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Maritimes Pfand

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Bislang sind Schiffspfandbriefe ein sicheres Investment für Institutionelle und Wohlhabende. Das nächste Produkt der HSH Nordbank sollen auch Privatanleger ab 1.000 Euro zeichnen können.
Die US-Hypothekenmarktkrise beschäftigt auch die deutschen Schiffsfinanzierer. Der Markt für verbriefte Kredite – nicht nur im Immobilienbereich – ist praktisch lahmgelegt. Konsequenz: Die HSH Nordbank verschiebt die geplante Emission ihres ersten Schiffspfandbriefes mit großem Volumen. Auf der „Marine Capital Conference“ am 6. September in Hamburg hieß es noch, das Produkt, eine „international neue Anlageklasse“, solle „in Kürze“ platziert werden.
Mittlerweile hält sich der weltweit größte Schiffsfinanzierer zurück. „Zurzeit gibt es nicht das richtige Umfeld für ein neues Produkt. Der Risikoaufschlag, den wir zahlen müssten, liegt oberhalb dessen, was wir uns vorstellen“, sagt Günter Femers, Leiter Investor Relations im Bereich Anleihen.
Vielleicht wird der Pfandbrief 2007 kommen, vielleicht erst 2008 – das hängt von der Situation an den Kapitalmärkten ab. Entsprechend spärlich sind auch die Details: Das Volumen soll im mittleren bis hohen dreistelligen Millionenbereich liegen, die Laufzeit rund zwei Jahre betragen. Wesentliche Zielgruppe sind institutionelle Kunden, Privatanleger sollen den Pfandbrief aber ab 1.000 Euro zeichnen können. Nach der Platzierung geht der Pfandbrief an die Börse und ist öffentlich handelbar.
Im April hat das Institut bereits als Testballon einen Mini-Pfandbrief bei Institutionellen platziert. Das Volumen betrug 10 Millionen Euro, der jährliche Zinskupon lag nominal bei 4,685 Prozent.
Andere Banken haben Verständnis für den aktuellen Rückzieher. Oliver Grellmann, Pfandbriefexperte bei der M.M. Warburg Hypothekenbank: „Die Vertrauenskrise am Kapitalmarkt erschwert es den Banken momentan, sich am Markt zu verschulden. Die HSH Nordbank müsste bei ihrem Schiffspfandbrief Zugeständnisse in puncto Rendite machen.“
Ein Schiffspfandbrief ist eine besondere Art von Anleihe. Die Anleihen haben in der Regel eine Laufzeit zwischen zwei und zehn Jahren und zahlen meist einen festen jährlichen Zinskupon. Im Fall einer Insolvenz des Emittenten kann der Investor auf eine Deckungsmasse zurückgreifen. Sie enthält durch Schiffe besicherte Darlehensforderungen, die verschiedene Voraussetzungen erfüllen müssen.
So dürfen unter anderem nur Schiffe beliehen werden, die in einem öffentlichen Register eingetragen sind. Auch darf nur der Kreditbetrag in den Deckungsstock aufgenommen werden, der maximal 60 Prozent des Beleihungswertes entspricht.

Bestnote für Deckungsstock

Der Schiffsdeckungsstock für die geplante Anleihe der HSH Nordbank hat zurzeit ein Volumen von rund 2,6 Milliarden Euro. Er enthält etwa 300 Schiffe, vorwiegend Containerschiffe, außerdem Tanker und Massengutfrachter. Die Rating-Agentur Moody’s hat ihn vorläufig mit der höchsten Bonitätsnote Aaa bewertet. In den kommenden Jahren will die Bank den Deckungsstock auf 5 Milliarden Euro ausbauen.
Der Anleger hat durch die Bonität des Emittenten und des Deckungsstocks eine doppelte Sicherheit. Eine Anlage in einen Schiffspfandbrief lässt sich daher kaum mit alternativen Schiffsinvestments vergleichen, zum Beispiel mit geschlossenen Fonds oder den seit etwa einem Jahr vornehmlich für Institutionelle konzipierten Schifffahrts- AGs. Beide sind schwankungsanfällig. Ein Pfandbrief dagegen bietet mehr Sicherheit und meist eine feste jährliche Verzinsung.
Femers von der HSH Nordbank: „Der Pfandbrief eignet sich für risikobewusste Investoren, die mit einem diversifizierten Portfolio ein Engagement im Schiffsbereich eingehen wollen.“ Bei eventuellen Rückschlägen in der Weltschifffahrt wären sie mit einem Pfandbrief besser aufgehoben als mit einem Schiffsfonds, dessen Risiko auf einem beziehungsweise wenigen Schiffen lastet. Das Risiko des Pfandbriefanlegers dagegen ist auf sämtliche beliehene Schiffe im Deckungsstock verteilt.

Neues Pfandbriefgesetz von 2005

Im Ausland sind Schiffspfandbriefe eine Neuheit. So soll auch die Bewertung des HSH-Schiffsdeckungsstocks lange gedauert haben, weil die Rating-Agenturen diese Anlageklasse noch nicht kennen. Der größte hiesige Emittent – die Deutsche Schiffsbank mit Schiffspfandbriefen im Volumen von derzeit 4,25 Milliarden Euro im Umlauf – hat ihren Deckungsstock nicht bewerten lassen. Ihre Pfandbriefe werden fast nur im Heimatmarkt platziert, und die hiesigen Investoren kennen die Anlageform. Daher war ein Rating bisher nicht nötig. Die Schiffshypothekenbank zu Lübeck begibt seit Jahren keine Schiffspfandbriefe mehr. Als Spezialinstitute für die Finanzierung von Handelsschiffen waren sie und die Deutsche Schiffsbank vor Inkrafttreten des Pfandbriefgesetzes am 19. Juli 2005 die einzigen Banken, die Schiffspfandbriefe begeben durften.
Seitdem aber darf jedes Kreditinstitut mitmischen, dem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht dieses Geschäft genehmigt hat. Vorreiter waren Norddeutsche und Bremer Landesbank im April 2006, es folgte die M.M. Warburg Hypothekenbank im Juni 2007. Jetzt ist die HSH Nordbank dran.

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