DAS INVESTMENT Academy: Marcell, du hast eine beeindruckende Karriere als Fußballprofi hinter dir und bist heute erfolgreicher Unternehmer. Was ist das Wichtigste, das du über Geld gelernt hast?
Marcell Jansen: Das Wichtigste, was ich über Geld gelernt habe, verdanke ich meinen Eltern. Ich hatte das große Glück, dass sie Geld nie als Problem dargestellt haben. Meine Mutter arbeitete bei Aldi im Lager, mein Vater war Warenannahmeleiter. Wir waren keine reiche Familie, aber wir kamen gut über die Runden. Klar gab es auch bei uns finanzielle Herausforderungen, wenn mal die Waschmaschine kaputtging oder ein Zahnarztbesuch anstand. Aber meine Eltern haben diese Sorgen nie vor mir ausgetragen.
Gesunde Beziehung zu Geld als Basis
Das hat mir ermöglicht, einen gesunden Bezug zu Geld zu entwickeln. Ich konnte Fußball spielen, zur Schule gehen und hatte sogar ein kleines Taschengeld. Dadurch hatte ich nie Probleme mit Geld oder in meiner Beziehung zu Geld. Das ist, glaube ich, die Basis für alles. Viele Menschen haben dieses Glück nicht und geraten schnell in einen schwer zu durchbrechenden Kreislauf.
Meine wichtigste Erkenntnis zu Geld ist daher, dass es von enormer Bedeutung ist, einen guten Bezug dazu zu haben und es so gut es geht nicht zu emotionalisieren.
Es gibt viele Klischees über Fußballprofis, die ihr Geld für Luxusautos und vergoldete Steaks ausgeben. Wie siehst du das?
Marcell: Ich glaube, man findet für beide Seiten genug Beispiele, und das nicht nur bei Fußballern. Auf Social Media sieht man viele internationale Sport-Stars, bei denen es nach außen so wirken kann. Aber ich denke, es gibt einen Wandel. Viele Sportler sind smarter geworden und beschäftigen sich mit Unternehmertum und Investitionen. Immer mehr haben ein hohes Interesse am Leben nach der Karriere, anstatt nur Geld rauszufeuern. Von daher ist das eher ein Klischee, das durch Social Media verstärkt wird.
Du hast deine Karriere relativ früh beendet und bist Unternehmer geworden. War das von Anfang an dein Plan?
Marcell: Nein, überhaupt nicht. Ich wusste nicht einmal, dass ich Fußballprofi werden wollte. Es war ein Glücksfall, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Mit Anfang 20 wurde ich dann neugierig und fragte mich, wer ich eigentlich bin, wenn ich mal nicht mehr Fußball spiele. Das war die Initialzündung. Als Bundesliga- und Nationalspieler hatte ich das Privileg, Zugang zu viel Wissen rund um Gesundheit zu haben. Daraus entwickelte sich mein Ziel, Unternehmer zu werden und anderen Menschen bezahlbare Gesundheit und Prävention zu ermöglichen. Ich wollte etwas zurückgeben.
Anlagestrategie: So investiert Marcell Jansen
Das klingt nach einer sehr bewussten Entscheidung. Wie sieht denn deine Investmentstrategie aus? Konzentrierst du dich hauptsächlich auf Unternehmensbeteiligungen oder hast du dein Vermögen breiter gestreut?
Marcell: Meine ersten Investments waren Unternehmensgründungen. Dabei habe ich nicht nur Geld investiert, sondern die Unternehmen aktiv mit aufgebaut. Das war und ist für mich ein wichtiger Aspekt – ich möchte nicht nur finanziell beteiligt sein, sondern auch mein Know-how und meine Erfahrungen einbringen.
Ansonsten setze ich auf eine eher konservative Anlagestrategie. Ich besitze einige Immobilien und habe einen Teil meines Vermögens in klassischen, sicheren Geldanlagen investiert. In Aktien bin ich weniger bis gar nicht investiert. Das hat einen einfachen Grund: Das Kapital, das man üblicherweise in Aktien stecken würde, habe ich in Start-ups und eigene Unternehmen investiert.
Allerdings bin ich sehr offen und interessiert, was neue Anlagemöglichkeiten angeht. Es kann durchaus sein, dass ich in Zukunft meinen Anlagemix verändere, vor allem wenn ich mal eine Immobilie verkaufe und dadurch mehr Liquidität habe.
Kannst du uns mehr über die Unternehmen erzählen, in die du derzeit investiert bist?
Marcell: Gerne. Ich habe ein kleines, aber feines Portfolio aus sehr jungen Unternehmen aufgebaut. Mein Hauptfokus liegt dabei auf dem Bereich Gesundheit und Wohlbefinden. Das Herzstück meiner Investments ist die S'tatics Group, bei der ich nicht nur Gründer, sondern auch Geschäftsführer bin. Mit diesem Unternehmen konzentrieren wir uns auf B2B-Kunden. Unser Ziel ist es, ein umfassendes Employer-Health-System für Unternehmen zu implementieren. Wir betrachten die Mitarbeiter als die wahren „Leistungssportler“ eines Unternehmens und wollen ihnen die bestmögliche Unterstützung für ihre Gesundheit bieten.
Darüber sind wir an Myricals beteiligt, einem spannenden Start-up, das aus der Hamburger Universität aus gegründet wurde. Hier geht es um innovative Nahrungsergänzungsmittel. Ein weiteres Unternehmen in unserem Portfolio ist Fave, früher bekannt als Groomed Rooster. Dieses Start-up beschäftigt sich mit dem Thema Hygiene und Männergesundheit – ein Bereich, der meiner Meinung nach in der Gesellschaft oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.
Hast du Angst vor dem Scheitern?
Marcell: Angst ist im Leben generell ein schlechter Begleiter. Ich habe natürlich Respekt davor, dass etwas nicht funktionieren kann.
Aber meine Erfahrungen aus dem Profisport haben mir beigebracht, dass man am Ende nur durch Erfahrungen und auch durch Niederlagen wachsen und besser werden kann.
Ich finde, dass die Start-up- und Gründerkultur in Deutschland noch mehr Unterstützung und Anerkennung verdient. Leider ist es hierzulande oft so, dass man sehr kritisch auf gescheiterte Projekte schaut. In den USA zum Beispiel ist die Einstellung eine ganz andere. Dort wird Scheitern eher als wertvolle Erfahrung gesehen, aus der man lernen kann. Das ist einer der Gründe, warum viele Innovationen und mutige Ideen oft aus anderen Ländern kommen.
Gibt es noch andere Dinge, die du aus deiner Sportkarriere ins Unternehmertum mitgenommen hast?
Marcell: Extrem viel! Ein ganz zentraler Punkt ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Im Profisport musst du ständig deine Leistungen analysieren und hinterfragen. Ohne diese Reflexion kannst du keine Prozesse verändern und wirst nicht erkennen, wo deine Stärken liegen und welche Bereiche noch Verbesserungspotenzial haben.
Resilienz als wichtiger Faktor
Auch der Teamgedanke und Kommunikation sind im Unternehmertum von großer Bedeutung. Ein großer Vorteil, den Sportler mitbringen, ist ihre Erfahrung im Umgang mit Druck und Rückschlägen. Wir sind es gewohnt, vor tausenden von Menschen zu performen und wissen, wie man mit Niederlagen umgeht. Diese mentale Stärke und Resilienz sind im Unternehmertum extrem wertvoll.
Du hast die Themen Resilienz und mentale Stärke angesprochen. Diese scheinen ja auch gesamtgesellschaftlich immer wichtiger zu werden. Wie siehst du das?
Marcell: Da hast du absolut recht. Ich glaube, wir erleben gerade eine Zeit, in der diese Fähigkeiten wichtiger sind denn je. Wenn man sich die aktuellen Herausforderungen anschaut – von der Digitalisierung über den demografischen Wandel bis hin zu Umweltfragen und den Nachwirkungen von Corona – dann sieht man, dass wir es mit einer Vielzahl von „Stürmen“ zu tun haben. Dazu kommt, dass das Privatleben der Menschen immer komplexer wird. Wir jonglieren ständig zwischen Beruf, Familie, Freunden und persönlichen Interessen. In diesem Umfeld ist eine gute Resilienz unerlässlich.
Das Gute ist: Resilienz kann man trainieren und erlernen. Es geht darum, Strategien zu entwickeln, um mit Stress und Rückschlägen umzugehen. Ich denke, es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft mehr Wert darauf legen, diese Fähigkeiten zu fördern.
Welchen Rat würdest du jungen Menschen geben, die am Anfang ihrer Karriere stehen und vielleicht auch darüber nachdenken, in welche Richtung sie investieren sollten?
Marcell: Mein wichtigster Rat wäre: Achtet wirklich auf eure Resilienz. Das ist in diesen Zeiten die absolute Grundlage, um zukunftsfähig zu sein.
Ohne mentale Stärke wird es schwierig, die Herausforderungen zu meistern, die auf uns alle zukommen.
Dann würde ich jedem empfehlen, sich intensiv mit den eigenen Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen. Macht eine ehrliche Bestandsaufnahme: Was könnt ihr besonders gut? Wo liegen eure Leidenschaften? Aber auch: Wo habt ihr noch Entwicklungspotenzial? Konzentriert euch dann vor allem auf eure Stärken, sowohl in der Karriereplanung als auch in der privaten Entwicklung.
„Work-Life-Balance ist eine Lüge“
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ihr die Idee einer strikten Work-Life-Balance überdenkt und euch stattdessen auf eine ganzheitliche Life-Balance konzentriert. Es geht darum, alle Bereiche eures Lebens in Einklang zu bringen – Arbeit, Familie, Freizeit, persönliche Entwicklung. All das gehört zu einem erfüllten Leben dazu.
Du hast die Life-Balance angesprochen. Wie sieht denn dein eigener Fahrplan aus? Planst du, bis zum Rentenalter oder sogar darüber hinaus zu arbeiten?
Marcell: Work-Life-Balance ist aus meiner Sicht eine Lüge. Es gibt nur ein Leben, also die Life-Balance. Arbeit gehört dazu. Natürlich verändert sich die körperliche Leistungsfähigkeit im Laufe des Lebens. Mit 70 kann man nicht mehr das Gleiche leisten wie mit 20.
Aber es ist essenziell wichtig, dass der Kopf immer beschäftigt bleibt.
Deshalb werde ich immer in irgendeiner Form aktiv sein, sei es in meinen Unternehmen, in neuen Projekten oder vielleicht auch verstärkt im sozialen Bereich.
Spielst du eigentlich noch Fußball?
Marcell: Unbedingt, das ist mein Ausgleich. Ich spiele seit über sechs Jahren beim HSV III in der Oberliga oder Landesliga. Es geht mal besser, mal schlechter, weil man körperlich irgendwann nicht mehr mit den 20-Jährigen mithalten kann. Aber solange ich noch ein bisschen kicken kann, werde ich das so lange machen, wie es irgendwie geht. Selbst wenn man dazu mal die ein oder andere Schmerztablette mehr nehmen muss.

