Daniel Stelter

Daniel Stelter

Mark Blyth und Daniel Stelter

„Die EZB soll jedem Haushalt 5000 Euro geben“

„Die EZB soll jedem Haushalt im Euroraum einfach 5000 Euro aufs Konto buchen“, sagt der US-Wirtschaftsprofessor und gebürtige Schotte Mark Blyth im Gespräch mit dem Kurier. Demnach wäre eine überraschende Finanzspritze bei den Bürgern für den Markt wesentlich hilfreicher als das, was die EZB jetzt macht. „Das ist nämlich der verdrehteste Weg, die Probleme zu lösen“, sagt Blyth weiter. „Jetzt führen marode Banken ein Giftdepot bei der EZB. Sie holen sich billiges Geld, kaufen Staatsanleihen und gehen dank der Zinsspanne nicht pleite.“

Die EZB solle lieber den Menschen Geld geben anstatt den Banken, so würde es dann wenigstens in der Realwirtschaft ankommen. Die Menschen würden das Geld dann wohl ausgeben und damit die Wirtschaft ankurbeln. Und selbst wenn nicht, sieht Blyth die Lösung: Sparen die Bürger das Geld, würde es die Bankbilanzen reparieren und die Kreditvergabe anregen.

Ökonom Daniel Stelter von der Denkfabrik Beyond the Obvious geht weiter und meint, ohne einen radikalen Schuldenschnitt werde es nicht zur Erholung kommen. „Die Politiker müssen endlich erkennen, dass eine Reihe von Ländern in Europa ihre Schulden nie zurückzahlen können“, führt Stelter aus. „Das sind Portugal, Spanien, Irland, Griechenland, aber auch Italien.“

Da ein Schuldenschnitt jedoch politisch unrealistisch ist, rät auch Stelter, Geld unter die Bürger zu bringen. „Damit würde der Schuldenturm zumindest stabilisiert“, sagt er. Gibt die EZB hingegen den Banken das Geld – so wie bisher – verdauten die damit nur ihre faulen Kredite und der kleine Schuldner habe von der EZB-Hilfe nichts.

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