Map-Report 908 Steigende LV-Vielfalt erschwert Vermittlern die Arbeit

Der aktuell erschienene Map-Report 908 vergleicht tatsächliche Leistungen von Sofortrenten, Aufschubrenten und Kapitallebensversicherungen über die vergangenen 30 Jahre. Für den Vergleich legten in diesem Jahr aber gerade einmal 19 Gesellschaften Daten zu ihrem Bestand und Vergangenheitswerte offen. Auch bei den Hochrechnungen gaben sich die meisten der befragten Versicherer bedeckt. Und viele große Lebensversicherer suche man in der Studie vergeblich.

Dabei muss sich die Assekuranz mit ihren Leistungen eigentlich nicht verstecken, kommentiert Reinhard Klages, Chefredakteur von Map-Report: „Schon seit 2009 dümpelt der EZB-Leitzins, abgesehen von einem kurzen Intermezzo, bei einem Prozent oder weniger. Seit 2014 war ist es mit Positivzinsen sogar ganz vorbei. Im Vergleich dazu haben sich Kapitalversicherungen wacker geschlagen und immer noch ordentliche Renditen abgeliefert.“

Das leisten Sofortrenten

Die tatsächlichen Leistungen der teilnehmenden Gesellschaften stützen die Aussage: Ein 63jähriger Mann, der 1999 in eine sofortbeginnende Rentenversicherung mit dynamischem Überschusssystem 50.000 Euro eingezahlt hat, erhält seit Januar 2019 eine Monatsrente von durchschnittlich 318 Euro. Ursprünglich garantiert waren 272 Euro.

Nach 13 Jahren und zehn Monaten, also im Oktober 2012, kam der Vertrag aus Kundensicht ins Verdienen; die Summe der Rentenzahlungen überstieg erstmals den Einmalbeitrag. In den 20 Jahren seit Rentenbeginn haben sich die Rentenzahlungen auf insgesamt 73.902 Euro summiert. Die Debeka erreichte als einzige Gesellschaft mehr als 80.000 Euro (Rentensumme 80.785 Euro).

Bei Vertragsbeginn im Jahr 2004 betrug die garantierte Monatsrente im Schnitt noch 253,49 Euro. Dieser Vertrag kommt erst Mitte 2019, also nach 15 Jahren und sechs Monaten, in die Gewinnzone. Rentenversicherungen mit Beginn 2009 stehen deutlich unter dem Einfluss der erodierten Zinsen. Sie garantierten durchschnittlich 202,42 Euro Monatsrente. Wann sie sich ins Verdienen bringen werden, muss die Zukunft zeigen.

Je länger, desto besser

Für eine aufgeschobene Rentenversicherung mit zwölf Jahren Aufschubzeit beträgt die Kapitalabfindung zum 1. Januar 2019 im Musterfall durchschnittlich 16.640 Euro. Das ergibt bei 14.400 Euro Einzahlung eine Beitragsrendite von 2,21 Prozent. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren hat der Kunde 24.000 Euro eingezahlt. Ausbezahlt bekam er im Durchschnitt der teilnehmenden Versicherer 35.481 Euro (Rendite 3,59 Prozent).

Wer in den vorigen 30 Jahren jährlich 1.200 Euro in seine kapitalbildende Lebensversicherung eingezahlte, hat insgesamt 36.000 investiert. Dafür konnte er im Beispielfall zur Fälligkeit am Jahresende 2018 durchschnittlich mit einer Ablaufleistung von 71.937 Euro und einer Beitragsrendite von 4,16 Prozent rechnen. Sein eingesetztes Kapital hat sich fast verdoppelt. Die höchste Ablaufleistung meldete die Debeka mit 84.113 Euro bei einer Rendite von 5,03 Prozent.

Von 2007 bis 2018 ist die durchschnittliche Ablaufleistung für 30-jährige Verträge von 92.343 Euro auf 71.937 Euro gefallen (minus 1,50 Prozentpunkte). Über die Laufzeit von 20 Jahren lag die Auszahlung im Jahr 2007 noch bei 42.331 Euro und ist damit inzwischen um 7.115 Euro beziehungsweise 1,62 Prozentpunkte geschrumpft. Der Kurzläufer über zwölf Jahre Laufzeit erzielte mit 18.797 Euro Ende 2018 im Schnitt 2.245 Euro weniger als zum Jahresultimo 2007. Das entspricht einem Rückgang der Beitragsrendite um 2,23 Prozentpunkte.

Der hohe Rendite-Spread, vor allem zwischen dem Langläufer über 30 Jahre und dem relativ kurzlaufenden Vertrag von zwölf Jahren, kommt nicht von ungefähr. Kurzläufer profitieren nicht mehr von der Hochzinsphase am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts. Vielmehr schlagen die mageren Überschussdeklarationen der jüngeren Vergangenheit auf ihre Vertragsrenditen durch. Auch der Zinseszins-Effekt ist bei kürzerer Laufzeit nur gering.