfreundlicher geworden sind: Anders als noch vor kurzem kann man heute als Laie häufiger verstehen, was die Bank empfiehlt.

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