Der Arbeitsmarkt für Führungskräfte ist in Bewegung: Während Konzerne ihre Management-Ebenen ausdünnen, entstehen durch demografischen Wandel und Transformation neue Karrierechancen. Doch wer als Manager den nächsten Schritt plant, steht vor besonderen Herausforderungen. Ein makelloser Lebenslauf ist längst nicht mehr der Schlüssel zum Erfolg.
Wer sich neu positionieren will, braucht heute mehr: Eine klare Strategie, sorgfältige Vorbereitung und vor allem den richtigen Zeitpunkt. Neben der fachlichen Eignung entscheidet auch die persönliche Bereitschaft zum Wechsel über den Erfolg.
Unsere Redaktion hat erfahrene Headhunter gefragt, die tagtäglich Führungskräfte vermitteln: Was sind ihre besten Tipps für Top-Manager auf Jobsuche?
Besonders aufschlussreich sind dabei die Einblicke aus verschiedenen Branchen: Während Karin Schambach als Expertin für Asset & Wealth Management die Besonderheiten der Finanzbranche beleuchtet, gibt Heinz Schannath von der Personalberatung Schannath Executive Search branchenübergreifende Einblicke in die erfolgreiche Positionierung von Führungskräften.
Die fünf Erfolgsfaktoren nach Karin Schambach:
- Selbstanalyse: Eine systematische Bestandsaufnahme der eigenen Führungserfolge, messbaren Leistungen und Verantwortungsbereiche bildet das Fundament. Dazu gehört auch eine kritische Reflexion der persönlichen Führungsqualitäten und die Definition des eigenen USPs für den Arbeitsmarkt.
- Exzellente Unterlagen: Der Lebenslauf muss in maximal drei Seiten die wichtigsten Karrierestationen mit konkreten Erfolgen und Verantwortungsbereichen präsentieren. Ein prägnantes Executive Summary auf dem Deckblatt sollte die Kernkompetenzen und größten Erfolge auf einen Blick vermitteln.
Karin Schambach - Visibilität: Regelmäßige Präsenz in Fachmedien und auf relevanten Branchenkonferenzen schafft die nötige Sichtbarkeit im Markt. Ein professionell gepflegtes Linkedin-Profil mit regelmäßigen Fachbeiträgen und die aktive Mitarbeit in Berufsverbänden sind dabei unverzichtbar.
- Kontakte: Der systematische Aufbau von Beziehungen zu relevanten Headhuntern sowie die kontinuierliche Pflege des bestehenden Netzwerks sind erfolgsentscheidend. Dabei kommt es weniger auf die Quantität als auf qualitativ hochwertige Kontakte zu Branchenentscheidern an.
- Professioneller Auftritt: Von professionellen Bewerbungsfotos über vorbereitete Erfolgsgeschichten bis zur angemessenen Kleidung muss der gesamte Auftritt stimmig sein. Gezielte Interview-Vorbereitung hilft, die eigenen Führungsqualitäten in Vorstellungsgesprächen überzeugend zu vermitteln.
Die vier Empfehlungen von Heinz Schannath:
- Gezielte Headhunter-Ansprache: Die Konzentration sollte auf den führenden Personalberatern der jeweiligen Branche liegen, die gezielt über das eigene Netzwerk kontaktiert werden. Diese Kontakte müssen durch regelmäßige Updates zu Karriereentwicklungen und neuen Qualifikationen gepflegt werden.
Heinz Schannath - Professionelles Bewerber-Exposé: Ein überzeugendes Bewerbungspaket besteht aus einem prägnanten Executive Summary, einem maximal dreiseitigen Lebenslauf und aussagekräftigen Referenzen. Wichtig ist auch eine digitale Version, die in Headhunter-Datenbanken optimal gefunden wird.
- Aktives Bewerbermarketing: Eine regelmäßige Präsenz auf Linkedin mit relevanten Fachbeiträgen sowie auf hochkarätigen Branchenevents ist unverzichtbar. Ziel ist der Aufbau einer persönlichen Marke als anerkannter Experte und Führungspersönlichkeit.
- Konkrete Suchstrategie: Die eigenen Präferenzen bezüglich Position und potenzieller Arbeitgeber müssen klar definiert sein. Darauf aufbauend erfolgt ein systematisches Monitoring relevanter Jobportale, wobei der Fokus auf wenigen, aber realistischen Optionen liegen sollte.
Die vier Kernaspekte von Manuel Rehwald:
- Hidden Job Market nutzen: Der Weg zu Top-Positionen führt meist über persönliche Kontakte, nicht über Stellenanzeigen. Ein gepflegtes Netzwerk zu Headhuntern und Branchenexperten öffnet Türen zu Positionen, die nie öffentlich ausgeschrieben werden.
Manuel Rehwald © Rehwald Associates - Persönliche Marke schärfen: Expertise muss heute aktiv nach außen getragen werden. Ob als Autor von Fachartikeln, Speaker auf Konferenzen oder Gast in Podcasts - die eigene Positionierung als Experte wird immer wichtiger. Dabei zählt vor allem die Qualität der Beiträge.
- Über den Tellerrand schauen: Karrierewege sind heute selten linear. Erfolgreiche Manager prüfen auch Chancen in angrenzenden Bereichen, in denen ihre Führungserfahrung wertvoll sein könnte. Eine zu enge Fokussierung kann dabei zum Hindernis werden.
- Trends früh erkennen: Wer den nächsten Karriereschritt plant, muss Marktentwicklungen antizipieren. Dafür ist neben der Analyse von Branchenberichten vor allem der regelmäßige Austausch mit dem eigenen Netzwerk entscheidend.
Keine Initiativbewerbungen auf Top-Level
Die Experten betonen, dass persönliche Netzwerke auf Management-Ebene besonders wertvoll sind. Kontakte zu ehemaligen Kollegen und Geschäftspartnern sollten aktiv gepflegt werden. Gleichzeitig empfehlen beide regelmäßige Teilnahme an Branchenevents.
Bei der konkreten Stellensuche empfehlen die Headhunter einen Zwei-Wege-Ansatz: Einerseits sollten Manager relevante Jobportale systematisch beobachten, andererseits vor allem auf spezialisierte Personalberater setzen. Besonders von Initiativbewerbungen auf Top-Management-Ebene raten sie ab.
