Marc Friedrich und Matthias Weik „Die Welt spielt verrückt“
Spätestens 2019 werden die Target-2-Salden die eine Billion Grenze überspringen und auch dem Letzten Realitätsverweigerer verdeutlichen, dass eine Währungsunion mit unterschiedlich starken Volkswirtschaften ausschließlich im Rahmen einer für die Euro-Länder Nordeuropas äußerst teuren Transferunion noch für ein paar Jahre funktionieren kann. Mit unserer heutigen Politikerkaste wird die für Deutschland unfassbare teure Transferunion, für die wir in Zukunft bitter büßen werden, noch verstärkter kommen.
Da sich in der Eurozone immer weniger Länder an zuvor gemeinsam beschlossene Vereinbarungen halten, sind die Tage des Euros gezählt. Der Wille zu mehr Europa, also zur stärkeren Integration, ist nur in Frankreich (noch), Deutschland, Belgien und Luxemburg festzustellen. Ungarn, Italien und Polen gehen immer mehr auf Konfrontationskurs zur EU. Italien wird den Realitätsverweigerern in Brüssel auch 2019 aufzeigen woher der Wind weht.
Fakt ist: Der Euro ist viel zu schwach für Deutschland und viel zu stark für die Länder Südeuropas. Unter dem Euro werden die Länder Südeuropas wirtschaftlich nicht mehr auf die Beine kommen. Wann sich diese Erkenntnis bei unseren politischen Eliten durchsetzen wird (wenn überhaupt) wagen wir nicht vorherzusagen. Parteien am Linken und rechten Rand werden demzufolge nicht nur in Südeuropa kontinuierlich immer stärker werden.
Die nächste Quittung für das dogmatische Festhalten am Euro werden die „Volksparteien“ bei den nächsten EU-Parlamentswahlen im Frühjahr 2019 erhalten. Wir gehen von einem äußerst starken Abschneiden EU-kritischer Parteien aus. Und dann könnte zweifellos das Ende der EU eingeläutet werden. Denn diese Parteien müssen keineswegs die absolute Mehrheit erringen, um die angestrebte Auflösung der EU voranzutreiben. Bereits wenn ihre Parteien gemeinsam die stärkste Fraktion im künftigen EU-Parlament bilden würden, könnten sie die EU-Gesetzgebung nachhaltig sabotieren. Die Konsequenz dessen ist, dass die Union kaum noch entscheidungsfähig wäre. Dringend erforderliche Reformen, wie etwa die Stabilisierung des Euro, wären dann praktisch unmöglich.
Frankreich – mit gelben Westen in die nächste Revolution?
Wie von uns erwartet, konnte der 2017 gewählt Präsident Frankreichs Macron und seine Mannschaft nicht liefern. Er ist derweil der unbeliebteste Präsident des Landes. Das Volk zieht sich mittlerweile gelbe Westen über und rebelliert. Viele Menschen in Frankreich haben die Faxen dicke. Über 70 Prozent der Franzosen sympathisieren mit den Gelbwesten. Wie lange sich Macron noch halten kann ist nicht klar.
