Manager oder Makeup? Wie „Frauen-Fonds“ Geld anlegen und warum sie strittig sind

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Unter den größten Beteiligungen waren Ende Juni der Werbekonzern Publicis Groupe, dessen Chairman-Position und sechs der 15 weiteren Direktorenposten mit Frauen besetzt sind, sowie der Versicherer Axa, der einen weiblichen COO und fünf Frauen im 14-köpfigen Verwaltungsrat hat. Doch Hostache und CPG- Fondsmanagerin Caroline Grinda kaufen auch Aktien von Firmen wie Etam Developpement, einem Bekleidungshändler, dessen Papiere seit Jahresbeginn rund 25 Prozent zugelegt haben. „Wir dachten, es wäre eine Schande, nicht von der wachsenden ökonomischen Macht von Frauen zu profitieren“, sagt Hostache. Valeurs Feminines hat seit seiner Gründung seinen Vergleichsindex, den Eurostoxx 50, um etwa 70 Prozent überflügelt. Seit Jahresbeginn hat er 8,8 Prozent zugelegt. Doch nicht jeder hält etwas von der Gender-Brille. So setzt sich BlackRock zwar für mehr weibliche Vorstandsmitglieder in Unternehmen ein und verwaltet mehrere „gesellschaftlich verantwortungsbewusste“ Investmentprodukte, darunter aber keines mit Fokus auf Frauen. Laut Michelle Edkins, Global Head of Corporate Governance bei BlackRock, gibt es derzeit keinen „konsistenten und skalierbaren Rahmen“, um solche Investments zu steuern, sofern das Ziel über bloß solide Erträge hinaus geht. Zwar kann Geschlechtervielfalt ein Zeichen für ein gut geführtes Unternehmen sein, jedoch „ist die Kausalität schwer nachzuweisen“, so Edkins. Die Frage ist: Ist ein Unternehmen vielfältig, weil es gut geführt ist, oder ist es gut geführt, weil es vielfältig ist?
Auch muss die Zahl der Frauen in Spitzenpositionen nicht unbedingt widerspiegeln, wie Unternehmen alle weiblichen Mitarbeiter behandeln. Die Aktienauswahl auf Grundlage solcher Statistiken sei „grob vereinfachend - das ist wirklich oberflächliches Investieren“, sagt Krumsiek. „Das spiegelt nicht unbedingt wider, ob sie Gutes für alle Frauen tun.“ Baron von U.S. Trust geht da mit seiner „Women & Girls“- Investmentstrategie tiefer. Er schaut nicht nur auf die Zahl von Frauen in Führungspositionen, sondern berücksichtigt auch, ob Unternehmen Produkte in Länder verkaufen oder aus diesen beziehen, wo Frauen nicht als vollwertige Staatsbürger gesehen werden. Andere Maße beziehen sich darauf, ob ein Unternehmen Frauen in der Werbung verantwortungsbewusst darstellt, Frauen fördert und ihnen ausreichende Gehälter zahlt. Baron achtet auch auf Produkte, die Frauen in Entwicklungsländern helfen - etwa solarbetriebene Lampen oder Öfen. „Ich rede hier nicht von rosafarbenen Laptops“, erklärt er. Nur etwa 125 Unternehmen aus dem S&P 1500 schaffen es durch diesen Auswahlprozess. „Diese neigen dazu, sich auch ziemlich gut zu entwickeln“, so Baron.

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