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Aktualisiert am 02.01.2013 - 16:22 UhrLesedauer: 6 Minuten

Mark Mobius: "Russland gehört für uns zu den reizvollsten Schwellenmärkten"

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Die russische Wirtschaft in den Fesseln des Öls

Energie ist für Russland natürlich ein ganz wichtiges Thema, denn auf diesen Sektor entfallen rund drei Viertel des Exports. Russland ist mit über 10 Millionen Barrel am Tag weltweit der größte Rohölproduzent – mit einem Anteil am globalen Angebot von rund 12 Prozent. Außerdem befinden sich dort die größten Erdgas- und die zweitgrößten Kohlevorkommen der Welt. Energieunternehmen stellen daher einen großen Teil des russischen Marktes dar.

Zu den wichtigsten Exportzielen gehören die Europäische Union (die fast die Hälfte der russischen Ölexporte abnimmt), China und die Türkei. Putin hat zwar zugesagt, die russische Wirtschaft zu diversifizieren und die Abhängigkeit des Haushalts von Öleinnahmen zu verringern, doch bislang steht und fällt Russlands Zukunft mehr oder minder mit den Ölpreisen. Schwanken diese, führt das unwillkürlich zu Volatilität auf dem russischen Aktienmarkt.

Niedrige Ölpreise müssen nicht schaden

Doch ebenso wie höhere Preise Ölgesellschaften nicht unbedingt guttun, schaden ihnen niedrige Preise nicht notgedrungen. Bei anziehenden Ölpreisen werden russische Ölunternehmen häufig durch höhere Steuern belastet. Die Unternehmen ziehen eine gleichmäßige Preisentwicklung oder vielleicht einen leichten Aufwärtstrend starken Fluktuationen vor, die schwerer einzuplanen und zu kontern sind. Wir interessieren uns für Chancen im gesamten Energiesektor, unter anderem bei Explorations-, Produktions-, Raffinerie- und Vermarktungsunternehmen.

Turbulenzen in Europa und die Aussicht, dass das Wachstum in diesem Jahr auch anderswo schwächer wird trugen im Frühjahr und Sommer zum Rückgang der Ölpreise bei. Einen dramatischen Preissturz erwartet unser Team aber nicht. Viele russische Unternehmen konnten ungeachtet der Einbrüche florieren, weil die Kosten der Rohstoffproduktion so niedrig sind, dass die Unternehmen trotzdem rentabel arbeiteten.

Worst-Case schon eingepreist

In die Notierungen russischer Ölgesellschaften könnte ein Worst-Case-Szenario für den Ölpreis unseres Erachtens bereits eingeflossen sein. Wenn es natürlich in Europa oder den USA zu einer schweren Depression käme, hätte das vermutlich negative Effekte – auf Öl ebenso wie auf andere Rohstoffe. Damit rechnen wir aber auf kürzere Sicht nicht.

Längerfristig halten wir eher ein Anziehen der Rohstoffpreisinflation für möglich, da Zentralbanken in aller Welt ihre Währungspolitik gelockert haben, um für Wachstum und Liquidität zu sorgen. Das könnte dem russischen Markt sehr entgegenkommen, solange die Inflation nicht außer Kontrolle gerät. Auf der nächsten Seite geht Mark Mobius auf Investitionschancen außerhalb des Rohstoff-Sektors ein.
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