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Marc Friedrich im Interview „Der Euro liegt bereits seit Jahren auf der Intensivstation“

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Seit 2008 wird drastisch in die Märkte interveniert: Die Notenbank der USA hat seit 2008 an 85 Prozent aller Handelstage in die Aktienmärkte eingegriffen, es wurden Unternehmen verstaatlicht und Aktionäre enteignet – auch in Deutschland, wie bei der Commerzbank und der Hypo Real Estate. Außerdem wurden Gesetze verabschiedet, die mit Kapitalismus und Demokratie nichts mehr zu tun haben.

Hätte man die Märkte sich bereinigen lassen, dann hätten wir unsere heutigen Probleme nicht. Selbstverständlich wären es harte Jahre gewesen, aber nun haben wir uns teuer Zeit erkauft und die Probleme nicht gelöst, sondern nur in die Zukunft verschoben. Hier türmen sie sich weiter auf und gewinnen an Wucht hinzu. Wenn sie in der Zukunft über uns hereinbrechen, wird die Zerstörungskraft immens sein. Wir alle werden an Wohlstand verlieren.

Die Politik geht Hand in Hand mit der Wirtschaftselite. Zudem besteht eine ungesunde und gefährliche Abhängigkeit zwischen Politik und Finanzbranche. Denn ein Staat finanziert sich einerseits über die Steuereinnahmen der Bürger, anderseits über den Verkauf von Staatsanleihen, also Schuldscheinen. Und wer kauft diese zu 99 Prozent auf? Die Finanzbranche. Der Gläubiger – also die Finanzbranche – diktiert immer, wo es langgeht. Und der Schuldner – also der Staat – muss sich entsprechend verhalten. Frei nach Napoleon: Die Hand die gibt steht immer über der Hand die nimmt.

An dieser Situation hat sich seit 2008 nichts geändert. Es gab zwar vollmundige Versprechen der Politik, dass man die Banken an die Leine nehmen werde. Aber weder die Finanztransaktionssteuer noch Basel III sind realisiert, sondern in die ferne Zukunft verschoben worden. Oder sie wurden durch die Macht der Finanzlobby massiv verwässert

Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, weil die Banken seit 2008 aus den Krisenverursachern zu Krisengewinnern geworden sind. Sie haben sich mit noch mehr billigem Geld vollgesaugt, sind dadurch noch größer und mächtiger geworden und – was ganz wichtig ist – systemrelevanter. Dadurch haben sie ihr Erpressungspotenzial gegenüber den Staaten – aber auch gegenüber den Bürgern – bei der nächsten Krise erhöht. Und die kommt so sicher wie das Amen in der Kirche.

Wenn Kanzlerin Angela Merkel davon spricht, dass wir vom Euro profitieren, dann stimmt das – aber nur bedingt. Dann spricht sie nur von sich und Ihresgleichen – der Elite und den großen Konzernen. Die Mehrheit der Menschen profitiert nicht vom Euro. Auch das haben wir anhand von öffentlich zugänglichen Daten in unserem neuen Buch bewiesen.

Es gibt viele Ansätze, um aus der gegenwärtigen verfahrenen Lage wieder herauszukommen. Am wichtigsten ist die Abkehr von der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken und das Verbot der Geldschöpfung aus dem Nichts durch die Banken.

Außerdem müssen die Banken schrumpfen, ihre Eigenkapitalquote erhöhen und strenger überwacht werden. Wir sollten zurückkehren zu einer gedeckten Währung und müssen raus aus dem Euro. Dann können die Krisenländer ihre Währung abwerten um Wettbewerbsfähig zu werden. Dann müssen wir den Krisenländern ihre Schulden erlassen, weil sie die niemals zurückzahlen können.

Am Ende wird man aber auch ganz konkret über eine Art Marshallplan für die Krisenstaaten in Europa nachdenken müssen, um die europäische Idee im Kern zu retten und ein nachhaltiges und tragfähiges Wirtschaftsmodell wieder aufzubauen. Denn nur durch Arbeitsplätze entsteht Einkommen, Steuereinnahmen, Binnenkonsum, Wachstum und Wohlstand.

Gehören Sie denn dann jetzt auch zu den Crash-Propheten?


Nein, wir arbeiten immer rein faktenbasiert und grenzen uns deutlich von den Crash-Propheten ab. Wir sind weder Propheten noch Hellseher, sondern lediglich rational denkende Ökonomen und Realisten. Und die Realität sieht nun mal nicht rosarot aus.

Der Titel unseres Buches ist das Resultat der Recherche. Unsere Daten sind öffentlich und im Buch mit mehr als 600 Quellen hinterlegt und somit für jeden nachvollziehbar. Wer glaubt, dass alles beim Alten bleibt und nichts passiert, muss nichts weiter tun. Jeder andere der seine Zweifel hat, sollte die Zeit nutzen und aktiv werden.

Um den Crash heil zu überstehen, empfehlen Sie Investments in Sachwerte wie Silber und Gold. Aber sind solche Edelmetalle nicht auch eine Art Vertrauenswährung wie das Papiergeld? Nimmt das nach dem Crash noch jemand zum Tausch an?

Wir orientieren uns gerne an der Vergangenheit als einen weisen Ratgeber. Die letzten 2000 Jahre haben gezeigt, dass Gold – aber auch Silber – immer einen Wert hatte. Beides ist durch die Natur limitiert.

Und überlegen Sie mal: Was hat Jesus zur Geburt bekommen? Myrrhe, Weihrauch und – portugiesische Staatsanleihen? Nein. Gold! Es hat schon seinen Grund, dass die Zentralbanken alle Gold lagern.

Wir erleben gerade einen epochalen Wandel. Insgesamt ist jetzt nicht mehr die Zeit zur Vermögensvermehrung: Die Zeit der Rendite ist vorbei. Die Niedrigzinsphase der Notenbanken enteignet uns alle. Die Zeit der Vermögenssicherung ist angebrochen.

Wenn der Bürger es schafft 30, 50 oder gar 70 Prozent seines Vermögens zu sichern, kann er sich glücklich schätzen. Bei Währungsreformen verliert die Mehrheit der Menschen meist 80 bis 95 Prozent Vermögen.

Wie sollen Sparer ihr Vermögen denn Ihrer Meinung sichern?

Raus aus Papierwerten, rein in Sachwerte. Dabei gilt: Schuster bleib bei deinen Leisten. Investieren Sie nur in Sachen, die Sie auch verstehen. Sie kaufen sich ja auch kein Handy, das Sie nicht bedienen können. Und hören Sie auf ihr Bauchgefühl.

Der Vorteil von Sachwerten ist, dass sie ihnen direkt dienen und nicht wertlos werden können im Gegensatz zu Papierwerten, wo viele auch noch mitverdienen wollen.

Eine breite Streuung von Investments ist essentiell. Höchstens ein Drittel des Gesamtvermögens sollte in eine Anlageklasse investiert werden, um mehrere Vermögensstandbeine aufzubauen. Beispielweise ein Drittel Immobilien, ein Drittel Gold und ein Drittel Geld.

Wir empfehlen sogar eigentlich eine wesentlich breitere Streuung über zehn und mehr Anlagen. Dann steht das Vermögen erheblich stabiler, auch wenn das eine oder andere Bein wegbrechen sollte. Und es werden Beine wegbrechen.

Was viele vergessen: Banken kreieren Produkte, um Geld zu verdienen. Und kein Geld sollte aufs Konto – siehe Zypern. Das Geld auf dem Konto gehört der Bank. Ich gebe damit der Bank einen günstigen Kredit, der nicht dinglich abgesichert wird.
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